Essen und Trinken

Monstermäßig beliebt? An Halloween scheiden sich die Geister

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Ein Zombie Cocktail zu viel - und man wird zum Untoten.

(Foto: imago stock&people)

In der Nacht der Nächte gilt: Je gruseliger, desto besser. In diesem Jahr belebt die Nachfrage nach Untoten die Kostüm- und Partyindustrie. Doch nicht alle mögen Äxte im Kopf und Augen im Glas.

Halloween ist ansteckend, zum Leidwesen mancher Erwachsenen. Immerhin begehen drei Viertel der deutschen Familien mit Kindern unter 14 Jahren Halloween, wie eine Umfrage von deals.com 2014 ergab. Fast jedes zweite Kind zieht mit der Parole "Süßes oder Saures" durch die Straßen. Das Klingeln an fremden Türen und mit Streichen zu drohen, falls es keine Süßigkeiten gibt, ist bei den Erwachsenen hierzulande allerdings weniger beliebt. Jeder vierte Deutsche tut da gelegentlich so, als wäre er nicht zu Hause. Und immerhin 31 Prozent der 1000 Befragten finden es überhaupt "Quatsch", einen Brauch aus den USA einfach zu kopieren.

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Wenn Sie selbst Hand anlegen: Das Kürbis-Innere ergibt leckere Suppen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Allem Ungemach zum Trotz: Vor den kleinen Ungeheuern, Hexen und Vampiren, die am 31. Oktober monstermäßig unterwegs sind, ist keiner sicher. Die Ikone der Monster ist der ausgehöhlte Kürbis mit geschnitztem Gruselgesicht; etwa 45 Prozent der Eltern mit Kindern unter 14 Jahren dekorieren zu Halloween mit derartigen Kürbissen Garten und Terrasse oder schnipseln sich gar selbst einen; die Kürbis-Bauern freut’s.

Wer Halloween in die gute Stube lassen will, sollte besser nicht so auf Natur stehen, die ja naturgemäß irgendwann anfängt zu gammeln. Vor allem wenn's warm ist. Der Halloween-Fan ohne eigenen Garten, Balkon oder Terrasse muss dennoch nicht auf den Spuk verzichten: Rechtzeitig vor dem gruseligen Ereignis bietet der Handel massenhaft mehr oder weniger geschmackvolle, aber sehr haltbare Zimmer-Deko in allen Erscheinungsformen und Größen an. Wer will, kann sich da eine Menge antun.

Um 1990 herum schwappte die Halloween-Welle aus den USA über den großen Teich und überspült uns seither mit ausgehöhlten Kunst- oder Natur-Gruselkürbissen. Dabei ist Halloween gar keine amerikanische, sondern eine zutiefst europäische "Erfindung", wurde das Halloween-Fest doch von irischen Einwanderern im 19. Jahrhundert in ihre neue Heimat Amerika mitgenommen. Der 31. Oktober markiert im keltischen Kalender den letzten Tag des Sommers und der Ernte und läutet den Beginn des Winters ein. Die Kelten glaubten daran, dass in dieser einzigartigen Nacht die Geister verstorbener Menschen die Erdenwelt wieder betreten und in ihre Häuser zurückkehren, wohl deshalb die etwas schaurige Atmosphäre.

Was aber tun die vielen heimatlosen Seelen, die trotz der großen Feuer, die am Wegesrand entfacht werden, den Weg nicht finden und verzweifelt umherirren? Auch diese Geister mischen sich unters Volk, spukten durch die Nacht und treiben ihr Unwesen mit friedlichen Bürgern. Es gilt, solche Geister an der Nase herumzuführen, weshalb man sich selbst als Geist verkleidet und gewandet als Hexe, Zauberer oder Vampir nun seinerseits nicht gerade Liebreiz verbreitet: Der Anti-Geist ist unterwegs. Und zu allem Überfluss bekommen wir in diesem Jahr in der Nacht der Nächte auch noch "Besuch" aus dem All. Na gut, zum Glück nur fast.

Kelten oder Christen?

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Kleine Monster unterwegs: "Süßes, sonst gibt's Saures!"

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch heute noch werden in Irland am Abend des 31. Oktobers große Feuer angezündet, um böse Geister abzuschrecken; das erinnert an unsere Walpurgisfeuer in der Nacht zum 1. Mai. Ebenso gehören die gruseligen Kostüme zum irischen Halloween, dagegen kam der ausgehöhlte Kürbis mit geschnitztem Gruselgesicht erst in den USA, dem Mutterland aller Kürbisse, ins Spiel. Ebenso sind die von Haus zu Haus ziehenden Kinder US-amerikanischer Prägung: "Trick or Treat" - "Süßes, sonst gibt's Saures", drohen sie, wenn sie an fremden Türen klingeln.

Lange Zeit hieß es, das Fest habe seinen Ursprung in den alten keltischen Erntedank-Feiern; inzwischen gehen Historiker von einem christlichen Ursprung aus: Halloween wird in der Nacht vor dem katholischen Feiertag Allerheiligen (1. November) begangen, an dem der christlichen Märtyrer gedacht wird. Aus dem englischen "All Hallows' Evening" (Allerheiligenabend) wurde sprachlich vereinfacht Halloween.

