Kino

Here's To You! Bob Geldof klein & fein

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Hatte gute Laune: Bob Geldof.

Im Berliner "Asphalt"-Club konnte ein kleines, aber feines Publikum dem oft als Gutmenschen geschmähten Bob Geldof lauschen. Zwei Stunden griff der Sir in die Saiten und wirkte, als hätte ihm jede Minute davon Spaß gemacht.

Schade. Wirklich schade, dass nicht so viele dabei sein konnten. Denn das war ein guter Abend. Kleiner Raum, große Wirkung. Ganz nah konnte man den alten Iren dabei beobachten, wie er das macht, was er eigentlich mal für seinen Beruf hielt - und immer noch hält: Musik machen.

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Rockten zwei Stunden lang: Geldof und Band.

Dieser Abend war wahrscheinlich genau so, wie er gerne auftritt: Einige wohlgesonnene Fans, ein bisschen Presse und eine Menge Freunde. So begrüßte er jedenfalls die Promis, die auch den Weg an den Gendarmenmarkt gefunden hatten. Dazu gehören Frauen wie Anna Loos, mit denen er zwar musikalisch nichts am Hut hat, "but we're doing politics together", erklärt er in die Runde. Damit meint er die Unterstützung bei seinen gemeinnützigen Projekten. Außerdem vor Ort: Unter vielen anderen Freunden Campino, mit dem macht er nicht nur Charity, sondern auch schon mal Musik.

Alle wippen nun gemeinsam im Takt, als der Ex-Boomtown-Rats-Sänger neue Hits von seinem gerade erschienenen Album "How To Compose Popular Songs That Will Sell" bringt, ebenso wie seinen Evergreen "I Don't Like Mondays" oder den lange nicht gehörten, 30 Jahre alten Hit "Banana Republic". Da singen alle mit, ein paar ganz alte Groupies gehen gar ab wie Schmidts Katze.

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Mit Jeanne Marine in Berlin.

(Foto: AP)

Aber auch die neuen Songs kommen gut an: "Dazzled By You" zum Beispiel, das sich an die Frau an seiner Seite wendet. "Sie hat meine Seele geflickt", sagt der große Graue über die französische Schauspielerin Jeanne Marine, die ihm geholfen hat, aus seinem tiefsten Tief wieder heraus zu kommen und die seit einigen Jahren still und schön an seiner Seite über die roten Teppiche dieser Welt schreitet. Sie hat einen Mann aus ihm gemacht, der von sich behauptet, momentan in der schönsten Zeit seines Lebens zu leben: "Die Zeit zwischen 50 und 60 ist die beste, die ich je erlebt habe", schwärmt der 59-Jährige, den man oft und zu Unrecht für grummelig hält.

Gute Laune aus Irland

Er lächelt ab und zu sogar, beim Konzert und auch im Interview. Auf seinem Album-Cover steht außer dem Titel auch noch die Zahl 58 1/2. Warum? "Weil ich da eben 58 einhalb war, ich fand es schon immer wichtig, genau zu benennen, wie alt man ist". Er gibt zu, dass es für Männer wahrscheinlich einfacher ist, zu altern, auch wenn einige Freunde "sich schon bei der 40 in die Hose gemacht haben, aber das hat mich nie interessiert". Ihn, der keinen Sport treibt und der immer so aussieht, als sollte ihm mal einer einen Kamm schenken, interessiert viel mehr, dass er seine Hilfsprojekte weiter führen kann und auch, dass man ihn als Musiker ernst nimmt.

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Man muss mal gesehen haben, wie er tanzt ....

Im Asphalt-Club in Berlin jedenfalls versprüht er gute Laune pur und spielt zwei Stunden am Stück mit einer Band, die vor Energie nicht zu stoppen ist. Auch sein neuer Hit "Silly Pretty Thing"  ist dabei, und der ist in England schon in den Charts. Solche Fußnoten sind ihm allerdings auch nicht wichtig, er macht Musik, weil er Lust dazu hat. Das glaubt man ihm sofort, dass er mal wieder Lust hatte, ein Album zu machen, denn sein Letztes ist von 2001 ("Sex, Age & Death") und das genaue Gegenteil von seinem neuen Werk. Dort verarbeitete er die Trennung von seiner Frau Paula Yates, mit der er 20 Jahre zusammen war und drei Kinder hat, darüber hinaus auch noch ihren Drogentod - wirklich keine guten Voraussetzungen für Gute-Laune-Musik. Dass er auch anders kann, hat er jetzt aber tatsächlich bewiesen, seine neue Scheibe ist überwiegend optimistisch und tanzbar.

Wir halten fest: Am 1. März hat Bob Geldof sein Innerstes gezeigt, ohne viele Worte oder einen erhobenen Zeigefinger zu benutzen. Er hat mit seiner Musik und der Art, wie er sie vorgetragen hat bewiesen, dass er noch lange nicht weg vom Fenster ist. Eine Zugabe nach der anderen folgt, am Schluss kommt mit hoher, aber fester Stimme "Love Will find A Way To You Again" - ein fast elfenhafter Gesang, mit dem er sein Publikum in die Nacht schickt, nachdem er ihm vorher bei "Here's To You" beigebacht hatte, wie man so richtig irisch singt und feiert.

Vielleicht sollte er eine Weile sogar mal wieder mehr singen als reden ...

Quelle: n-tv.de

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