Essen und Trinken

Die schönsten Berge der Welt (2) Brandblasen, Enzian und kein Terence Hill

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Dolomitenblick, Alphorn und Gipfelpause: Rast vor dem Abstieg.

(Foto: Driesner)

Das Hochpustertal der Dolomiten bietet für jeden Geschmack etwas: kinderwagentaugliche Wanderwege und extreme Klettersteige auf ehemaligen Schmugglerpfaden. Mitunter kann man sein smaragdgrünes Wunder erleben und einen Mann mit stahlblauen Augen treffen.

Wer braucht schon eine lange Nacht, wenn eine kurze derart erholsam sein kann? Ich blinzle mich im "Leitl-Hof" in meinen ersten Dolomiten-Morgen - schöner kann Aufwachen nicht sein: Um mich herum im Zimmer helles natürliches Holz, draußen vor dem Balkon locken blauer Himmel, Sonne und die Berge. Heute ist Wandertag mit Markus Holzer von der "Jora"-Hütte; also raus aus den Federn, frühes Frühstück und los geht’s.

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Saftige Wiesen, Blümchen und Ausblick locken zur Pause.

(Foto: Markus Holzer)

Der Aufstieg ist auf der ersten Etappe eine Auffahrt, denn es  geht gemächlich per Bergbahn Richtung Helm. Zum Helm-Restaurant fahren zwei Kabinenbahnen hinauf, die eine von Sexten, die andere von Vierschach. Ab Restaurant in 2050 Metern Höhe ist erst einmal Sense mit der Bequemlichkeit, jetzt geht es per pedes weiter und zwar bergauf. Das heißt im Klartext: Markus wandert, ich keuche … Die Hahnspielhütte in 2200 Metern Höhe taucht am Wegesrand auf, die mein innerer Schweinehund brennend heiß als Ziel begehrt - aber denkste! Hütte mit Restaurant lassen wir zu meinem Bedauern und im wahrsten Sinne des Wortes links liegen; rechter Hand geht's tief ins Tal. Wir gehen weiter bergauf.

Ein Prachtblick auf die Sextner Dolomiten entschädigt. Den Ausblick genießen, fotografieren, Blümchen betrachten … So hat man (besser gesagt ich) immer eine feine Ausrede, um stehenbleiben zu können. Es handelt sich bei dem Wanderweg übrigens um eine Strecke, die in Wanderkarten als "kinderwagentauglich" beschrieben wird. Betagte Damen und Herren überholen mich mühelos - aber die haben ja auch Stöcke!!! Ein Song vom Oachale fan Toule kommt mir in den Sinn, das ich am Pasta-Abend in der "Jora"-Hütte gehört hatte: "Du bisch afn Berg, di Waddl beißn, koa Tempo in Sock, und du missasch umbeding schneizn … geh mochdo an Raschta".

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Grenze heute: Das linke Bein steht in Österreich, das rechte in Italien.

(Foto: Driesner)

Die Wiesen um mich herum sind saftig grün; Gedanken wie "hier möcht' ich Kuh sein" kommen auf. Herunterkullern verbietet sich von selbst, die Hänge enden nämlich tief unten im Nirgendwo. Markus kaut ständig auf irgendwelchen Grünpflanzen herum, denn viele seiner Zutaten wachsen öko-pur auf den Bergwiesen. Er zeigt mir außerdem Frühlingsanemonen, die gleich nach dem Schnee kommen und der Mitte Juni in zahlreichen Senken noch zu sehen ist. Trollblumen, Enziane und seltene Orchideen (nur gucken, nicht pflücken) blühen hier, die ebenso berühmten Alpenrosen lassen sich noch etwas Zeit, haben aber schon rosa Knospen.

Endlich "Raschta"!

Wir haben eine Höhe von 2300 Metern erreicht, über uns ist  in der Ferne oben auf dem Gipfel die alte Helmhütte zu sehen, die unmittelbar auf der österreichisch-italienischen Staatsgrenze steht, die nach dem Ersten Weltkrieg festgelegt wurde. Dort hat der Karnische Höhenweg Anfang bzw. Ende, der seine Existenz dem Krieg verdankt. Während des in den Karnischen Alpen tobenden Gebirgskriegs (1915-1918) wurden Versorgungswege, Kasematten, Gänge und Unterkünfte angelegt. Friedhöfe folgten:Im Gebiet der Sextner Dolomiten verloren 14.000 Soldaten, Italiener wie Österreicher, ihr Leben. Stellungsanlagen, Schützengräben und Stollen beider Seiten, die sich teilweise nur wenige Meter gegenüber lagen, zeugen noch heute davon. Der Karnische Höhenweg heißt jetzt "Friedensweg". Seit 1974 ist das Wegesystem wieder hergestellt und touristisch erschlossen. Auch an der Sextner Rotwand und am Monte Piana können historisch Interessierte auf den alten Kletterpfaden von Soldaten und Schmugglern wandern.

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Christian lädt zur Gipfeljause.

