Essen und Trinken

Kein armes Schwein Obelix schließt Frieden

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Welt schaut auf London und wüsste auch ganz gerne, was sich so abseits der Wettkampfstätten in der Olympiastadt tut. Reichen die 150.000 Kondome, die das Org.-Komitee verteilt? Was erzählt man sich beim Friseur? Gehört gekochtes Wildschwein in Minzsoße zu den "Best of Britain" von Bürgermeister Johnson?

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Gerichte mit seltsamen Namen und mitunter seltsam schmeckend erwarten abenteuerlustige Gäste in London.

(Foto: REUTERS)

Keiner außerhalb der britischen Inseln kann Obelix seinen Aufschrei "Die spinnen, die Briten!" angesichts eines gekochten Wildschweins in Pfefferminzsoße verdenken. Das arme Schwein! Da schüttelt ja selbst Idefix seine Schlappohren.

Und nun versammeln sich 15.000 Sportler aus über 200 Nationen für 19 Tage in London - und sollen mit dem Besten verwöhnt werden, was das ganze Königreich zu bieten hat. Im Athletendorf findet sich tatsächlich alles, was der Mensch und Sportler so braucht: Bank, Internet-Cafés, Kino, Supermarkt, Krankenhaus, Fitnessstudio. Sogar einen weltweiten kostenlosen Telefonservice gibt es, auch das Haarescheiden soll umsonst sein. Da haben die aber mächtig Pech gehabt, die vor den noch zu Hause beim Friseur waren. Weil doch jeder weiß, was für ein Nachrichten-Umschlagplatz so ein Salon ist. Für tief sitzenden Kummer, Neid und Verdruss, falls es mit den Medaillen nicht so klappen sollte, stehen 200 Seelsorger von fünf Religionen in den Startlöchern. Und was Asterix, Obelix und den anderen ziemlich Wurst war, aber im Zeitalter von Aids nicht: Gegen unfreiwillige Olympia-Andenken zieht das Organisationskomitee mit 150.000 Kondomen in den Kampf. Hoffen wir mal, dass das ausreicht.

Fettig, fade, Flatulenzen

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Das schmeckt auch dem Deutschen: Würstchen und Kartoffelbrei. Die Soße kann man weglassen.

(Foto: REUTERS)

Und das Essen? In der Mensa des Olympischen Dorfes kann es beim Futterfassen ganz schön heiß hergehen, bis zu 5000 Leute können dort abgespeist werden. Auswählen können die Athleten aus etwa 1300 Gerichten aus aller Welt. "Best of Britain", verkündete Londons Bürgermeister Boris Johnson, erwarte die Sportler und ihre Betreuer auf dem Teller. Immerhin 150 der angebotenen Gerichte tragen dieses Brit-Siegel. Und so muss wohl niemand Chips zum Frühstück und Cookies zum Abendbrot befürchten. Es sei denn, jemand hat ein paar "magic cookies" illegal im Handgepäck. Aber das liegt nicht in der Macht der Olympia-Verantwortlichen.

Während Sportler in 26 Disziplinen um die Medaillen kämpfen, hat London den Vorurteilen gegen die britische Küche den Kampf angesagt. Denn spätestens seit den Zeiten des dicken Galliers hält sich hartnäckig das Gerücht: Die britische Küche ist ungenießbar. Langweilig auf der Zunge und schwer im Magen und schon beim Anblick von Haggis, den im Schafsmagen gekochten Innereien, weiß man, welche Herausforderungen Geschmacksnerven, Magen und Darm zu bestehen haben. Dazu kommt die berüchtigste Liaison der Welt - die von in heißem Fett, stilecht mit den Fingern aus dem Papier und nie vom Teller gegessen. Die erste Fisch-und-Fritten-Bude Englands wurde vor über 150 Jahren eröffnet und das Traumpaar aus der Fritteuse gilt längst als inoffizielles Nationalgericht. In einer Umfrage nannten die Briten auf die Frage, was sie an ihrem Land am meisten lieben, Fish and Chips - noch vor der Queen.

The same procedure ...

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Very british: Ein sonntägliches Mittagessen mit Roastbeef und Yorkshire Pudding.

(Foto: REUTERS)

Vor einiger Zeit machte ein damals 74-jähriger pensionierter Mechaniker von sich reden, dem seit 40 Jahren abends nichts anderes auf den Tisch kommt als Fish and Chips. Schon 14.000 Mal habe er das Gericht verschlungen, sagte der Witwer und fünffache Vater aus dem nordenglischen Wakefield der Zeitung "The Sun". Auf den Geschmack gekommen sei er, als er dem Dart-Club eines Pubs beigetreten war. Um an seine Leibspeise zu kommen, sagt Smith jeden Abend nur:"Dasselbe wie immer." Das erinnert unsereinen irgendwie an "Dinner for ohne": "The same procedure as every year!" Im Falle des Rentners Geoffrey Smith sogar every day und nicht nur zu Silvester. Nicht gerade abwechslungsreich und fernab einer gesunden Ernährung. Denn der hohe Fettgehalt des Backteigs um den Schellfisch und der der Fritten ist alles andere als gesund. Smith allerdings winkt ab: "Letztens bin ich beim Arzt gewesen, und der hat mir gesagt, ich hätte den Blutdruck eines 16-Jährigen. Ich glaube, das kommt alles durch die Fish and Chips." Das lässt vermuten, dass Fish and Chips mit strammen 1000 Kalorien noch das gesündeste unter den ungesunden Gerichten ist. Laut "National Federation of Fish Friers"  hat die Nationalspeise immerhin 42 Prozent weniger Fett als ein Döner Kebab.

