Kino

November-Musik Futter für Ihren CD-Player

Es wird kalt. Und egal, ob Sie sich mit Annie Lennox auf Weihnachten einstimmen, sich mit Monster Magnet warm rocken, mit Rihanna den Groove oder mit Buddy Guy den Blues kriegen wollen - wir haben mit Sicherheit den richtigen CD-Tipp für Sie.

Jamiroquai: Rock Dust Light Star

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(Foto: picture alliance / dpa)

Juchhu, er ist wieder da! Lange erwartet, und ja, viele finden es nicht so doll, was der Herr da gemacht hat, aber wenn man ihn mag, wenn man auf seinen Rhythmus einfach schon immer abfährt, dann tut man es auch dieses Mal. Rock: Vor allem in (lustiger Titel!) "All Good In The Hood", Dust: Hmm, schön kuschelig in "Blue Skies", Light: Ja, glasklar und hell wie in "White Knuckle Ride", und manchmal klingt Jay Kay wie eine Mischung aus Lenny Kravitz ("Hurtin") und der jüngst singende Till Brönner in "Never Gonna Be Another" - häh, geht das? Ja, das geht! Und es geht gut! Für Fans von funky Tracks, die in ihrer Vielfalt sogar mal an den Reggae erinnern und an große Filmmusik. (soe) Schulnote: 2

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Valentine: Love Like Gold

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Die Haut so weiß wie Schnee, die Lippen so rot wie Blut und die Haare so schwarz wie Ebenholz - wenn man Valentine ansieht, kommt man gar nicht umhin, an Schneewittchen zu denken. Da passt es natürlich umso besser, dass auch ihre Musik wie aus dem Zauberwald entsprungen daher kommt. Und das, obwohl die 22-Jährige im nun nicht unbedingt märchenhaften Berlin-Friedrichshain aufgewachsen ist.

Mit "Love Like Gold" legt Valentine tatsächlich bereits ihr drittes Album vor. Bei ihrem Debüt war sie gerade mal 16. Doch auch wenn Musikgrößen wie Paul McCartney, Meat Love oder Heather Nova ihr schon Unterstützung angedeihen ließen - mit der Karriere wollte es bisher nicht so recht klappen. "Love Like Gold" könnte das vielleicht ändern. Radiohead, Muse, Kate Bush, Amy Macdonald und Marina & The Diamonds sind nur einige der Einflüsse, die die Plattenfirma bei dem neuesten Werk der Sängerin aufzählt. Und tatsächlich windet sich die Musik der jungen Chanteuse irgendwo zwischen all dem hinauf zu schnörkellosem Pop, gespickt mit Piano- und Streicher-Arrangements, über denen stets Valentines feenhafte Stimme schwebt. Für kalte Winternächte sicher nicht verkehrt, ansonsten jedoch manchmal auch schon fast ein bisschen zu schnörkellos. (vpr) Schulnote: 3+

"Love Like Gold" von Valentine im n-tv Shop bestellen

Fettes Brot: Fettes Brot (Live)

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"Du kommst 14.30, und ich um halbdrei ..." Lustig, die Jungs! Zum Mitsingen!!!!! Fett!!! "Wegen uns ist deutscher Hip Hop nicht pleite gegangen" heißt es in "Der Beste Rapper ist Offensichtlich Ich", und irgendwie haben sie recht. Sie sind so frisch auf ihrer Tour, bei der sie Hallen und Open-Air-Bühnen füllten, so frisch, dass nicht nur die eingefleischten Fans oder Hamburger mitswingen, mitsingen, mitwippen, mithüpfen müssen, der bubihafte Schalk sitzt ihnen im Nacken. Dabei sind sie so pur, die Herren Lauterbach, Vandreier und Warns, dass einem warm wird ums Herz. Man will sofort mit ihnen ab nach "Amsterdam", ihrer neuen Single, und freut sich über "An Tagen Wie Diesen", wo sie den Alltag auseinandernehmen, und sei er noch so grausam: Fettes Brot macht den Tag besser. (soe) Deswegen Schulnote: 1

Ach ja, noch auf Tour bis zum 16.12., nur Hamburg ist ausverkauft ...

