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"Hilda" und "Saga" Zwischen Zwergen, Feen und Robotern

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Hilda liebt ihr zu Hause, nur muss sie es bald gegen Zwerge verteidigen.

(Foto: Reprodukt 2013)

Sagen bekam man früher vom Großvater erzählt oder man sah sie wie "Star Wars" im Kino. Inzwischen hat man das tausendmal gehört und gesehen. Da ist es doch viel faszinierender, mit "Hilda" hinter das Geheimnis des Mitternachtsriesen zu kommen oder in "Saga" eine grandiose Weltraumsaga zu verfolgen.

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Hilda begegnet dem Mitternachtsriesen.

(Foto: Reprodukt 2013)

Dies ist eine Warnung: Sollte Hilda erst einmal in Ihr Leben treten, wird sie daraus nicht mehr so schnell verschwinden. Denn Hilda ist witzig, altklug und hartnäckig - man kann sie einfach nur ins Herz schließen. Das lilahaarige Mädchen wohnt mit ihrer Mutter in einem abgelegenen Tal. Eines Tages bekommen sie es jedoch mit den verborgen lebenden Zwergen zu tun. Die wohnen schon weitaus länger dort und wollen die Menschen vertreiben. Als nachts auch noch ein geheimnisvoller Riese auftaucht, nimmt Hilda die Angelegenheiten selbst in die Hand.

"Hilda und der Mitternachtsriese" von Luke Pearson, erschienen bei Reprodukt, ist vollgepackt mit mythischen Gestalten, mit Zwergen und Riesen, Fuchshörnchen, Flugpelzern und Holzmännchen. Und mittendrin ein neugieriges, pfiffiges Mädchen, das mit allen in Frieden leben will. Doch nicht nur die Hauptfigur, sondern auch das Plädoyer für Toleranz machen den Comic zu einer fantastischen Lektüre für Kinder (empfohlen ab sechs Jahren). Hilda nimmt all die Fabelwesen, denen sie begegnet, wie selbstverständlich hin, und sie nimmt deren Sorgen ernst.

Dass der Band dabei alte nordische Sagen aufgreift, ist kein Zufall. Pearson las bereits als Kind darüber und war begeistert. Zudem unternahm er mit seiner Familie eine Kreuzfahrt durch die norwegischen Fjorde. Noch heute erzählt er begeistert von der Landschaft, die er dort sah: die Hänge, die Berge, der Nebel, aber auch die typischen kleinen Holzhäuser. "Das hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt und mich sehr inspiriert", erklärt er im Gespräch mit n-tv.de. Und dem Band mit seinen verwunschenen Landschaften sieht man das auch an. Hinzu kommen Figuren aus der nordischen Folklore, wie Trolle und Feen, aber ebenso Elemente der japanischen Mythologie - was man auch an zeichnerischen Anleihen beim Studio Ghibli erkennt.

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"Hilda und der Mitternachtsriese" erscheint bei Reprodukt. Der Band im Albenformat hat 44 Seiten im Hardcover mit Halbleinen und kostet 18 Euro (D).

Diese Vielseitigkeit spricht Jung und Alt an und ist - neben der Hauptfigur - der Hauptgrund für Hildas Erfolg. Für Pearson kam dieser überraschend. Denn der erste "Hilda"-Band war sein erster eigener Comic und nicht als Serie geplant, wie er n-tv.de erklärt. Im englischen Original liegen nun bereits drei Bände vor, die Reprodukt nach und nach auch in Deutschland veröffentlicht. "Ich weiß nicht genau, wie erfolgreich Hilda ist, aber die Menschen mögen das Buch", sagt Pearson und fügt an: "Sie wollen mehr von Hilda lesen." Für den jungen Künstler ist das Glücksfall und Fluch zugleich. Einerseits hat er so eine konstante Arbeit neben den Illustrationen, die er etwa für den "New Yorker" anfertigt. Andererseits möchte er verhindern, dass er auf "Hilda" festgelegt wird.

Dass Pearson auch noch anders kann, hat er bereits mit "Everything We Miss" bewiesen. Der großartige, kleine Band, der bisher nur auf Englisch erhältlich ist, hat zwar auch magische Momente, ist aber eigentlich eine nachdenkliche, traurige Reflexion über das Ende einer Beziehung, über Verlust und Vergänglichkeit. Beständig sind dagegen hoffentlich die Veröffentlichungen von Pearson. Der Brite ist erst Anfang 20, aber bereits einer der vielversprechendsten europäischen Comiczeichner.