Übrigens: Richtig zubereitet aus besten Grundstoffen schmecken natürlich Fisch und Fritten köstlich; es kommt auch hier darauf an, wer wie gut und mit welchen Zutaten kocht. Und natürlich nicht täglich …

Great British Food

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Von einem traditionellen englischen Frühstück wird ein Elefant satt.

(Foto: REUTERS)

Auch ein "Full English Breakfast" kommt einem Anschlag auf den deutschen Magen gleich, der morgens um 8 Uhr Brötchen, Marmelade, Butter und ein weichgekochtes Ei erwartet. Würstchen, gebratener Speck, Spiegelei, Grilltomate, Champignons, Brown Sauce, Baked Beans und auch manchmal auch Kippers, ein Räucherhering, wollen erst mal gegessen und verdaut sein! Trauen Sie sich, denn immerhin sind Sie mit einem derartigen Frühstück für den ganzen Tag gewappnet. Und wer sich lieber erst später den Magen voll haut: Viele Gastronomen haben sich auf die Touristen eingestellt und bieten das typische Insel-Breakfast den ganzen Tag über an. Auch abgespeckte Varianten - sogar vegetarische - gibt es inzwischen, allerdings sind sie noch spärlich gesät.

In den vergangenen Jahren hat sich einiges verändert an den britischen Kochtöpfen und man muss nicht mehr mit einem Sack Proviant anreisen oder freiwillig verhungern. Viele Festlandbesucher wissen: Man kann in Great Britain ausgezeichnet speisen - zum Beispiel indisches Curry … Um mit dem britischen Starkoch Jamie Oliver zu sprechen: Die Briten sind gut darin, das Beste anderer Esskulturen zu ihrer eigenen zu machen. Der unumstrittene König der britischen Küche hat längst bewiesen, dass auch britische Köche gut kochen können.

Minze für die Küche

In eine Minzsoße gehört Grüne Minze (Menthaspicata) oder auch Krause Minze (M. crispata), eine wellige Varietät der GrünenMinze. Eine besonders feine Note erhält die Soße durch Apfelminze (M.suaveolens oder M. rotundifolia); sie schmeckt leicht, aber merklich nachApfel.

Wenn man das Wildschwein zum Beispiel nicht zu Brei kocht, sondern knusprig brät und die traditionell essiglastige Minzsoße mit edlen Zutaten aufpoliert, dann hätte auch Obelix seine wahre Freude daran! Falls Sie die bei Teefax und Co. nur daheim live am Fernsehgerät verfolgen können und nicht in einem Londoner Pub, versuchen Sie doch mal

Wildschwein "Obelix" mit Minzsoße

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers)

500 g Wildschweinkeule (ohne Knochen,ausgelöst)
1 Zwiebel
1 Bd. Suppengrün
1 Lorbeerblatt
3 Gewürznelken
3 Wacholderbeeren
1 TL gehackter frischer Majoran
2 Stängel Grüne Minze oder Apfelminze
4 EL Whisky
1 EL Apfel- oder Birnenessig (max. 5 % Säure)
400 ml Wild- oder Kalbsfond
1 EL Brombeergelee
3 geh. EL geriebener gereifter Cheddar
2-3 EL Creme fraiche
frisch gemahlener schwarzer und weißer Pfeffer, Salz, evtl. Zucker, Öl zumBraten

Das Fleisch (Fleisch von älteren Tieren sollte vorher gebeizt werden) mit Salz und Pfeffer kräftig einreiben und in einer Pfanne in heißem Öl rundherum gut anbraten. Das kleingeschnittene Wurzelgemüse, Lorbeerblatt, Gewürznelken, Wacholderbeeren sowie die kleingeschnittene Zwiebel rundherum verteilen und kurz mitrösten. Von dem Fond 1 Tasse voll beiseite stellen und mit dem Rest den Braten ablöschen. Deckel aufsetzen und im vorgeheizten Ofen bei etwa 200 Grad ca. 70 Minuten schmoren lassen. Das fertig gegarte Fleisch aus der Pfanne nehmen und warm stellen.

Den leeren Herd auf hohe Temperaturen einstellen (Grillstufe). Den Bratenfond in ein Töpfchen durchsieben und die Tasse Fond zugießen. Aufkochen und dann Whisky und Essig dazugeben und bei geringer Hitze etwa 5 Minuten köcheln lassen. Von den Minzestängeln die Blätter abzupfen, die Spitzen mit 2 bis 3 Blättchen zum Garnieren aufbewahren. Die abgezupften Minzeblätter fein hacken. Diese sowie den fein gehackten Majoran in die Soße geben, mit Salz und wenig gemahlenem weißen Pfeffer abschmecken, evtl. auch mit etwas Zucker. Die Creme fraiche unterrühren und vom Herd nehmen.

Peppermint und Spearmint

Pfefferminze (M. piperita) enthält sehr viel Menthol, ist gut für den Tee, aber zu stechend für die Soße, und als "Peppermint" Bestandteil von Kaugummi. Auch "Spearmint" (Grüne Minze) wird dafür verwendet, ist insgesamt milder im Geschmack und die am häufigsten verwendete Sorte für kulinarische Zwecke.

Den Braten auf der Oberseite mit dem Brombeergelee bestreichen, dick mit dem geriebenen Käse bestreuen und unter dem Grill einige Minuten knusprig braun überbacken. Aus dem Herd nehmen und etwas stehen lassen. Schräg zur Faser in Scheiben schneiden, mit den aufbewahrten Minzespitzen garnieren und mit der Soße servieren. Dazu schmecken Grilltomaten und Kartoffelpüree - und ein Ale.

 

Viel Spaß in der Küche und bei Olympia wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de