"Fettes Brot" von Fettes Brot im n-tv Shop bestellen

Monster Magnet: Mastermind

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O.k., eigentlich sollte man meinen, dass die Jungs von Monster Magnet ihre besten Zeiten hinter sich haben. Sage und schreibe 20 Jahre sind seit ihrem Debütwerk vergangen, Sänger Dave Wyndorf hat sich inzwischen eine ordentliche Plauze angefuttert (und vermutlich auch angetrunken), und auch seine legendäre Textzeile "I never gonna work another day in my life" aus dem Kracher-Song "Powertrip" des gleichnamigen Albums hat schon zwölf Jahre auf dem Buckel. Wyndorf hat diese Ankündigung jedoch nicht wahr gemacht. Stattdessen schleppte er sich in den folgenden Jahren weiter brav zur Arbeit ins Studio, um mit seinen Kollegen in regelmäßigen Abständen neue Alben zu veröffentlichen. Und das ist gut so.

Auf "Mastermind" beweisen Monster Magnet, dass sie immer noch wie die Jungspunte rocken können. Als in der Mitte des Eröffnungssongs "Hallucination Bomb" die Gitarre so richtig zum Tragen kommt, fühlt mach sich Zuhause. Beim zweiten Song "Bored with Sorcery" fängt man dann schon unweigerlich mit dem Kopfschütteln an. Und spätestens wenn man beim vierten Song "Gods and Punks" Wyndorf geradezu ins Mikro spucken hört, will man sich sofort eine speckige Lederjacke überwerfen und mit Bier aus Plastikbechern um sich spritzen. Dass das Album zum Ende hin etwas abfällt, macht da nichts - die Erholung kann man brauchen. Eigentlich sollte man meinen, dass die Jungs von Monster Magnet ihre besten Zeiten hinter sich haben. Aber eben nur eigentlich. (vpr) Schulnote: 1

Monster Magnet sind derzeit auf Tour und kommen dabei auch nach Deutschland: u.a. 7.12. Bochum, 8.12. Hamburg, 10.12. Berlin, 11.12. Dresden

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"Mastermind" von Monster Magnet im n-tv Shop bestellen

Elvis Costello: "National Ransom"

Ein paar Sekunden dauert es, dann eine Akkordfolge auf dem Bass - und Elvis Costello startet in sein neues Album "National Ransom". Eines spürt man sofort: Dem Briten macht es wieder Spaß, Musik zu machen. Vor allem aber hat Costello sein Betätigungsfeld gefunden: Die reiche Schatztruhe amerikanischer Popmusik. Da gibt es Folk, Blues und Rock in verschiedenen Spielarten, dazu Jazz, Soul und Country, ja selbst kleine Zeitreisen in die 20er und 30er Jahre der Tin-Pan-Alley-Musik gestattet sich Costello. Doch der Eklektizismus wirkt nie aufgesetzt, die Songs reihen sich auf natürliche Weise aneinander.

Produziert wurde das Album - das nicht nur ein schönes Artwork aufweist, sondern auch alle Texte im Booklet liefert - von T-Bone Burnett, dem großen Mann des Americana. Hier schließt sich der Kreis, denn immer wieder erinnert "National Ransom" an Costellos 1986er Album "King of America", der ersten Zusammenarbeit mit Burnett. Nur das Tempo drosselt Costello hin und wieder. Dass einige der Balladen ein bisschen Anlauf brauchen, bis sie ihre Pracht entfalten, ist zu verschmerzen. So durchgehend hörbar war lange keine Costello-Platte mehr. Die Reise des Königs von Amerika durch die Stile und Zeiten geht hoffentlich so wunderbar weiter. (mli) Schulnote: 1-

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(Foto: PR NEWSWIRE)

"National Ransom" von Elvis Costello im n-tv Shop bestellen

Paul Potts, Susan Boyle, Annie Lennox

Komische Mischung? Nee, eigentlich gar nicht, die drei haben jeder eine CD in Richtung Weihnachten rausgebracht und jetzt fragen Sie sich natürlich: Brauche ich die alle drei? Sagen wir mal so: Zwei davon sind Sieger der Herzen, sowieso. Wir gönnen Potts ("Cinema Paradiso") und Boyle jeden Erfolg der Welt und hoffen gleichzeitig, dass es jetzt nicht alle Übergewichtigen oder sonstwie vom Leben gebeutelten Mitmenschen - denen ihre Oma zu Weihnachten mit einer Träne im Knopfloch gesagt hat: "Kind, kannst du schön singen!" - auf die Bühne oder in Casting-Shows zieht. Aber: Der Paul singt seine Kino-Melodien wie "Moon River", den "Gladiator"-Song oder "Maria" aus West Side Story, so inbrünstig, dass man nur verzückt lauschen kann. Wenn man dann will. (soe) Schulnote: 3+ 

