Essen und Trinken

Starke Söhne und ... Heiße Höschen

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Bei der Unterhose von Queen Victoria, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts getragen wurde, war der Materialeinsatz noch recht hoch.

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Ich habe die Dinger schon als Kind gehasst. Natürlich meine ich nicht Slips, die damals allesamt materialintensiver hergestellt wurden und Schlüpfer hießen. Ich meine Quitten. (Was die mit "Schlüpfer” zu tun haben, davon später.)

Quitten sind die aromatischsten Früchte des Herbstes. Sie sind nur etwas für Kenner und Liebhaber; doch wer sie mag, der liebt sie für immer.

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Quitten sind eine harte und pelzige Angelegenheit.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Außer mir schwärmten alle in der Familie von Quitten, vor allem von Omas Quittengelee. Aber auch als Quitten-Torte oder -Kuchen kamen die gelben Früchte aus unserem Garten auf den Tisch; manchmal wurde auch der Sonntagsbraten damit veredelt (für mich eher "verunstaltet”).

Ich mag die harten, pelzigen Früchte immer noch nicht, offenbar ein Kindheitstrauma. Aber in den Duft der Quitten könnte ich mich verlieben. Noch drei Tage nach dem Transport einer Kiste Quitten zu meiner Schwester (natürlich liebt sie Quitten-Gelee) duftete mein Auto herrlich aromatisch. Ich hätte mal so eine Quitte als natürlichen, umwelt- und gesundheitsfreundlichen "Duftspender” im Auto lassen sollen!

Die Quitten übrigens hatte mein Chef aus seinem havelländischen Garten angeschleppt, leicht verzweifelt, weil er offenbar von Quittengelee-Kochen die Nase voll hatte. Was er aber offenbar nicht wusste (sonst hätte er die Quitten sicher behalten, die nun längst im Vorratsschrank meiner Schwester als Gelee stehen): Frauen, die viele Quitten essen, bekommen Söhne von bemerkenswerten Fähigkeiten und Kräften! Sagt jedenfalls Mattioli. Ob der italienische Arzt und Botaniker des 16. Jahrhunderts die Behauptung im familiären Selbsttest untermauern konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Pietro Andrea Mattioli starb 1577 an der Pest.

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Prüfung der Beschaffenheit. Das Klassikmodell "Feinripp" ist im Industriemuseum in Euskirchen zu sehen.

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Fakt ist aber, dass man mit Quitten eine ganze Menge mehr anstellen kann, als nur Gelee daraus zu kochen. Es gibt außer Kompott, Kuchen und Torten mit ihnen auch noch Quittensuppe und -aufläufe, Quittenschnee und -Pralinen, Quittenpudding und -beilagen (zum Beispiel zu Wildgerichten). Quitten ins weihnachtliche Rotkraut geschnitten (anstelle des Apfels) bringt einen Hauch Exotik ins Kraut. Dafür sollten die geschälten Spalten aber vor der Zugabe des Kohls etwas im Fett gedünstet werden, sonst werden sie nicht weich.

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Das ist schon eher was fürs Auge: Im portugiesischen Porto wird der Wäschetrend für Frühjahr/Sommer 2010 vorgeführt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Als Heimat der sowohl mit den Äpfeln als auch den Birnen verwandten Quitte gilt Persien, von dort hat sie sich über Europa ausgebreitet. Bei Griechen und Römern war sie Symbol der Fruchtbarkeit (Mattioli irrt wohl doch nicht!) und deshalb eine der Liebesgöttin heilige Frucht. Man nimmt an, dass eigentlich die Quitte der "Apfel" war, den Paris der Aphrodite in ihrem berühmten Streit mit Hera und Athene gereicht hat. Im alten Rom waren die goldgelben Früchte auch als Weihegabe an die Nachtgöttin in den Herrenzimmern zu finden. Dort sollte der starke Quittenduft die Angebetete betören … Motten allerdings sollen sich durch den starken Quittenduft gestört fühlen.

Geerntete Quitten sollte man einige Wochen liegen lassen, dann entfalten sie ein noch größeres Aroma. Zum Rohessen eignen sich die harten Früchte auch im vollreifen Zustand nicht.

Und jetzt wollen Sie noch wissen, was die Quitte mit einem Schlüpfer zu tun hat? Eigentlich nichts. Es war nur ein Lese-Irrtum, der meine Kollegin Diana glauben ließ, sie hätte ein Rezept mit dem lustigen Namen "Ofenschlüpfer” gefunden.

Es handelt sich natürlich um einen "Ofenschlupfer”, jenen einfachen und wohlschmeckenden Auflauf, der jeder schwäbischen Hausfrau zur Ehre gereicht. Den kann man nämlich noch am nächsten Tag essen. Der klassische Ofenschlupfer wird mit Äpfeln oder Birnen zubereitet, wir aber bringen heute einen "Quitten-Ofenschlupfer” auf den Tisch:

Zutaten (4 Personen):

400 g Quitten
120 g Weißbrot oder 5 Brötchen (unbedingt vom Vortag)
100 ml Weißwein
2 cl Quittengeist
140 g Zucker
100 ml Schlagsahne
4 oder 5 Eier (je nach Größe)
1 Vanilleschote
1 EL Zitronensaft
Fett und Zucker für die Form

Zubereitung:

Quitten werden im allgemeinen nicht gewaschen, sondern nur mit einem trockenen Tuch kräftig abgerieben. So löst sich der Pelz auf der Schale am besten.

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.

Die abgeriebenen Quitten schälen, vierteln und das Kerngehäuse wegschneiden. Weißwein, Zitronensaft, 80 g Zucker und 800 ml Wasser erhitzen und die Quittenviertel darin etwa 20 Minuten leicht sieden lassen.

Von diesem Fond 100 ml abmessen und beiseite stellen. Die Quittenstückchen abgießen und abkühlen lassen.

Das Weißbrot und die Quittenstücke in etwa 1 cm große Würfel schneiden und in einer Schüssel vermengen.

Quittenfond, Sahne, Eier, das aus der Schote gekratzte Mark, Quittengeist und den restlichen Zucker zu einer Eiersahne schlagen (oder mixen).

Portionsförmchen oder eine große Auflaufform fetten und zuckern und die Quitten-Brotwürfelmasse locker einfüllen. Mit der Eiersahne auffüllen und im Ofen eine Dreiviertelstunde bei 180 Grad backen.

Am besten schmeckt Schokoladensauce dazu. Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de