Essen und Trinken

Liebe und Essen Die Chemie muss stimmen

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Liebe ist ... wenn die Hormone verrückt spielen.

(Foto: imago stock&people)

Liebe macht blind, schlank oder auch dick. Auf alle Fälle geht sie durch den Magen, was nicht immer vom Willen der Verliebten abhängt, aber stets von ihren Hormonen. Ist das alles etwa nur Chemie?

Wann fängt die Liebe an und wann hört sie auf? Den ersten Kuss gibt’s vermutlich schon im Kindergarten und den letzten im Altersheim. Dazwischen liegen jede Menge anderer Küsse, Hoffnungen und Enttäuschungen, Trennungen und neue Lieben. Es gibt eine Vielzahl Forschungen, Studien und Tests zur Liebe; die Wissenschaftler verstehen immer besser, wie Liebe funktioniert, was Hormone und Botenstoffe im Körper "anrichten". Wenn wir sagen: "Die Chemie muss stimmen", ahnen wir kaum, wie recht wir damit haben. Doch es bleibt zum Glück auch immer Magie dabei, denn erklären kann man Liebe nicht. Vor allem die Liebenden nicht.

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Blind für die Umwelt: Verliebte Blicke im Restaurant.

(Foto: imago stock&people)

"Liebe macht blind", sagt der Volksmund. Hinter dem Phänomen, dass Verliebte regelrecht süchtig und auf den anderen fixiert sind, ihn anhimmeln und verklären, stecken die Hirnbotenstoffe Dopamin und Serotonin. Dopamin, der emotionale Botenstoff, sorgt für Motivation, Interesse und Antrieb; zu wenig davon macht träge und lustlos. Serotonin als ausgleichender Botenstoff ist für unser Wohlfühlen, für gute Laune und erholsamen Schlaf verantwortlich; zu wenig davon macht niedergeschlagen, depressiv und unruhig. Beide Neurotransmitter gelten als "Glückshormone", wir brauchen sie beide und am besten in ausgewogenem Verhältnis. Bei Verliebten verrutscht das Gleichgewicht (der Verstand mit): Viel Dopamin, wenig Serotonin. Deshalb sind verliebte Menschen eigentlich sehr glücklich, gleichzeitig aber besorgt, das Objekt ihrer Begierde zu verlieren. Das Plus an Dopamin sorgt dafür, dass Verliebte auf Wolke sieben schweben; nichts kann die Euphorie stören, egal ob die Katze auf den Teppich pinkelt, die Schlange an der Supermarktkasse ellenlang ist oder das Auto streikt. Verliebte meinen, sie könnten die Welt aus den Angeln heben. Aber wehe, der Kerl ruft nicht an! Da nutzt das viele Dopamin gar nichts, denn der niedrige Serotonin-Spiegel sorgt für Schlafprobleme und tiefe Verzweiflung: "Ich habe Depri!". Und Depressionen bekämpft man bekanntlich am besten mit Schokolade. Auch das ist wissenschaftlich bewiesen: Serotoninmangel führt zu Essstörungen, die sich durch Heißhunger auf Kohlenhydrate (Pasta!) und Süßes (Schoki!) zeigen.

Verliebtsein ist eigentlich Stress pur. Erscheint der Angebetete dann endlich wieder auf der Bildfläche, knallt das Adrenalin durch die Adern und wie vor einem Examen steigt der Puls, die Hände schwitzen, Magen und Darm sind in Aufruhr und im Mund wird’s trocken. Das Stresshormon versetzt den Körper in einen Alarmzustand, er wird für Flucht oder Kampf bereitgemacht. Bei Verliebten allerdings mischen gleichzeitig die Glückshormone mit, deshalb haben sie keine Bauchschmerzen, sondern "Schmetterlinge" im Bauch, und nicht das Herz rutscht in die Hose, sondern der Verstand.

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Gemeinsames Essen ist doppelter Spaß.

(Foto: imago stock&people)

Und dann haben wir ja noch das Sexualhormon Testosteron. Ein hoher Testosteronspiegel führt bei Männern offenbar zu einem stärkeren Verlangen nach schärferem Essen. Das haben französische Wissenschaftler herausgefunden. Sie werten den Griff zu Chili & Co. als "geschmackliche Risikobereitschaft" - und ziehen Schlüsse auf die hormonelle Potenz. Testosteron stärke das Verlangen nach Empfindungen, so die Forscher, und die Untersuchung bestätige andere Arbeiten, denen zufolge es einen Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel und der finanziellen, sexuellen und verhaltensmäßigen Risikobereitschaft gibt. Der US-Wissenschaftler James Dabbs nennt Testosteron deshalb auch das Hormon "der Helden, der Gauner und der Liebhaber". Es soll Männer aber auch ehrlicher machen, wie andere Studien nahelegen. Frauen dagegen misstrauischer - allerdings steigert es auch ihre Lust auf Sex.

Hat der Mann weniger Testosteron im Blut, stimmt ihn das zärtlicher und sein Körper schüttet mehr von dem Kuschelhormon Oxytocin aus, das als Bindungs- und Treuehormon gilt. Forscher der Universität Bonn haben herausgefunden, dass Oxytocin eine wichtige Rolle für monogames Verhalten spielt und in Partnerschaften gebundene Männer vom Flirten abhält.

Liebe geht auf die Hüften

Der Volksmund sagt auch: "Liebe geht durch den Magen." Das Kribbeln im Bauch zügelt den Appetit, die Verliebten verspüren seltener ein Hungergefühl, der Griff zum Anti-Frust-Schokoriegel bleibt aus - Liebe macht also nicht nur blind, sondern auch schlank! Herrlich - die beste Diät aller Zeiten! Zumindest die ersten drei Monate …

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Frühstück im Bett: So schön kann Liebe sein.

(Foto: imago stock&people)

Denn irgendwann sind die Verliebten zusammengewachsen, der sichere Hafen ist erreicht. Dopamin und Serotonin kommen wieder ins Gleichgewicht, langsam, aber sicher setzt der gesunde Menschenverstand ein und die rosarote Brille verschwindet in der Schublade. Am Sonntagmorgen ist man in erster Linie hungrig und erst in zweiter glücklich. Frühstück im Bett mit allem Drum und Dran! Abends wird gemeinsam gekocht oder abwechselnd verwöhnt; essen zu zweit macht halt doppelt so viel Spaß. Fort sind die Zeiten, als Liebe schlank machte. Parallel zur Beziehungszufriedenheit wächst der Hüftumfang, weisen Untersuchungen nach. Leider nur der weibliche!

Österreichische Studien bestätigen: In einer festen Partnerschaft steigt das Gewicht von Frauen, während Männer erst nach einer Trennung wieder ordentlich zulegen. Den Untersuchungen zufolge passen sich die meisten Menschen in einer Beziehung den Essgewohnheiten des Partners an, wovon die Männer stärker profitieren: Vor allem Frauen legen Wert auf eine ausgeglichene Ernährung, tun sich in einer Partnerschaft allerdings schwer damit, das auch durchzuziehen. Sie schrauben ihre Ansprüche eher herunter und passen die eigene Kalorienaufnahme der des Partners an. Die meisten Männer hingegen geben an, sich zu zweit gesünder zu ernähren.

Liebe und unterschiedliche Essgewohnheiten hängen also wirklich irgendwie zusammen. Leckeres Essen ist ein Liebesbeweis: Es weckt die Liebe und erhält sie. Wohin aber geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist? Geht sie ins Blut, ins Herz oder in die Hose? Das weiß am besten Gefühlsexperte Eckart von Hirschhausen, der stets verblüffende Erklärungen findet und auch den Weg der Liebe höchst vergnüglich beschreibt. Sie können’s ja so machen: Einer kocht und einer liest vor. Dann steht einem vielversprechenden Liebesmahl nichts mehr im Wege. Das funktioniert auch ohne eine geballte Ladung an Tabasco oder Chili, dafür mit Lachs und/oder Kaviar, wie kein Geringerer als Casanova wusste - und auch in die Tat umsetzte.

Wodka-Crêpes mit Lachskaviar

Zutaten (2 Pers):

125 g gesiebtes Mehl
125 ml lauwarme Milch
2 Eier
4 EL Wodka
2 EL zerlassene Butter
200 g Schmand
1 Gläschen Lachskaviar
Salz, Pfeffer, Pflanzenöl

Zubereitung:

Mehl, Milch und Eier in einer Schüssel verrühren, bis die Mischung glatt ist. Die Butter und den Wodka zugeben und alles zu einem dünnen Teig verarbeiten. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken. Etwa 30 Minuten ruhen lassen, damit das Mehl binden kann. Vor der Weiterverarbeitung noch einmal durchrühren.

Den Schmand in einer Schüssel verrühren und pikant mit Salz und Pfeffer abschmecken. (Wer will, kann auch etwas Chili verwenden.)

Neutrales Pflanzenöl (z.B. Rapsöl) in einer Pfanne erhitzen und nacheinander kleine Crêpes ausbacken: Jeweils 2 EL vom Teig in die Mitte einer Stielpfanne geben und durch kreisenden Schwenken auf dem Pfannenboden verteilen. Backen, bis der Rand braun wird, wenden und auf der anderen Seite fertig backen. Warmhalten, bis alle Crêpes gebacken sind.

Auf jeden Crêpe etwas von der Sahne streichen, je 1 TL Lachskaviar daraufsetzen und gemeinsam genießen.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de