Kino

After-Dark-Festival, Part 2 Doppeltes Lottchen auf Todes-Mission

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Zwillinge und ihre "besonderen" Fähigkeiten: Da brennt es schon einmal lichterloh.

Nach blutigem Vampir-Horror und krachendem Maisfeld-Schocker gruselt es im zweiten Teil der "After Dark"-Reihe deutlich leiser. Das Grauen kommt diesmal "übernatürlich" daher. Mörderisch (gut) ist es aber dennoch.

Elvis Presley hatte einen Zwillingsbruder. Kaum jemand weiß das. Sein Bruder war allerdings eine Totgeburt. Elvis kam zuerst und dann sein toter Bruder. Unfassbar?! Zwei Elvis Presleys. Auch Seth (Gary Entin) gibt es zweimal. Sein Zwilling Jonah (Edmund Entin) war allerdings keine Totgeburt: Er kam 93 Sekunden später zur Welt und ist 2 Zentimeter kleiner, aber ansonsten gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Allerdings sind sie nicht auf natürliche Weise gezeugt worden und krank - im Verständnis anderer Menschen, denn sie können keine Gefühle zeigen, weil sie keine empfinden, weder Liebe noch Mitgefühl oder Trauer.

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Diese Augen können nicht nur lügen, ihre Blicken können tödlich sein.

Dafür sind sie hochintelligent. Also experimentieren sie. Sie starten Versuche, um herauszufinden, ob oder ab wann sie etwas empfinden. In die Party der Highschool-Sportstars schmuggeln sie beispielsweise einen Revolver. Plötzlich spielt die Runde russisches Roulette, gefilmt mit einer kleinen Handkamera von Seth und Jonah. Als die Patrone in der Trommel das erste Leben auslöscht, ist das Spiel jedoch nicht vorbei, es geht vielmehr erst richtig los. Wie in Trance steckt einer nach dem anderen eine Patrone in die Waffe, lässt die Trommel rotieren, hält sich die Waffe an den Kopf und drückt ab. Das Spiel dauert so lange, bis alle tot sind. Die Polizei denkt im ersten Moment an einen grausamen Gruppenselbstmord, ein Ritual. Doch Seth und Jonah wissen es besser, empfinden aber nichts dabei - schon gar nicht so etwas wie Schuld oder Reue.

Telekinese - mit tödlichen Folgen

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Ein Herz und eine Seele - aber die Seele ist tiefschwarz.

Die Polizei vernimmt die beiden. Der ermittelnde Beamte besucht die Zwillinge sogar zu Hause, spricht mit ihren Eltern. Aber außer einer schmerzhaften Erinnerung an seine bei einem Brand gestorbene Frau, die plötzlich vor seinem inneren Auge auftaucht, und einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend, dass hier irgendetwas mächtig faul ist, erfährt Detective Lampkin (Orlando Jones) nichts. Er tappt völlig im Dunkeln, auch als sich weitere seltsame Todesfälle in der Elite-Schule ereignen.

Erst als ein Mädchen ins Spiel kommt und sich die beiden Zwillingsbrüder über die Rolle der jungen und wunderschönen Eve (Samantha Droke) in ihrem perversen Spiel uneins sind, bekommt ihre "geistige Verbindung" erste Risse - und es kommt etwas zum Vorschein, was noch viel schlimmere Folgen hat. 

Grandios-atmosphärischer Film

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"Seconds Apart" ist bei Senator erschienen.

"Seconds Apart" heißt dieses perfide Katz-und-Maus-Spiel des Regisseurs Antonio Negret. Und es ist nicht einfach nur ein simpler Horrorthriller. Es ist vielmehr eine psychologische Studie in Spielfilmgewand. Das Zwillinge etwas Übernatürliches zu verbinden scheint, ist bekannt. Negret treibt diese Erkenntnis mit seinem Film auf die Spitze.

Die Stimmung des Films ist durchweg furchteinflößend. Zum einen liegt das an dem bravourösen Schauspiel der beiden Zwillingsdarsteller, deren dämonische Präsenz der Gleichung zu folgen scheint, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile. Zum anderen liegt es aber auch an den fantastisch-düsteren Szenenbildern, die den Streifen fast als Schwarzweiß-Film daherkommen lassen. Zudem kann auch der Score überzeugen. Sowohl den Namen des Regisseurs als auch die der Zwillinge sollte man sich für die Zukunft merken!

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"Fertile Ground"

Der zweite Film des zweiten After-Dark-Pakets von Senator fällt dagegen qualitativ etwas ab. Das liegt vor allem daran, dass "Fertile Ground" ein allzu bekanntes Thema aufwärmt: ein altes Haus, das seine Bewohner terrorisiert. Ein Thema zudem, das mit "Amityville Horror" und "Poltergeist" bereits über wahre Genre-Klassiker verfügt und das in jüngster Zeit auch durch die "Paranormal Activity"-Reihe gut vertreten ist. Um da mithalten zu können, muss entweder eine überraschende Neuerung im Stoff her oder mehr als überzeugende Schauspieler. Beides gibt es bei "Fertile Ground" leider nicht.

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Emily auf Geisterjagd - und ...

Das Paar Emily (Leisha Hailey; "The L Word") und Nate (Gale Harold; "Desperate Housewives") beschließen nach einem Schicksalsschlag - Emily hat ihr ungeborenes Baby verloren - noch einmal von vorn anzufangen. Was liegt da näher, als von der Großstadt aufs Land zu ziehen? Da kommt ein altes Landhaus, das sich bereits seit weit mehr als hundert Jahren in Nates Familienbesitz befindet, gerade recht. Ein Bäumchen im Garten gepflanzt und los geht’s mit dem neuen Leben: Während es sich Nate im Schuppen gemütlich macht und seiner Arbeit als malender Künstler voller Enthusiasmus nachgeht, versucht sich Emily wieder als Modedesignerin und ganz nebenbei auch als Hausfrau.

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... auf der Flucht vor ihrem Mann Nate.

Allerdings wird sie mit dem 1813 erbauten Landhaus nicht so recht warm - und mit der Abgeschiedenheit auch nicht. Zudem träumt sie schlecht, sieht unerklärlicherweise Handabdrücke an Fenstern, hört Geräusche. (Die obligatorische knarzende Tür kommt hier zum Einsatz.)

Eine Einweihungsparty soll die Stimmung heben. Als auf dieser jedoch ein tödlicher Unfall passiert und Nates Agentin durch ein Fenster im Obergeschoss des Hauses stürzt und wenig später stirbt, bekommt auch die Liebe von Emily und Nate erste Risse.

Ein Haus voller tödlicher Geheimnisse

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"Fertile Ground" ist bei Senator erschienen.

Als dann im Garten des Hauses auch noch ein 150 Jahre altes Skelett gefunden wird, beschließt Emily dem Geheimnis ihres Heims auf den Grund zu gehen. Bei ihren Recherchen findet sie heraus, dass im und rund um das Landhaus bereits dutzende Menschen ums Leben gekommen sind - durch seltsame Unfälle oder sogar Morde. Zu allem Überfluss wird Emily wieder schwanger und in Alpträumen erscheint ihr der Erbauer des Hauses, ein Vorfahre ihres Ehemannes. Sie beginnt, sich mehr und mehr als Gefangene des Hauses zu fühlen und bekommt es mit der Angst zu tun, als sie herausfindet, dass Nates Vorfahre seine Frau einst ermordet hat.

Das Ende ist ab da vorhersehbar, kann aber dann doch mit einigen fast schon genre-typischen Überraschungen aufwarten. Dennoch bleibt "Fertile Ground" leider nur ein durchschnittlicher Film. Solides Handwerk von Regisseur Adam Gierasch ("Toolbox Murders", "Autopsy").

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After Dark Festival, Part 3, mit den Filmen "The Task" und "51" erscheint am 25. November.

Zum Festival-Trailer

Quelle: n-tv.de

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