"Hilda und der Mitternachtsriese" und "Everything We Miss" bei Amazon bestellen. Eine Leseprobe von "Hilda" gibt es hier. In seinem Blog stellt Luke Pearson regelmäßig neue Arbeiten vor.

Romeo und Julia im Weltraum

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Die junge Familie: Alana und Marko mit ihrem Baby.

(Foto: 2013 Amigo Grafik GbR / Cross Cult)

Wo Pearson mit "Hilda" alte nordische Sagen in eine moderne Form kleidet, greift "Saga" sowohl klassische als auch moderne Erzählungen auf. Der Comic von Autor Brian K. Vaughan und Zeichnerin Fiona Staples erscheint nun auf Deutsch bei Cross Cult. Da ist sicher hilfreich, dass er gerade erst in den USA bei der Verleihung des wichtigsten Comicpreises triumphiert hat: Gleich drei Eisner-Awards heimste "Saga" ein, darunter für die beste Serie und den Autor.

"Saga" ist eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy. Im Mittelpunkt stehen Alana und Marko, die zu verfeindeten Völkern gehören, die einen galaktischen Krieg gegeneinander führen. Doch Alana und Marko sind nicht allein, denn zu Beginn der Serie bekommen sie eine Tochter, die als Sprecherin aus dem Off ihre eigene Lebensgeschichte erzählt.

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Alana und Marko geraten mitten in den galaktischen Krieg.

(Foto: 2013 Amigo Grafik GbR / Cross Cult)

Ein friedliches Zusammenleben ist ihnen allerdings nicht beschert. Alana und Marko werden von ihren Armeen und Kopfgeldjägern gejagt. Nicht nur weil sie desertiert sind, sondern weil sie als Liebespaar die Fronten überwinden und darüber hinaus auch noch ein gemeinsames Kind haben. Und so versuchen die drei im ersten Band, vom unwirtlichen Planeten Kluft zu fliehen.

Schon in dieser kurzen Zusammenfassung scheinen die verschiedensten Anspielungen auf. Die Flucht eines jungen Elternpaares erinnert an die Flucht von Maria und Josef mit dem Jesuskind. Eine Liebe inmitten verfeindeten Parteien greift den "Romeo und Julia"-Stoff auf, aber auch das in den USA nach wie vor viel diskutierte Thema Rassismus. Und natürlich hat der Krieg der Planeten viel von "Star Wars". Hinzu kommen Fantasy-Elemente, die an "Games of Thrones" und "Herr der Ringe" erinnern, ein paar erotische und ein paar blutige Momente - die Serie richtet sich nicht an Kinder.

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"Saga" erscheint bei Cross Cult. Der gebundene Band hat 160 Seiten und kostet 22 Euro (D).

Diese Kombination erscheint auf den ersten Blick sehr wild, aber sie funktioniert prächtig. "Saga" setzt die verschiedensten Versatzstücke neu zusammen und macht daraus eine mitreißende, spannende Geschichte, die zutiefst menschliche Konflikte aufgreift. Das sieht man vor allem an den Hauptfiguren, die nicht als Helden dargestellt werden, sondern gleichzeitig die Probleme ihrer ungleichen Partnerschaft und die Sorgen junger Eltern widerspiegeln.

Darüber hinaus besticht "Saga" aber auch durch seine prächtigen Bilder und phantasievollen Figuren. Alana und Marko sind keine Menschen: Alana kommt vom Planeten Landfall. Sie hat zwar menschliche Züge, darüber hinaus aber auch Feenflügel. Marko dagegen kommt von Ranke, dem Mond von Landfall. Er hat Widderhörner und verfügt über magische Kräfte. Diese Kombination von anthropomorphen und außerirdischen Zügen erleichtert die Identifikation mit den beiden Helden der Geschichte. Aber es geht auch, sagen wir: schriller.

So kämpfen auf der Seite der Landfall-Koalition nicht nur Flügel-Wesen, sondern auch Roboter, die aus menschlichen Körpern und Monitor-Köpfen bestehen. Hinzu kommen unzählige gehörnte Wesen, sprechende Affen, rot schimmernde Geister und eine überaus eklige Kopfgeldjägerin in Spinnengestalt - das ist ein überaus faszinierendes Ensemble. Das Seitendesign ist dagegen recht klassisch, angesichts aktueller Superhelden-Hefte aber durchaus wohltuend. Ja, bei "Saga" passt alles zusammen: Geschichte, Figuren, Phantasie und grafische Gestaltung. Eine große Leseempfehlung gerade für Leser, die Fantasy-Comics bisher eher skeptisch gegenüberstanden.

"Saga", Band 1, bei Amazon bestellen. Eine Leseprobe gibt es hier.

Quelle: n-tv.de

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