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Schlummern, schlendern, sinnen Vom Glück des Nichtstuns

Rumhängen, einfach nur in die Luft starren, nichts vorhaben und nichts verpassen. Das ist ein Zustand, der in die Zeit von Smartphones und ständiger Erreichbarkeit so gar nicht mehr passt. Den immer Bereiten dieser Welt hat der Wissenschaftsjournalist Ulrich Schnabel ein ganzes Buch über das Nichtstun geschrieben.

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Das Buch ist im Blessing-Verlag erschienen und kostet 19,95 Euro.

"Muße" ist der Titel von Ulrich Schnabels neuem Buch - und schon dieses altmodische Wort lässt ahnen, wie sehr es aus der Mode gekommen ist, inne zu halten. Schnabel schlägt unsere Leistungsgesellschaft mit ihren eigenen Waffen, indem er anhand von Forschungsergebnissen belegt, wie wichtig Zeiten des Nichtstuns sind. Sie bringen uns nicht nur wieder zur Ruhe und ins seelische Gleichgewicht und stärken unser Gedächtnis. Schnabel belegt, dass wir auch für die Entwicklung neuer Ideen jene "Phasen absichtslosen Nichtstuns" unbedingt brauchen. Nur wenn eine gewisse Leere eintritt, wird Platz für etwas Neues.

Ohne Momente des Müßiggangs kommen wir nicht in jenen Zustand, den Psychologen und Gehirnforscher als Flow beschreiben, das vollkommene Aufgehen im Augenblick, wie wir es bei Kindern, die ins Spiel versunken sind, perfekt beobachten können. Was uns dabei entgeht, ist nicht nur der perfekte Moment. Schnabel zufolge müssen wir aus Mangel an Muße auf etwas Grundsätzlicheres verzichten, "das Erleben der Gegenwart und damit die Wertschätzung unseres Lebens selbst".

Da ist es kein Wunder, dass die Ergebnisse aus der Hirnforschung direkt neben Erfahrungen aus den verschiedenen Religionen stehen. Meditieren, den Geist leeren, zur Ruhe kommen, das ist auch die beste Methode, den Modekrankheiten der Gehetzten zu entgehen. Denn Tinnitus und zahlreiche andere psychosomatische Erkrankungen haben eben auch etwas damit zu tun, dass wir uns kaum noch trauen, unsere Lebenszeit einfach mal zu verplempern.

Was diese zunächst sinnlos verbrachte Zeit dann doch bewirken kann, beschreibt Schnabel am Beispiel berühmter Müßiggänger. Er nennt sie die "Querdenker, Pausenkünstler und Abwesenheitsexperten" und lässt die Leistungsschwimmerin Britta Steffens beschreiben, warum weniger Training manchmal mehr ist, den Jahrhundertkünstler John Lennon, warum er ohne Schläfrigkeit kaum kreativ sein konnte und den Unternehmer Yvon Chouinard, warum sechs Monate im Büro komplett ausreichen, um erfolgreich zu sein.

In jenen analytischen Teilen ist der Wissenschaftsjournalist Schnabel klar und überzeugend. Was sich einfach beim Lesen nicht so recht einstellen will, ist Muße. Denn auch wenn es Techniken geben mag, loszulassen und entspannen, ist Müßiggang noch lange nicht das Gleiche wie "der Muße pflegen". Die Freiheit, einfach mal gar nichts zu tun, kann sich jeder nur selbst nehmen.

Quelle: n-tv.de