(Foto: Markus Holzer)

Der Filmemacher Hubert Schönegger hat jenen Ereignissen an der Hochgebirgsfront seinen ersten Spielfilm gewidmet, wie Christian Tschurtschenthaler von der Liftgesellschaft während unserer Pause an einem Grenzstein erzählt. "Tränen der Sextner Dolomiten" basiert auf einer wahren Geschichte, nämlich auf dem Tagebuch des Standschützen Karl Außerhofer aus dem Ahrntal. Im Mittelpunkt der an Originalschauplätzen gedrehten Geschichte stehen Peter und Franz, die beide dieselbe Frau lieben und 1915 zum Militärdienst an die Dolomitenfront eingezogen werden. Um zwischen Eis und Fels zu überleben müssen die beiden Rivalen zusammenhalten, sie werden sogar zu Freunden. Aber nur einer wird zurückkommen. Der Film des gebürtigen Innicher Schönegger hatte bereits Premiere in Rom; die deutschsprachige Fassung soll im Herbst in die Kinos kommen.

Bei der Gipfelbrotzeit mit Markus und Christian geht der  Blick weit über das Fischleintal auf die gegenüberliegenden Sextner Dolomiten mit der sogenannten Sonnenuhr. Das ist natürlich keine Fassadenmalerei, sondern ein Naturdenkmal. Mit der Sextner Sonnenuhr sind fünf Bergspitzen gemeint: der Neuner, Zehner (der eigentlich Rotwand heißt), Elfer, Zwölfer und Einser. Von Sexten und Moos aus gesehen stimmt der Lauf der Sonne mit den Bergbezeichnungen überein. Zur Wintersonnenwende im Dezember steht die Sonne genau um 12 Uhr über dem Zwölfer und um 13 Uhr über dem Einser usw.

"Rooobääärt"!

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Andreas (r) vom Unteroltlhof. Hier wird leckerer Käse gemacht.

(Foto: Driesner)

Ausgeruht, gesättigt und von Christian über Wanderwege, Skipisten und Bergerlebnisse gut informiert geht es weiter zum Unteroltlhof von Sonja und Andreas Villgrater, in fünf Minuten zu Fuß über einen Waldweg von der Rotwand-Seilbahn Signaue zu erreichen. Von dem Hof inmitten kräuterreicher Bergwiesen auf 1.450 Metern Höhe bezieht Markus für sein "Mountain Dining" den "weltbesten Ziegenkäse" und den "genialsten Speck des Universums". Wobei der Käse aus Kuhmilch und die Ziegenwurst ebenso phantastisch schmecken, wie diverse Häppchen nachdrücklich unter Beweis stellen.

Außer Sonja und Andreas begrüßen uns hier Katz‘ und  Hund, Milchkühe und zwei Kälber, eine Haflingerstute nebst Fohlen, Hühner, Schweine und natürlich Familie Geiss - äääh - Geiß. Der Herr über mehrere Damen und Zicklein heißt Robert, ist neugierig und zutraulich. Krabbeleinheiten hat er am liebsten unterm Ziegenbart, was ich ihm ausdauernd mit der linken Hand gewähre, weil ich mit der rechten ein paar Fotos machen will. Robert hat mich zum Fressen gern und beschlabbert meine Hand ausgiebig. Der mir dann anhaftende Duft ist nachhaltig, und auch ausdauerndes Baden meiner Hand im Trog mit frischem Quellwasser kann ihn nur mäßig mindern. Der Spaß mit Robert war’s mir wert, und für die Häppchen habe ich ja noch meine Rechte.

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Robert ist ein fescher Kerl.

(Foto: Driesner)

Der Unteroltlhof in diesem Garten Eden Südtirol ist ein typisches Beispiel dafür, dass es kleine Bauernhöfe unheimlich schwer haben zu existieren. Leben allein von der Landwirtschaft können Sonja und Andreas nicht, obwohl Urkunden im kleinen Hofladen gleich neben der Käserei von etlichen Auszeichnungen zeugen. Im Frühjahr, wenn die Ziegen kitzen, wird deren Milch in traditioneller, handwerklicher Art zu dem wunderbaren Käse verarbeitet, den es im Sommer und Herbst im Hofladen zu kaufen gibt. Den Käse aus Kuhmilch gibt es auch im Winter. Zur Überbrückung der Trockenstehzeit der Ziegen im Winter arbeitet Andreas zusätzlich an den Ski-Liften. Trotz aller Schwierigkeiten gibt die Familie nicht auf, ihre ganze Liebe gehört dem Hof, mit dem sie zeigen will, dass es auch ohne Monokultur und Massentierhaltung geht - und zwar gesünder, natürlicher und mit vollem Geschmack.

Der Unteroltlhof ist Mitglied des Südtiroler Bauernbundes, der unter der Dachmarke "Roter Hahn" rund 500 Qualitätsprodukte heimischer Bauern vermarktet und mit hohen Standards Güte und Transparenz garantiert. Mit Speck, wie in Südtirol allerbester Schinken heißt, Ziegenfrischkäse in Olivenöl und Ziegensalami im Rucksack nehme ich Abschied vom Unteroltlhof und rufe ein letztes Mal "Rooobääärt!". Der aber ist längst wieder bei seinen Damen auf der Wiese.

