Essen und Trinken

Wenn Frauen irren ... Wissen ist Macht

Wenn Frauen irren - zumal in der Küche - kann das fatale Folgen haben. Meine Kollegin Andrea wollte ihrem Freund ein Süppchen kochen. Sie kaufte einen netten kleinen Kürbis, kochte besagtes Süppchen - und ließ die Geschichte in der Kanalisation enden. Mir fielen natürlich sofort einige männerfeindliche Witze über Pilzgerichte ein, aber Andrea versicherte mir (glaubhaft), dass sie keine düsteren Pläne ausheckt. Sie war sich nur nicht sicher, ob sie tatsächlich einen Hokkaido-Kürbis gekauft hatte. Er lag zwar im Fach bei diesen gut schmeckenden Kürbissen, sah aber anders aus, roch nach dem Anschneiden anders, und da sie ihren Freund liebt - siehe oben. Andrea glaubte, einen Zierkürbis gekauft zu haben und war sich nicht sicher, ob der auch essbar ist.

Um alle Irrungen auszuräumen: Zierkürbisse sind zur Zierde da - wie der Name schon sagt. Die Unterteilung in Zier- und in Speisekürbisse hat weder eine systematische Bedeutung noch ist sie von der botanischen Herkunft der einzelnen Sorten abhängig. Die "dekorativen" Kürbisse rekrutieren sich sowohl aus der Gruppe der Speisekürbisse als auch aus den wilden Cucurbita-Arten. Da wir nicht wissen, und es meistens auch nicht erkennen, woher der vor uns liegende Zierkürbis kommt, sollten wir ihn nicht in der Küche verwenden. Denn alle wilden Kürbisgewächse enthalten den giftigen Bitterstoff Cucurbitacin und sind daher ungenießbar. Löffelt man dennoch, kommt es unweigerlich zum Durchfall.

Allerdings kommt man gar nicht in Versuchung, die Frucht zu essen, da Cucurbitacin extrem bitter schmeckt. Also, liebe Andrea, eine Zungenspitzenprobe (am Kürbis) hätte genügt, und Du hättest Bescheid gewusst.

Abgesehen von diesen Ausnahme-Kürbissen ist die Beerenfrucht (botanisch gesehen) sehr gesund. Mit etwa 26 kcal pro 100 g Fruchtfleisch zählt der Kürbis zu den kalorienarmen Gemüsen. Er enthält besonders viel Kalium, Beta-Carotin (eine Vorstufe des A-Vitamins) und Vitamin C und E. Er besteht zu 90 Prozent aus Wasser, enthält aber auch leicht verdauliche Kohlenhydrate und Eisen, dazu noch Kalzium, Magnesium und Zink. Kalium spielt eine ganz besondere Rolle im Wasserhaushalt des Körpers, es wirkt entschlackend und entwässernd, Wasseransammlungen und Giftstoffe werden ausgeschwemmt. Kürbiskerne gelten wegen ihrer Heilkraft bei Blasen- und Prostataschwäche sogar als Arzneimittel. Die Heilwirkung basiert auf sogenannten Phytosterinen, das sind pflanzliche Hormone.

Beheimatet ist der Kürbis in Südamerika; er wurde im Süden Mexikos von Indianern bereits vor etwa 9000 Jahren für die Ernährung angebaut. Vor 500 Jahren brachte ihn Kolumbus nach Europa.

Hier wurde der Kürbis schon in spätmittelalterlichen Heilkräuterbüchern genannt. Die Ärzte des Mittelalters hatten Kürbissaft und Kürbiswein stets bei der Hand. Reines Kürbiskernöl soll gegen Verstopfung helfen, karamellisiert mit etwas Zucker gut sein bei Husten und als Einreibung Cellulite eindämmen.

Die Angehörigen der Kürbisfamilie sind auch in der Küche echte Alleskönner: Man kann sie braten, grillen, dünsten, überbacken, kochen und einlegen. Selbst hat der Kürbis ein mehr dezentes Aroma und lässt sich daher sowohl mit kräftigen Gewürzen pikant zubereiten als auch mit Zucker oder Likör süß variieren.

Über 800 Arten gehören zur Familie: winzig klein und riesig groß, mit Warzen und ohne, grünlich oder von kräftigem Orange, einfarbig oder gestreift. Unterschieden wird zwischen Sommer- und Winterkürbissen. Die ersten werden schon im Juli reif, ab September werden die Winterfrüchte geerntet. Dazu gehören der dicke Halloween-Kürbis "Big Max" und die "Rosa Riesenbanane". Besonders lecker sind die kleineren Hokkaido-Kürbisse, deren dünne Schale anders als bei den "dicken Dingern" beim Kochen weich wird und mitgegessen werden kann. Sie haben relativ festes, knackiges Fruchtfleisch und ein nussiges Aroma. Dieser kleine Kürbis ist eine Varietät des Riesenkürbis'. Er wurde auf der japanischen Insel Hokkaido aus der Riesenkürbis-Sorte Hubbard gezüchtet. Übrigens glauben die Japaner, dass Kürbis-Genuss ihre Potenz steigern könnte. Damit schließt sich der Kreis zu "Andreas Kürbissüppchen":

Zutaten (für 4 Personen):

1 Hokkaido-Kürbis (800 bis 900 g)
2 Schalotten
etwa 1 l Geflügelbrühe
20 g frischer Ingwer
1 TL Thai-Curry-Pulver
1 Prise Cayenne
1 Prise Muskat
100 g Büsumer Krabben
1 Becher Crme frache
etwas Olivenöl, Salz, frisch gemahlener Pfeffer

Zubereitung:

Den Kürbis waschen, halbieren und mit einem Löffel die Kerne entfernen. In 2 bis 3 Zentimeter große Stücke schneiden. Die Schalotten schälen, würfeln, ebenso den Ingwer und beides in etwas Öl andünsten. Kürbis, Curry und Cayenne dazugeben, alles vermengen und mit der Brühe auffüllen. Alles aufkochen und auf Mittelhitze 20 bis 30 Minuten ohne Deckel köcheln lassen.

Die Suppe dann mit dem Pürierstab pürieren (Vorsicht mit Tapeten und dem Lieblings-T-Shirt: Die Flecken sind hartnäckig!). Crme frache unterrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Die Suppe sollte sämig sein. Die Krabben abspülen und als Einlage in die Suppe geben. Nochmals gut durchwärmen, aber nicht kochen.

Viel Spaß und gutes Gelingen wünscht Heidi Driesner. Und: Kaufen Sie den richtigen Kürbis ...

Quelle: ntv.de