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Verführerin der Herzen Monroes Metamorphosen

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Marilyn Monroe bei ihrer Ankunft am New Yorker Madison Square Garden, wo sie am 19. Mai 1962 ihr "Happy Birthday" für US-Präsident Kennedy singt.

(Foto: Sammlung David Wills - courtesy Schirmer/Mosel)

Sie ist der Liebling der Massen. Sie ist Pin-up-Model, Hollywood-Star und Sex-Symbol in einem. Sie gibt die Diva und liebt die Kamera der Fotografen genauso wie die große Bühne, die Kinoleinwand. Sie ist einzigartig. Sie ist: Marilyn Monroe.

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Aber in der Kunst und Wissenschaft gilt als schön, was symmetrisch ist. Ein perfektes wunderschönes menschliches Gesicht sollte in den Augen der Experten über hohe und markante Wangenknochen verfügen. Über große und weit auseinanderstehende Augen und eine kleine, nicht weit vorspringende Nase, die keine störenden Schatten auf das Gesicht wirft. Das ist das klassische Ideal. Marilyn Monroe hat es nicht. Ihre Augen sind zu klein, ihr Gesicht ist zu herzförmig. Ihre Lider fallen zu den Schläfen hin ab. Dennoch gilt sie als eine der schönsten Frauen der Welt, als eine der aufregendsten. Sie ist die Ausnahme von der Regel. Ihr Geheimnis: Charisma.

Man erkennt es sofort. Sie hat es, das gewisse Etwas. Es strahlt aus ihren kornblumenblauen Augen, aus ihrem immerwährenden Lächeln. Es macht ihr Gesicht - die ganze Person - zu etwas Besonderem. Etwas, das in den Köpfen der Menschen hängenbleibt - das mehr ist, als nur eine flüchtige Erinnerung. Noch heute, fast 50 Jahre nach ihrem Tod, zaubert der Gedanke an die Monroe bei fast allen Menschen ein verträumtes Lächeln ins Gesicht. Noch heute bewegt ihre Geschichte, zieht ihr viel zu kurzes Leben Millionen in den Bann. Ein Leben, das als Norma Jeane 1926 beginnt.

1940er Jahre: Norma Jeane und Starlet

Norma Jeane arbeitet in einer US-Rüstungsfabrik, als sie von einem Armeefotografen 1945 entdeckt wird. Sie ist brünett, ihr Haar ist lockig. Ihre natürliche Schönheit ist es, die den Fotografen verzaubert - ebenso wie bereits drei Jahre zuvor schon Jim Dougherty, Norma Jeanes Ehemann: "Norma Jeane war immer ein Schmetterling. Ihr ganzes Leben lang war sie wunderschön, inner- und äußerlich. Ich wurde nie müde, mit ihr zusammen zu sein, sie anzusehen und mit ihr zu lachen und sie zu lieben. Unsere Ehe war wundervoll und eine große Freude. Aber am Ende genügte sie Norma Jeane nicht mehr. Wie alle schönen Schmetterlinge musste sie weiterfliegen."

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Norma Jeane (1945)

(Foto: Chuck Murphy - courtesy Schirmer/Mosel)

Das tat Norma Jeane: Ihre ersten Bilder sind gefragt und sie entschließt sich, eine Modelkarriere einzuschlagen. Sie bewirbt sich bei einer Agentur in Hollywood - und wird angenommen. "Sie war ein properes, adrettes, amerikanisches Mädchen - zu mollig, aber auf ihre Weise schön. Wir versuchten ihr beizubringen, wie man posiert, was man mit seinem Körper anstellen kann", sagt die damalige Leiterin der Modelagentur, Emmeline Snively. "Sie hatte nicht die leiseste Ahnung von Stellungen, Haltungen, Gehen, Sitzen oder Posieren. Ich wüsste kein Mädchen zu nennen, das anfangs so wenig konnte. Aber sie hat an sich gearbeitet, wie keine zweite. Sie wollte etwas lernen, wollte jemand sein und das mehr als alle, die mir bis dahin begegnet waren."

Norma Jeane trägt mehrere Jahre eine Zahnspange. Sie lässt ihre Locken glätten, ihr brünettes Haar blondieren. Sie nimmt Schauspielunterricht. Aus Norma Jeane wird Marilyn Monroe. Marilyn wie die damalige Tänzerin Marilyn Miller und Monroe nach dem Geburtsnamen ihrer Mutter.

1950er Jahre: Starlet, Star und Superstar

Marilyn Monroe bekommt erst kleine Nebenrollen in Hollywoodfilmen und landet auf den ersten Titelseiten. Ihre Popularität wächst. In John Hustons "Asphalt-Dschungel" sorgt sie als junge Geliebte eines älteren Gangsters mit ihrem Lolita-Sexappeal beim Publikum für Aufsehen. Auch die Rolle eines psychopathischen Kindermädchens in "Versuchung auf 809" lässt aufhorchen. Noch bleiben die großen Rollenangebote - trotz zunehmender Beliebtheit beim Publikum und ersten Auszeichnungen - aus.

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Marilyn Monroe in "Das verflixte 7. Jahr". (1955)

(Foto: Frank Powolny - courtesy Schirmer/Mosel)

1953 soll sich das ändern. Sie spielt in "Wie angelt man sich einen Millionär?" und stiehlt dem bis dahin beliebtesten Pin-up-Girl, Betty Grable, das ebenfalls mitspielt, die Show. Von da an hängt ihr Bild in fast jedem Spind der US-Armee. Ihre Beliebtheit unter den Soldaten, den einfachen Männern des Volkes, stärkt zudem noch eine Konzerttournee für die Armee. Zur Legende wird sie bereits Mitte der 50er Jahre mit der Billy-Wilder-Komödie "Das verflixte 7. Jahr". "Als Komödiendarstellerin war sie ein absolutes Genie, sie hatte ein außerordentliches Gespür für Dialoge. Es war eine Gottesgabe. … Einzigartig ist ein reichlich abgedroschenes Wort, aber in ihrem Fall trifft es zu", sagt Wilder über die Monroe.

Die Szene, wo sie in einem Kleid über einem New Yorker U-Bahn-Schacht steht, ist heute ein Hollywood-Klassiker. Der Film wird einer ihrer größten Erfolge. 1959 dreht sie nochmals unter der Regie von Wilder. In "Manche mögen’s heiß" sind Jack Lemmon und Tony Curtis ihre Filmpartner. Auch dieser Wilder-Monroe-Film schlägt an den Kinokassen ein. Bekannt daraus ist das von Monroe gesungene Lied: "I Wanna Be Loved By You". Der Song wird ein Hit, wie bereits das frühere Lied "Diamonds Are A Girl‘s Best Friend" aus dem Film "Blondinen bevorzugt".

1960er Jahre: Diva und Göttin 

Monroe wird für ihre Rolle in "Manche mögen’s heiß" 1960 mit dem Golden Globe ausgezeichnet. 1962 erhält sie noch einen Globe - als "Beliebteste Schauspielerin der Welt". Sie hat den Sprung vom naiv aussehenden Blondchen und von der Komödie ins anspruchsvolle Fach geschafft. Der Film "Misfits" unter der Regie von John Huston und an der Seite von Clark Gable beweist das. Damals weiß noch keiner, dass es Monroes letzter vollendeter Film sein wird. Gable sagt später: "Marilyn ist sozusagen das Nonplusultra, unerreicht in ihrer Weiblichkeit. Alles an ihr ist anders, einzigartig und aufregend."

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Der Bildband "Marilyn Metamorphosen" ist im Verlag Schirmer/Mosel erschienen.

(Foto: Schirmer/Mosel)

Aus Norma Jeane und Marilyn Monroe ist längst die Monroe geworden. Keine Frau dieser Welt ist mehr fotografiert worden. Fotomodel, Schauspielerin, Sängerin und Ehefrau - alles war die Monroe. Ihren Werdegang von der unbekannten Norma Jeane zur Diva zeichnet der bei Schirmer/Mosel erschienene Bildband "Marilyn Monroe Metamorphosen/Verwandlungen" nach - auf 320 Seiten und mit mehr als 230 Fotografien. Sie stammen aus der Sammlung des US-Amerikaners David Wills. Neben den bekannten Klassikern finden sich auch bisher kaum bekannte Bilder aus den 50er Jahren. Von Wills stammt auch das einfühlsame Vorwort des fantastisch aussehenden Prachtbands.   

Abgerundet wird dieser vom letzten Interview der Monroe. Diese sehr persönlichen Worte, die die Monroe 1962 der US-amerikanischen Illustrierten "LIFE" gesagt hat, wurden seitdem nie wieder veröffentlicht - bis jetzt. Ihre letzten Sätze lauteten: "Ruhm vergeht, leb wohl Ruhm, ich habe dich gehabt. Und wenn er vergeht, so hab‘ ich immer gewusst, dass er launisch ist. Dann hab‘ ich ihn wenigstens einmal erfahren. Aber mein Leben findet woanders statt." Zwei Tage darauf starb sie. "Sie wird ewig weiterleben." (Jacqueline Kennedy-Onassis)

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Quelle: n-tv.de