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Geheimnisvoll schimmert die "Perle der Dolomitenseen".

(Foto: Driesner)

Letzte Station des Tagesausflugs per Bergbahn, zu Fuß und im Auto ist der Pragser Wildsee, der in einem wildromantischen Felsenkessel eingezwängt ist und vom majestätischen Seekofel überragt wird. Er gilt als schönster See der Dolomiten und hat den Beinamen "Perle der Dolomitenseen" verdient. Entstanden ist er durch die Bildung eines natürlichen Stausees nach einen Murenabgang. Wer Glück hat, begegnet Terence Hill. Ich hatte keins, und ich hätte doch so gerne in seine stahlblauen Augen gesehen! So bleibt mir nur die Verzückung der Damen um die Direktorin des Tourismusvereins, Hanna Erharter, die mir von dem 75-jährigen Schauspieler ("so schlank, so knackig, so charmant…") und den Dreharbeiten zur 3. Staffel der italienischen TV-Serie "Un passo dal cielo" (Ein Schritt vom Himmel entfernt) hier am Pragser Wildsee erzählen. Terence Hill spielt den Förster Pietro, der viele Abenteuer in seinem Heimatdorf in den Bergen bestehen muss und verzwickte Fälle löst. Hans Sigl war auch schon mal gucken, aber Pietro ist offenbar zu gesund für den "Bergdoktor".

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Erster Paar-Test auf dem Pragser Wildsee.

(Foto: Driesner)

Am Ufer des Sees kann in einem über 100 Jahre alten Hotel übernachtet und in einer kleinen Kirche romantisch geheiratet werden. Die Braut ist auf alles vorbereitet und tauscht High Heels gegen Turnschuhe. Wir gratulieren dem jungen Paar und haben lustige Einblicke, als die Brautjungfern das Brautkleid zur "Verschiffung" lupfen. Hineinfallen sollte man nämlich nicht, das Wasser ist a...kalt. Das ist nur etwas für abgehärtete Typen wie Terence Hill. Nach dem Spaß gibt's Kaffee und Kuchen an Pietros Bootshaus über dem smaragdgrünen, wie Glas schimmernden klaren Wasser des Pragser Wildsees. (Terence Hill und die Filmcrew waren übrigens ein paar Tage später bei Markus im "Mountain Dining" essen, da war ich leider schon wieder weg.)

Zurück im Hotelzimmer werden mir vor dem Spiegel die erschrockenen Blicke der Rezeptionistin klar: Ich sehe nach der intensiven Höhensonne tomatenrot im Gesicht aus und habe Brandblasen im Dekolleté. Die Sonnencreme mit LSF 50 liegt nämlich noch in Berlin. Den beißenden "Waddln" biete ich mit ausgiebigem Schwimmen im Pool einen Ausgleich an, und dann steht einem Gourmetabend bei Markus (mit Sonnenbrand auf der Nase) in der "Jora"-Hütte nichts mehr im Wege. Diesmal wird der Abend musikalisch begleitet vom amtierenden Harmonika-Europameister Dominik Innerkofler, 14 Jahre jung und in Innichen geboren. Ich lerne einen "Guten Heinrich" (wilder Spinat) kennen, esse das erste Mal in meinem Leben Latschenkiefer-Püree, Pasta mit Hanf und welche mit Brennnesseln und denke beim ungewöhnlichen Zwischengang "Sorbet vom Sauerklee" an die Wiesen am Helm zurück. Eine Wiederbegegnung gibt es mit dem eingelegten Ziegenfrischkäse vom Unteroltlhof:

Farfalle mit Guanciale, Feigen und eingelegtem Ziegenkäse

Zutaten (4 Pers):

Farfalle
150 g helles Weizenmehl
150 g Weizenvollkornmehl
200 g Hartweizengrieß
3 Eier + Wasser (zusammen 230 g Flüssigkeit)
Fertigstellung
150 g Guanciale (Wangenspeck), in Streifen geschnitten
Olivenöl
50 ml Weißwein
150 ml Fleischsuppe (Brühe)
150 g Ziegenfrischkäse, in Olivenöl eingelegt
4 große, reife Feigen

Zubereitung (leicht):

Die Zutaten verarbeiten wir zu einem Teig, rollen ihn aus und schneiden ihn in 5 x 3 cm große Rechtecke. Diese zwicken wir zu "Fliegen" (nicht Krawatten).

Den Guanciale in einer Pfanne kurz anbraten, mit Weißwein löschen und mit der Suppe aufgießen. Den abgetropften Ziegenkäse kurz darin schmelzen und mit den gekochten Farfalle durchschwenken.

Die Feigen schneiden wir in dünne Scheiben und richten sie, mit je einem Käsekügelchen, neben der Pasta auf den Tellern an.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Teil 1: Oachale, Plintschlauch und glückliche Kühe

Teil 3: Hedwigs Affäre, ein Bär und ein Riese

Quelle: n-tv.de