Auch die Protestanten feiern am 31. Oktober, nämlich Reformationstag, den Tag, an dem im Jahre 1517 der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben soll und die Welt veränderte. Zumindest die kirchliche. Luther wetterte in seinen Thesen unter anderem gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen.

Würde der große Reformator jetzt den Halloween-Kommerz sehen können, gäb’s wohl neue Thesen gegen den "Hellowahn". Ob man will oder nicht: Die Invasion schwarzer Magie mit orangeroten Grinse-Kürbissen, besenreitenden Hexen, satanisch grinsenden Fledermäusen oder bluttriefenden Vampiren macht vor keinem Ladenregal Halt. Schätzungsweise 200 Millionen Euro werden jährlich zu Halloween umgesetzt - und das quer durch alle Branchen von der Süßwarenindustrie bis zu den Kostümherstellern. Blutsauger gehen eigentlich immer, heißt es bei den Kostüm-Experten, doch in diesem Jahr gehöre das Untoten-Outfit zu den absoluten Verkaufsschlagern. Partyartikel wie Kunstblut, Dracula-Zähne zum Einsetzen, Äxte in Köpfen und offene Bauchhöhlen sowie als Tisch-Deko blutige Innereien und Glubschaugen in Gläsern gehen weg wie warme Semmeln (die Semmeln beim Bäcker um Halloween herum gerne ebenfalls trendgemäß verziert). Auch Gastwirte, Erlebnisparks und Partyveranstalter profitieren von dem geschäftigen Grauen.

Die Kirche freut's weniger, die sieht ihre katholischen bzw. evangelischen Feiertage Allerheiligen und Reformationstag durch den "kommerziellen Humbug" angekratzt. Die meisten Würdenträger stehen jedoch über den Dingen und sehen in dem weltlichen Mummenschanz keine wirkliche Gefahr, weder für die Seele noch für die Institution Kirche.

Ein Zombie mit unheimlich gutem Geschmack

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Wer hat mir den Hammer geklaut?

(Foto: imago stock&people)

Den einen geht es also um den Glauben, den anderen um den Spaß. Aber wer weiß schon genau, ob die alten Kelten nicht doch recht hatten mit den bösen Geistern? Es ist daher immer gut, Ende Oktober/Anfang November einen kleinen Vampir im Hause zu haben. Oder irgendetwas anderes Magisches - vielleicht einen Zombie? Am besten den zum Schlürfen.  Erfunden wurde dieser starke Rum-Drink in den 30er Jahren in Hollywood. Eigentlich wollte damit der Restaurantbesitzer Donn Beach einem völlig verkaterten Freund vor dessen Abreise wieder auf die Beine helfen. Nach drei Gläsern der Mixtur gelang wohl der Rückflug, aber der Freund erzählte später, er habe sich wie ein Untoter gefühlt. So kam der Drink zu seinem Namen, und "Zombie" wurde ein unsterbliches Getränk.

Es gibt wohl kaum eine Bar, die "Zombie" nicht auf der Karte hat; und mitunter wird der Ausschank auf zwei Gläser pro Kunde beschränkt. Denn immerhin hat der Cocktail durch seinen hohen Rumanteil einen nicht unerheblichen Alkoholgehalt, den der Ungeübte wegen des sanften und fruchtigen Geschmacks des Getränks gar nicht so mitbekommt - erst später... Der Alkoholgehalt liegt je nach Rezept zwischen 15 und 20 Vol.-%!

Es werden in Bars alle möglichen Varianten der Mixtur als "Zombie" verkauft, darunter sind leider ziemlich viel schlechte, die den Namen nicht verdienen und aus billigem Fusel und Multivitaminsaft bestehen. Verwenden Sie möglichst gute Zutaten und genießen Sie "Zombie" in haushaltsüblichen Mengen, dann überstehen Sie auch Halloween, und zwar lebend:

Zombie

Zutaten (pro Untoten):

4 cl brauner Rum
4 cl weißer Rum
2 cl hochprozentiger Rum (> 70% vol.)
2 cl Curaçao Triple Sec
1 cl Grenadine
1 cl Maracujasirup
4 cl Orangensaft
4 cl Ananassaft
2 cl Zitronensaft (frisch gepresst)
¼ Scheibe Ananas, Eiswürfel, Shaker

Zubereitung:

Alle Zutaten im Shaker mit Eiswürfeln gut schütteln und in ein Longdrinkglas auf Eiswürfel abgießen (am besten mit einem Barsieb). Mit dem Viertel Ananas den Glasrand dekorieren. Etwas "flüssiger" wird der Drink, wenn er auf Crushed Ice abgegossen wird. Möglich ist auch, die 2 cl hochprozentigen Rum erst nach dem Mixen mit einem Barlöffel auf das Getränk zu träufeln.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner - und kommen Sie gut durch die verrückte Nacht!

Quelle: ntv.de