"Cinema Paradiso" von Paul Potts im n-tv Shop bestellen

Susan Boyle beginnt ihre CD mit "Perfect Day", einem Klassiker von Lou Reed. Wie bitte, hatte er das nicht verboten? Ja, hatte er, und dann doch noch die Erlaubnis gegeben, deswegen ist das jetzt auch ein ganz anderes Lied geworden, mehr ein von einem Engel gesungenes Lied, und nicht so sehr die Bekenntnisse eines Drogenberauschten, aber was soll's? Da passen Engel doch auch irgendwie hin! Und jedem sei sein persönlicher "Perfect Day" doch gegönnt. Susan Boyle hat eine wunderschöne Stimme ("The Gift"), schade, dass ihr ewig dieses hässliche Entlein-Image aus der Castingshow nachhängen wird. (soe) Schulnote: 2-

"The Gift" von Susan Boyle im n-tv Shop bestellen

Und jetzt zu Annie Lennox: Leider lange nichts gehört von der ehemaligen Hälfte der Eurythmics. Dafür jetzt ein ganzes Füllhorn zu Weihnachten ("A Christmas Cornucopia"). "Dieses Album habe ich schon lange aufnehmen wollen", bekennt die 55-Jährige, die am 25.12. ihren Geburtstag feiert. Vielleicht hat sie deswegen eine so enge Beziehung zu Weihnachten? "Ich habe diese Weihnachtslieder schon als Kind gesungen. Sie sind zeitlos und alle haben eine Botschaft." Wie passend - die Botschaft dieses Albums ist es dann auch, zu helfen: Die Einnahmen des von ihr komponierten Titels "Universal Child" gehen komplett an die Annie Lennox Foundation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, AIDS-Aufklärung in Afrika zu betreiben. Weitab von jeglichem üblichen Weihnachtskitsch bietet Annie Lennox mit ihrer unverwechselbaren Stimme Weihnachtstradtion. (soe) Schulnote: 2

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"A Christmas Cornucopia" von Annie Lennox im n-tv Shop bestellen

Rihanna: Loud

Mit ihren gerade mal 22 Jahren bringt Rihanna mit "Loud" bereits ihr fünftes Studioalbum auf den Markt. Und wie alle anderen Veröffentlichungen zuvor, dürfte auch dieses Werk durch die Decke gehen wie nochmal was. Schließlich ist "Loud" wieder einmal eine schöne bunte Poptüte, in der für jeden etwas drinsteckt - Rockballaden wie "California King Bed", Reggae-Anleihen wie bei "Man down" oder schon beinahe musicalmäßige  Klänge wie bei "Cheers (Drink to That)", bei denen man den König der Löwen vor dem geistigen Auge geradezu vorbei schlurfen sieht. Nur der R'nB- und Soul-Gehalt fällt bei den insgesamt elf Stücken diesmal außergewöhnlich gering aus.

Die zweifellos stärksten Momente des Albums sind dabei die, bei denen sich Rihanna und ihre Songschreiber relativ unverhohlen am Lady-Gaga-Sound vergreifen wie beim Opener "S&M" und der ersten Single-Auskopplung "Only Girl (In the World)". Und der, bei dem die Sängerin ihr Duett mit Eminem noch einmal aufleben lässt ("Love the Way You Lie - Part II"). Aber bitte nicht falsch verstehen: "Loud" hört sich insgesamt in einem Rutsch gut weg. Das Album ist schlicht das Produktionsmonster, das man bei einem Act wie Rihanna mit vermutlich Dreitrilliarden Pop-Profis im Rücken nicht nur erwartet, sondern sogar erwarten muss. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Manch einem mag es widerstreben, sich in die scheinbar niederen Popgefilde einer Rihanna herab zu begeben. Doch wer auch nur im linken Zehennagel Rhythmusgefühl hat, wird am Ende zugeben müssen: Spätestens nach dem dritten oder vierten Durchgang umschmeichelt jeder Song auf "Loud" den Gehörgang. (vpr) Schulnote: 2

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(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Loud" von Rihanna im n-tv Shop bestellen

Neil Diamond: Dreams

Seine Stimme funktioniert immer noch: Sie knarzt, sie bittet, bettelt, betört und beschwingt. Aber so ganz ist er nicht der Alte: Er singt Hits wie "Alone Again", "Yesterday" oder "Hallelujah" - und entweder sind wir so verwöhnt von anderen Versionen (gerade bei "Hallelujah" liegt die Messlatte durch K.D. Langs Version ziemlich hoch!) oder wir lieben das Original so sehr, dass wir auch so mitsingen möchten, wie wir es von Gilbert O'Sullivan oder den Beatles gewohnt sind. Nicht jede Änderung an einem Song, nicht jede Individualität muss besser sein. Aber alles in allem: Ein schönes Stück Musik, das man als Fan in der besinnlichen Zeit sicher zu schätzen weiß. (soe) Schulnote: 3+

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"Dreams" von Neil Diamond im n-tv Shop bestellen

Pet Shop Boys: Ultimate

Nun ja, diese Platte kann man guten Gewissens nur den Menschen ans Herz legen, die nicht schon entweder a) sämtliche wichtigen einzelnen Alben oder b) zumindest eines der zahlreichen bereits erschienen Best-of-Alben der Pet Shop Boys haben. Aber gibt es solche Menschen überhaupt auf der Welt? Wenn ja, dann kaufen! Auf "Ultimate" befinden sich alle wichtigen Hits des Duos - von "West End Girls" über "It's a Sin" bis hin zu "Go West". Für eingefleischte Fans gibt es zudem noch ein Bonbon beziehungsweise einen Wermutstropfen - je nachdem, ob man sich es leisten kann und will oder nicht: Mit "Together" enthält das Album natürlich auch den schon beinahe obligatorischen einen (also: EINEN) neuen und zuvor unveröffentlichten Track.

Wer jedoch allein dafür bereit wäre, sich "Ultimate" zuzulegen, der sollte gleich zur "Deluxe-Version" des Albums greifen. Der ist nämlich noch eine DVD beigelegt mit sämtlichen Auftritten der Pet Shop Boys bei "Top of the Pops" und einem Mitschnitt ihres Auftritts beim Glastonbury Festival 2010. Das lohnt sich dann wenigstens wirklich und macht sich sicher auch unter dem einen oder anderen Weihnachtsbaum sehr gut. (vpr) Wird als Compilation nicht bewertet

"Ultimate" von Pet Shop Boys im n-tv Shop bestellen

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"Ultimate" (CD + DVD) von Pet Shop Boys im n-tv Shop bestellen

Depeche Mode: Tour of the Universe, live in Barcelona

Wenn coole Synthie-Popper im heißen Barcelona das Stadion rocken, dann möchte man dabei sein! Genau dieses Gefühl vermittelt die Doppel-CD samt DVD: Im Laufe der 102 Konzerte in 40 Ländern haben Depeche Mode auf ihrer umjubelten "Tour Of The Universe" vor mehr als 2,7 Millionen Zuschauern gespielt - und das, obwohl die Tour eine Weile unterbrochen wurde, da Sänger Dave Gahan sich einen bösartigen Blasentumor entfernen lassen musste.

Seine Rückkehr auf die Bühne und die Fortsetzung der Tour wurde daher geradezu frenetisch gefeiert: Ihre Reise rund um die Welt war eine der erfolgreichsten Tourneen ihrer mittlerweile dreißigjährigen Karriere. Wenn die Jungs in die Tasten hauen, wenn man den CD-Player auf "richtig laut" stellt und sich dann noch die Kälte wegdenkt, dann  ist man in Barcelona: "And I thank you/ for bringing me here/ for showing me home/ for singing these tears/ Finally I've found/ that I belong here" - die Fans im Palau Sant Jordi in Barclona singen jede Silbe mit, und als die Band die Bühne verlässt, singen die Fans weiter, so lange, bis die Band wieder rauskommt, lachend, glücklich, gerührt: "You are awsome! I love when you sing", sagen sie. Dem ist nichts hinzuzufügen. (soe) Schulnote: 1

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"Tour of the Universe, live in Barcelona" von Depeche Mode im n-tv Shop bestellen

Buddy Guy: "Living Proof"

"I'm 74 years young!" