Unterhaltung
Samstag, 13. April 2013

Cooke, Dylan und Martin: Drei Giganten für den Frühling

Von Manfred Bleskin

Bob Dylan kennen Sie. Aber sein allererstes - "richtiges" - Konzert möglicherweise nicht. Und Sam Cooke, sagt der Ihnen etwas? Dean Martin mag Ihnen irgendwie bekannt vorkommen. Drei Giganten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, gibt's jetzt kompakt - auf Compact Disc.

Wer erinnert sich an die einfühlsame Liebesszene aus dem Film "Der einzige Zeuge", in der Kelly McGillis und Harrison Ford zu dem Song "Wonderful World" über die Dielen der Scheune im Amischen-Dorf schweben? Die Musik stammt von Sam Cooke, der 1931 in Clarksdale im US-Bundesstaat Mississippi geboren und 1964 in einem Motel in Los Angeles/Kalifornien von der Managerin erschossen wurde.

Die Umstände der Tötung sind bis auf den Tag unklar und reichen von Rassismus bis Versehen. Leider ist besagter Titel nicht auf der vorliegenden Edition vertreten, denn es handelt sich um eine der praktischen "2 in 1"-Ausgaben, bei denen zwei Studiolangspielplatten auf einer CD veröffentlicht werden. In diesem Fall sind es "Swing Low" (1960) und "Twistin' The Night Away" (1962).

Da sind so seltene Aufnahmen zu hören wie Sams Version von "The Twist", der ursprünglich von Hank Ballard und seinen Midnighters aufgenommen und von Chubby Checker zum Hit gemacht wurde. Oder auch das von Cooke selbst verfasste Lied "The Chain Gang" aus 1960, das es in den USA auf Platz 2, in UK auf Platz 9 der Hitparade brachte, und das "Leben" von angeketteten Gefangenen beschreibt. Cooke sympathisierte mit der Bürgerrechtsbewegung. Aus seiner Feder stammt auch der Protestsong "A Change Is Gonna Come". Eine lohnende Ausgabe, die ganz gewiss zu mehr Sam Cooke führt.

Roh, ungeschliffen und kratzig

Mehr Bob Dylan gibt es jedenfalls. Man staunt, was da nach all den Jahren immer noch in einschlägigen Archiven schlummert. Nunmehr wird sein wohl erstes "richtiges" Konzert dokumentiert: der Auftritt am 4. November 1961 in New Yorks "Carnegie Hall".

Wir begegnen einem Dylan, wie wir ihn von seinen ersten Studioalben kennen. Gitarre, Bluesharp, die Stimme roh, ungeschliffen, kratzig und… genial. Einige Songs des Lineups finden sich auch auf seinen ersten Vinyls wieder. So der unsterbliche "Song To Woody", in dem er seinem großen Vorbild Woody Guthrie noch zu dessen Lebzeiten ein Denkmal setzt.

Der "Song" hat die Melodie eines anderen Stücks auf der CD: "1913 Massacre" aus Woodys Feder. Dabei geht es um eine Massenpanik, die auf der Weihnachtsfeier streikender Kupferbergleute und ihrer Familien in Calumet/US-Bundesstaat Michigan ausbricht. 73 Menschen, darunter 59 Kinder, kamen zu Tode. Ausgelöst worden war das Chaos durch den Ruf "Feuer!". Bis heute ist ungeklärt, wer gerufen hat. Manch einer vermutet einen Spitzel der Minenbesitzer. Dylan verstand es, eindeutig politische Stellung zu beziehen und gleichzeitig zu unterhalten. Eine Gabe, die ihm später leider abhanden gekommen ist.

Der "coolste Mann, der je gelebt hat"

Einer, der diese Gabe nie hatte und wohl auch nicht haben wollte, ist Dean Martin, geboren 1917 als Dino Paul Crocetti, einst Alkoholschmuggler und Croupier, der "coolste Mann, der je gelebt hat", wie eine Zeitschrift meinte. Erfolgreich als Sänger von Balladen wie "Memories Are Made Of This", das in der deutschsprachigen Version von Freddy Quinn leider zu einem schwülstigen Fremdenlegionärssong verkam, erfolgreich wie als versoffener Outlaw im Western "Río Bravo", unerträglich an der Seite des Dummlings Jerry Lewis, findet sich auf der vorliegenden CD eine Hommage an die italienische Heimat seines Vaters: Der englisch gesungene Track "That’s Amore" war schon 1953 – zwei Jahre vor den "Memories" ein Riesenhit. Darin heißt es, dass es wohl Liebe ist, wenn man sich so fühlt, als hätte man zu viel Wein getrunken. Genauso klingt Martin: fast immer so, als hätte er ein Gläschen über den Durst getrunken. So auch in dem fröhlichen "Volare" oder dem herzzerreißenden "Arriverderci Roma". Die "Italian Favorites" von Don Dino: eine coole Kompilation. Summa summarum: Es gibt Musik, die so nie wieder kommt.

Quelle: n-tv.de

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