Essen und Trinken

Mit und ohne Geist Keiner will das Rindvieh sein

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Das könnte in diesem Jahr zu Pfingsten etwas kühl werden ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenige wissen warum, aber alle freuen sich darauf. Biker wienern ihre Knatterkisten, Großstädter montieren die Fahrradaufhängung an das blankgeputzte Auto. Mama putzt sich und die Kinder. Und die Bauern? Die wetzen die Messer.

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Traditionell zieht's uns zu Pfingsten 'raus in die Natur.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es ist Pfingsten, die Mehrheit der Bundesbürger hat arbeitsfrei und ein verlängertes Wochenende, das Wetter soll gut werden - also raus in die Natur! Was da eigentlich "gefeiert" wird, weiß nur noch eine Minderheit der Deutschen.

Ähnlich verhält es sich mit anderen christlichen Festen, an denen außer den Christen auch der "Rest" der Bevölkerung teilhat, aber im Prinzip nicht so richtig weiß warum. Auch die Namensgebung der Feiertage ist nicht gerade dazu angetan, dem unwissenden Nicht-Christen bei der Ideenfindung zu helfen. So heißt das Fest der Geburt Jesu Weihnachten (das bekommen ja noch eine Menge auf die Reihe), der Kreuzigungstag heißt Karfreitag und das Fest der Auferstehung Christi ist Ostern.

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Es handelt sich hier nicht um Germanys Next Topmodel.

(Foto: Kurt Bouda / pixelio.de)

Und Pfingsten? Zu dieser Zeit kam der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger und das Pfingstwunder geschah: Sie konnten alle in allen Sprachen predigen und wurden verstanden - und die, die zuhörten, ließen sich taufen. Deshalb gilt dieses "Wunder" sozusagen als Gründung der Kirche als Institution. Der Name Pfingsten, der sich aus dem griechischen Wort "pentekosté", der Fünfzigste, herleitet, verweist lediglich auf den Abstand von 50 Tagen zu Ostern. Mit Pfingsten endet die österliche Zeit.

Als christliches Fest wurde Pfingsten, das übrigens wie Ostern aus einem jüdischen Fest hervorging, erstmals im 4. Jahrhundert erwähnt. Die Feierlichkeiten waren - und sind - überwiegend recht weltlich. So künden bretonische Sagen, französische und deutsche Ritterromane von glanzvollen Pfingstfesten des sagenhaften Königs Artus, zumeist unter freiem Himmel.

"Kaiserwetter" zu Pfingsten

Und das ist so geblieben: Pfingsten ist oft genug "Kaiserwetter", das für Wanderungen, Ausflüge oder kurze Reisen genutzt wird. So mancher, der für die Ausfahrt die Kinder, das Auto und sich selbst fein macht, weiß gar nicht, dass er nun "herausgeputzt wie ein Pfingstochse" dasteht.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese spöttische Bezeichnung wirklich harmloser Natur ist. Einerseits erinnert sie daran, dass zu Pfingsten das Vieh erstmals auf die Alm getrieben wurde, meist mit Blumen geschmückt. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz werden noch heute zu Pfingsten die Rinder mit Blumen, Zweigen und Kuhglocken geschmückt.

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Zu viel Schmuck auf dem Kopf kann blind machen.

(Foto: Kurt Bouda / pixelio.de)

Bis ins 19. Jahrhundert war es auf dem Lande allerdings auch Brauch, einen Pfingstochsen oder einen Pfingsthammel durch das Dorf zu treiben. Das geschmückte Tier beendete den Tag jedoch als festlicher Braten; Hintergrund dürfte die ursprüngliche Darbringung eines Tieropfers gewesen sein. Also könnte ein "herausgeputzter Pfingstochse" auch jemand sein, der im Augenblick zwar noch "schön" wirkt - aber nur, weil er noch nicht ahnt, dass er bereits verloren ist…

Wer will schon ein Rindvieh sein?

Wer den "Pfingstochsen" oder den "Pfingstlümmel" macht oder gar als "Pfingstdreck" bezeichnet wird, der hat auch andererseits die A…karte gezogen - der ist nämlich ein Langschläfer und wird dafür durch den Kakao gezogen. Jener Hütejunge, der zuletzt auf dem Dorfplatz zum Almauftrieb eintraf, handelte sich diesen Spitznamen ein - ein ganzes Jahr lang - bis ein anderer verpennte! In manchen Gegenden wird ein "Pfingstlümmel in grünes Buchenlaub eingewickelt, so dass er nichts mehr sieht und nicht selber gehen kann. So wird er dann in einer Schubkarre durch das Dorf gefahren. Es dürfte Schöneres geben, womit man sich zum Narren machen kann! "Pfingstlümmel, Eierfresser, hast dein Arsch im Bett vergessa", spöttelts mancherorts im Schwäbischen.

Und so ist es vielerorts heute noch Brauch, dass zu Pfingsten auf Volksfesten am Spieß kein Schwein, sondern ein Ochse steckt und zu Hause Rinder- oder Hammelbraten auf dem Tisch steht - zum Beispiel "Lendenbraten in Schwarzbiersoße":

Zutaten (4 Personen):

1 kg Rinderlende
200 gut geräucherter fetter Speck
1 kleine Flasche Schwarzbier (0,33 l)
1 Möhre
2 große Zwiebel
2 Lorbeerblätter
1 TL Tomatenmark
3 Stängel Thymian
Salz, schwarzer Pfeffer
2 EL Öl
etwas Schmand

Zubereitung:

Möhre und Zwiebel schälen und in Stücke schneiden. Den Speck in dünne Streifen schneiden und das Fleisch mittels einer Spicknadel längs der Faser damit spicken. Das Bratenstück dann ringsum mit Salz und Pfeffer einreiben.

In einer Pfanne das Öl erhitzen und das Fleisch dann ringsum kräftig anbraten. Möhren- und Zwiebelstücke dazugeben und etwas mitbraten. Dann das Tomatenmark dazugeben und durchschwitzen. Mit Bier ablöschen, Lorbeer und den Thymian zugeben und zugedeckt in der Röhre bei 150 Grad Celsius langsam und behutsam etwa 2 Stunden schmoren. Die Zeitdauer kann recht unterschiedlich sein, das hängt von Alter des Tieres ab. Auch sollte die Temperatur nicht zu hoch sein, sonst wird der Braten trocken. Nach einer Stunde mal nachsehen, was der Bratenfond macht und etwa ¼ l Wasser zugeben.

Ist das Fleisch gar (Fingerdruckprobe oder von vornherein ein Bratenthermometer verwenden), aus der Pfanne heben und ruhen lassen, damit sich der Fleischsaft verteilen kann.

Den Bratensatz nochmals mit ein wenig Wasser loskochen, bei starker Hitze etwas reduzieren und durch ein Sieb geben. Vom Feuer nehmen und mit der kalten Sahne etwas binden. Genügt die Bindung nicht, eventuell noch mit etwas Mehlbutter binden. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dazu schmecken Knödel oder Salzkartoffeln sowie Rosenkohl, Rotkohl oder Prinzessbohnen. Und natürlich ein gut gekühltes Schwarzbier.

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Was versteht man eigentlich unter "gut behütet"?

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein frohes Pfingstfest wünscht Ihnen Heidi Driesner. Und vergessen Sie nicht: Langschläfer sind die Dummen …

Quelle: ntv.de