Kino

"Promised Land" und die Diskussion um Fracking Der gute Mensch von Pennsylvania

4070_D023_00007_R_CROP.JPG

Im Film muss sich der Vertreter des Energiekonzerns (Matt Damon) kritische Fragen anhören.

"Ich bin kein schlechter Mensch", sagt Steve Butler - und bietet Bauern viel Geld, damit sie ihr Land für Fracking verpachten. Doch es gibt Widerstand. "Promised Land" nimmt sich eines brisanten politischen Themas an. Der Film zeigt eine zerrissene Nation, ist aber weniger politisch, als die heftige Kritik vermuten lässt.

Fracking. Das Wort reizt die Gemüter. Für die einen ist die Bohrung nach Schiefergas der Weg aus der Energiekrise und das Mittel zum Wirtschaftsaufschwung. Für die anderen ist das Aufsprengen von Gesteinsschichten durch eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien die pure Umweltsünde, die das Grundwasser gefährdet und damit den Menschen die Lebensgrundlage entzieht.

4070_D014_00018_R.JPG

Die PR-Profis Butler (Damon) und Thomason (Frances McDormand) haben nicht mit so viel Widerstand gegen das Fracking gerechnet.

(Foto: Universal Pictures)

In Deutschland werden noch nicht im großen Stil chemische Cocktails in den Boden gepresst, um Erdgas und -öl zu fördern. Davor warnen nicht nur Experten und Bierbrauer - auch ein Gesetz, das sich des Themas annimmt, kommt frühestens nach der Bundestagswahl. Doch auch wenn Umweltminister Peter Altmaier die Fördertechnik derzeit ablehnt, gibt es zumindest von Seiten der EU Bestrebungen, das Verfahren hierzulande zu testen. In den USA dagegen hat sich Fracking bereits durchgesetzt. Experten sprechen von einem neuen Ölboom, der das Land unabhängig von Exporten machen soll. Verbraucher freuen sich über billiges Benzin und sinkende Strompreise. Doch auch hier gibt es lautstarke Kritik - etwa in Form des Musikvideos "Don't Frack My Mother" von Sean Lennon und seiner Mutter Yoko Ono.

Ein bekannter Fracking-Kritiker ist auch Matt Damon. Seit Langem engagiert sich der Star der "Bourne"- und "Ocean's"-Trilogien für Umweltbelange, etwa für sauberes Wasser in Afrika. Wenn er nun mit "Promised Land" einen Film über die umstrittene Fördertechnik vorlegt, kann man sich also denken, welche Stoßrichtung dieser haben wird. Zumal Damon und Co-Star John Krasinski ("Away We Go") auch das Drehbuch verfassten und als Produzenten fungierten. Die Regie, die Damon ebenfalls übernehmen sollte, trat er dann aber aus Termingründen an Gus Van Sant ab, mit dem er bereits "Good Will Hunting" gedreht hatte.

Scharfe Kritik von der Pro-Fracking-Seite

Angesichts dieser Starpower bei solch einem brisanten Thema ließ die Kritik aus dem Pro-Fracking-Lager nicht lange auf sich warten. US-amerikanische Energiekonzerne warfen dem Film vor, ungerechtfertigte Ängste vor der Fördertechnik zu schüren. Wie schon bei der kritischen Dokumentation "Gasland", die für den Oscar nominiert war und bald fortgesetzt wird, wollte man mit einer eigenen Medienkampagne dem Film entgegenwirken: Filmkritiker sollten wissenschaftliche Studien über Fracking erhalten, Zuschauer Handzettel, die die Vorteile der Technik zeigten. Hinzu kam die gleichzeitig entstandene, aber unabhängig finanzierte Doku "FrackNation".

4070_D004_00009.JPG

Butler spricht mit den Einheimischen - und stößt nicht nur auf Begeisterung.

(Foto: Universal Pictures)

Auf dem rechten Nachrichtensender Fox wurde "Promised Land" als "Anti-Fracking-Propaganda" bezeichnet. Zudem wurde ausgeschlachtet, dass er von einer Firma aus Abu Dhabi mitfinanziert wurde und die Vereinigten Arabischen Emirate natürlich kein Interesse daran hätten, dass die USA ihren Ölbedarf aus eigenen Quellen deckten. Die Produzenten verwiesen allerdings darauf, dass diese Finanzierung Teil einer langjährigen Partnerschaft sei, unabhängig vom Thema der jeweiligen Filme.

Doch ist "Promised Land" tatsächlich so brisant, dass die Energieriesen zittern müssten? Nein, ist er nicht. Der Film, der auch im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale lief und dort eine lobende Erwähnung erhielt, nimmt zwar eine kritische Haltung zum Fracking ein, eine klare Stellung bezieht er dann doch nicht. Der eigentliche Angriffspunkt sind die Machenschaften der Energiekonzerne. Der Streifen schildert die manipulativen Techniken, mit denen die Firmen ihre Argumente vorbringen und Bauern in einer Zwangslage ihr Land abluchsen.

Landschönheit und Umweltaktivist

Im Mittelpunkt steht Steve Butler (Damon). Der gilt als aufstrebendes Talent seiner Firma "Global Crosspower Solutions", einem Spezialisten für Fracking. Denn keiner hat so viele Pachtverträge mit Farmern abgeschlossen, auf deren Land die Firma nach Gas bohren will. Doch bevor Butler einen hohen Managementposten annimmt, reist er noch mit Kollegin Sue Thomason (Frances McDormand, "Fargo") ins ländliche Pennsylvania. Auch dort will Global bohren. Das Team soll deshalb die Bauern der Gegend überreden, ihnen ihr Land zu überlassen. Angesichts der Armut in dem Landstrich sollte dies kein Problem sein.

4070_D026_00219_R_CROP.JPG

Alice (Rosemarie DeWitt) bringt die Romantik in die Geschichte.

(Foto: Universal Pictures)

Doch bei der Bürgerversammlung stoßen sie überraschend auf Widerstand. Ein ehemaliger Ingenieur (Hal Holbrook, "Into The Wild") fragt nach den Risiken des Frackings, Butler hat keine Antwort und die Bürger, die eigentlich gewillt waren, das Angebot des Konzerns anzunehmen, schieben ihre Abstimmung auf. Butler und seine Partnerin müssen also den langwierigen Weg gehen und einzeln bei den Bauern vorsprechen, um sie zur Unterschrift zu überreden. Für Aufruhr sorgt aber auch Umweltaktivist Dustin Noble (John Krasinski). Der erweist sich nicht nur als Nebenbuhler bei Lehrerin Alice (Rosemarie DeWitt, "Rachels Hochzeit"), mit der Butler eine Nacht verbracht hat. Mit Charme und Darstellungen der möglichen Umweltschäden macht er auch Front gegen das Fracking und zieht die Einwohner langsam auf seine Seite.

4070_D006_00185_R_Crop.JPG

Dagegen sorgt Umweltaktivist Noble (John Krasinksi) für Stress.

(Foto: Universal Pictures)

Butler fühlt sich zunehmend in die Defensive gedrängt. Dabei sieht er sich gar nicht als schlechter Mensch. Schließlich kommt er selbst aus einer ländlichen Gegend und kennt die Lebensweise der Menschen. Als in seiner Heimat ein wichtiger Arbeitsgeber seine Türen schloss, musste er den Niedergang der Gegend miterleben. Dieses Schicksal will er anderen Gemeinden ersparen, indem er ihnen eine letzte Chance bietet: das Geld des Energiekonzerns, das ihnen eine gesicherte Zukunft bietet. Doch angesichts der traumhaft unberührten Umgebung und der charmanten Alice fragt er sich langsam, ob er wirklich das Richtige tut. Und dann kommt er noch hinter das Geheimnis von Umweltaktivist Noble.

Vor allem im ersten Teil ist der Film sehr witzig inszeniert. Da treffen die beiden Firmenvertreter auf dem Land ein und müssen sich erst mal passend einkleiden, mit Flanellhemden und Stiefeln. Der Laden heißt passenderweise "Guns, Guitars & Gas". Dieser Clash zwischen Weltkonzern und Landleben sorgt für einige großartige Momente und Klischees, wenn es auf der Kirmes etwa Traktorrennen gibt.

Eine zerrissene Gesellschaft

Doch diese leichte, humorvolle Inszenierung kann über das Problem von "The Promised Land" nicht hinwegtäuschen: Er will ein äußerst komplexes Thema mit Schwarzweiß-Malerei erklären. Auf der einen Seite: der Energiekonzern, der das Wort "Global" im Namen trägt und mit Tricks, Manipulationen und viel Geld seine Interessen durchsetzen will. Auf der anderen Seite: die guten USA, die sich um Umwelt und Zukunft sorgen. Ein altersweiser Ingenieur und ein Umweltschützer, die mit wenig Geld, aber viel Charme für ihre Sache kämpfen. Mittendrin: hart arbeitende Bauern, darunter Irak-Veteranen, die ein einfaches, aber ehrliches Leben führen.

Immerhin: Indem der Film solche Gegensätze aufeinanderprallen lässt, gelingt es ihm, die tiefe Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft anzudeuten, die sich in so vielen Lebensbereichen Bahn bricht. Da treffen Großstadt-Menschen auf Landbevölkerung, PR-Profis auf Farmer. Da verpachtet ein Bauer sein Land an den Energiekonzern, weil er schlicht und ergreifend das Geld braucht. Da ist anderen trotz ihrer bescheidenen Lebensverhältnisse der Erhalt der Umwelt wichtiger. Diese soziale Perspektive, die durch ein tolles Schauspielerensemble äußerst überzeugend dargestellt wird, ist die große Stärke des Films.

Beim Thema Umwelt und Fracking fehlen dem Streifen dagegen die fachlichen Argumente, um seine Sichtweise überzeugend darzustellen. Stattdessen setzt "Promised Land" zunehmend auf Pathos und einfache Antworten, garniert mit einer kleinen Romanze. Nur wird das dem komplexen Thema nicht gerecht. Weder wird Fracking mit all seinen Chancen und Risiken erklärt, noch werden grundlegende Fragen wie die nach dem großen Energiehunger in den USA behandelt.

Eine klare Aussage vermeidet der Film ohnehin. So politisch will er gar nicht sein - auch wenn die Kritiker dies im Vorfeld vermuteten. So ist am Ende nicht klar, was mit jenem titelgebenden gelobten Land gemeint ist: Sind es die unterirdischen Rohstoffvorkommen, die die Wirtschaft der USA ankurbeln? Oder ist es die bewahrenswerte Umwelt, die die Fracking-Gegner schützen wollen? Der Streit dürfte weitergehen. Nicht nur in den USA.

"Promised Land" läuft seit dem 20. Juni 2013 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema