Essen und Trinken

Schlafen, küssen, Hände waschen Die Erkältung mit der Wurzel packen

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Wer zu wenig schläft, wird schneller krank.

(Foto: imago stock&people)

Es ist wieder soweit: Im Fahrstuhl schnieft der Nachbar, in der U-Bahn wie auch in der Kassenschlange im Supermarkt sind die Nicht-Nieser bald in der Minderheit und im Büro hustet sowieso immer irgendwer. Kleine Dinge helfen im Alltag, fit und gut gelaunt durchs nasskalte Herbstwetter zu kommen.

Wer glaubt, mit einer Grippeschutzimpfung ohne Erkältung durch den Herbst zu kommen, der irrt gewaltig. Die Impfung hilft nämlich nur gegen die "echte" Influenza, gegen den grippalen Infekt (Erkältung) richtet sie nichts aus. Die Mediziner sind sich da einig: Gegen die Erkältungen auslösenden Rhinoviren kann jeder eine Menge selbst tun. So empfiehlt die WHO, bis zu 20 Mal täglich die Hände zu waschen, um die Krankheitserreger einfach wegzuspülen. Zwar werden die Keime auch durch die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen, wenn durch Niesen oder Husten die infektiösen Partikel durch die Luft fliegen, doch weitaus häufiger ist die direkte Übertragung durch eine Schmierinfektion.

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Man kann nicht zeitig genug mit dem Händewaschen anfangen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Studien belegen, dass sich auf Türklinken, Computertastaturen und Telefonen mehr Keime befinden als auf Toilettenbrillen! Der Ort mit der grössten Bakteriendichte ist laut einer Studie der Universität Arizona die Computertastatur. Überall, wo Leute denselben Computer benutzen, an Schulen, in Büros oder in Internetcafés, kann es über die Tastatur theoretisch zur Übertragung von Krankheiten kommen.

Selbst in öffentlichen Toiletten, meist "Örtchen des Grauens", fängt man sich die Keime eher über die Hände als über den Allerwertesten ein. Dass Krankheitserreger über die Oberschenkel den Weg in den Mund und in die Nahrung finden, sei "sehr unwahrscheinlich", sagt Dr. Ernst Tabori, ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg. Dr. Jan Liese, Mikrobiologe an der Universitätsklinik Tübingen, hält die Hand bei der Übertragung für "die entscheidende Zwischenstation":Türklinke angefasst, die unsaubere Toilettenbrille hochgeklappt, nach dem Händewaschen (falls es eine Möglichkeit dazu gibt) den Wasserhahn zugedreht und zum Schluss wieder die Türklinke. Dann hat man die Keime an den Händen und verteilt sie selbst schön weiter. Es ist überaus sinnvoll, sich auch ohne sichtbaren Grund öfters mal die Hände zu waschen, selbst in der eigenen Wohnung: Den Angaben aus Arizona zufolge befinden sich im Kühlschrank mehr als tausendmal so viele Keime wie auf dem WC.

"Impfung" durch Küsse

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Küsse machen das Immunsystem stark.

(Foto: imago stock&people)

Haben Sie sich nun gründlich die Hände gewaschen, dürfen Sie auch küssen – nein, Sie sollen sogar! Küssen nämlich stärkt unser Immunsystem, weil fremde Viren und Bakterien ausgetauscht werden und so der Körper sie kennenlernt und sich auf sie einstellt, ähnlich wie bei einer Impfung. Darüber hinaus steigen beim intensiven Umgang mit dem Partner/der Partnerin Puls und Körpertemperatur an, Stoffwechsel und Blutzirkulation werden angeheizt, Glückshormone freigesetzt. Sie sehen: Küssen macht nicht nur Spaß, es ist auch eine wichtige "Waffe" gegen den Herbstblues.

Gut für die Stärkung der Abwehrkräfte ist auch genügend Schlaf. Wer vier Wochen lang nachts weniger als sieben Stunden schläft, hat 50 Prozent weniger Antikörper im Blut als Normalschläfer, wie eine Studie der Universität Lübeck zeigt. Teil der spezifischen Immunabwehr sind T-Helferzellen, sie werden im Körper vor allem in der Tiefschlafphase vermehrt. Hat der Mensch zu wenig Schlaf, wird das Immunsystem geschwächt und die Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel. Deshalb empfehlen Schlafforscher täglich sieben bis acht Stunden Schlaf bei einer Raumtemperatur um 18 Grad Celsius. Kälter als 16 Grad sollte es im Schlafzimmer nicht sein, wärmer als 20 Grad aber auch nicht.

Nun hat es Sie aber doch erwischt? Auch da weiß die Natur Rat: Hühnersüppchen und Holundersaft, beides die reinsten Infektwaffen. Sanftes (!) Garen entzieht dem Huhn den Eiweißstoff Cystein, der Entzündungen hemmt, die Schleimhäute abschwellen lässt und Viren abwehrt. Benötigt wird ein ganzes Tier, nur mal ein Brüstchen oder Keulchen bringt nicht viel. Das Huhn muss kalt aufgesetzt werden und ganz langsam erhitzt werden, sonst gerinnt das Eiweiß, bevor es ausgezogen ist. Für den Geschmack werden Suppengrün und Salz zugegeben. Sobald der Sud kocht, muss die Temperatur reduziert werden. Das Huhn soll 1,5 bis 2 Stunden ohne Deckel sieden, das heißt bei 75 bis maximal 90 Grad simmern. Trübstoffe sollten abgeschöpft werden, die Suppe soll während des ganzen Vorgangs aber nie aufwallen. Wer mag, würzt zusätzlich noch mit Ingwer oder Chili, beides ebenfalls gut fürs Immunsystem. Von der heißen Suppe vorbeugend oder gleich beim ersten Kratzen und Kribbeln mittags und abends einen Teller voll löffeln.

Außerdem machen Saft aus Holunderbeeren und Tee aus Holunderblüten das Immunsystem mobil. Laut Forschern der Universität Jerusalem fangen Eiweißstoffe aus dem Holunder die Krankheitserreger ab, bevor sie die Zellen angreifen. Die Vitamine A und C der Beeren unterstützen die Bildung von Immunzellen. Täglich vier bis fünf Gläser Holundersaft können die durchschnittliche Erkältungsdauer von sechs auf zwei Tage verkürzen. Tee aus Holunderblüten stärkt ebenfalls die Abwehr und wirkt schweißtreibend: 1 Esslöffel Holunderblüten in einer großen Tasse mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen; heiß trinken.

Scharfe Hilfe gegen Husten

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Der im Handel erhältliche Kren aus Österreich ist feinfädig und schön scharf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch ein Wundermittel gegen das Wachstum von Viren, Bakterien und Pilzen gedeiht unter der Erde. Die unscheinbare braune Meerrettichwurzel hat es in sich: Schneidet man sie an, entströmt ihr ein schwacher Geruch, der sich jedoch zu einem regelrechten Brausen entwickelt, sobald die Wurzel klein geschnitten, zerdrückt oder gerieben wird. Wer Meerrettich fürs Mittagessen reiben will, braucht am besten eine Taucherbrille und muss lange die Luft anhalten können, denn die ausströmende Schärfe treibt unweigerlich die Tränen in die Augen. Lange dauert der Spuk aber nicht, denn der scharfe Atem der Knolle verfliegt schnell – leider auch ein guter Teil der Aromen. Deshalb  muss frisch geriebener Meerrettich immer sofort verwendet werden. Wer allerdings schon schnieft oder einer Erkältung vorbeugen will, sollte beim Reiben auf die Taucherbrille verzichten und lieber tief einatmen: Die scharfen, antibiotisch wirkenden Öle steigen in die Nase und putzen gleich mal die Atemwege durch!

Die verblüffende Wirkung verdanken wir einem ätherischen Öl, dem Senföl. Es gelangt schon im oberen Darmabschnitt ins Blut und greift daher die Darmflora nicht an. Dennoch ist eine Meerrettich-Kur für Menschen mit Magen-/Darmgeschwüren, Nierenentzündungen oder Schilddrüsenproblemen sowie für Kinder unter vier Jahren nicht geeignet. Auch Schwangere sollten darauf verzichten.

Meerrettich wirkt bei Erkältungen schleimverflüssigend und löst den Husten. Er entschlackt, fördert die Durchblutung, erwärmt den Körper und stillt den Schmerz. Außerdem senkt er den Cholesterinspiegel und wirkt harntreibend. Man kann ihn vorbeugend einsetzen oder eine Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündungen damit behandeln. Um das Immunsystem zu stärken, ist es wichtig, drei Wochen lang täglich mindestens 2 Teelöffel frischen Meerrettich zu essen: Als Beilage zu Würstchen, Roastbeef oder Fisch, im Quark, im Joughurt-Dip oder unter den Salat gemischt. Eine wirksame Arznei lässt sich mit Honig herstellen: 1 Esslöffel geriebenen Meerrettich mit 3 Esslöffel Honig verrühren und 5 mal täglich 1 Teelöffel davon im Mund zergehen lassen.

Gedünsteter Fisch geht mit frischem Meerrettich eine pikante Liaison ein, zum Beispiel Hecht oder Zander in Meerrettichsauce. Diese Sauce wird meistens mit Sahne zubereitet und mit Eigelb legiert. Es geht aber viel einfacher; wer gesundheitlich schon etwas angeschlagen ist, hat vermutlich keine Lust, sich lange in die Küche zu stellen. Auf ein warmes und leichtes Mittagessen sollten Sie dennoch nicht verzichten:

Hecht in Meerrettich

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers):

800 g Hechtfilet (oder Zander)
3 EL frisch geriebenen Meerrettich
100 g Butter
½ l Gemüsebrühe
½ Bd Petersilie
½ Zitrone
Salz

Die Gemüsebrühe aufkochen. Den gesäuberten Fisch portionieren, mit Zitronensaft beträufeln, salzen und in die Gemüsebrühe einlegen. Auf sehr kleiner Flamme gar ziehen lassen. Den Meerrettich reiben, die Butter zerlassen und die Petersilie hacken.

Die Fischstücke aus dem Sud nehmen und auf einer vorgewärmten Platte anrichten. Mit dem Meerrettich bestreuen, darüber die heiße Butter geben und alles mit der Petersilie garnieren. Am besten schmecken Salzkartoffeln dazu.

Bleiben Sie gesund; das wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de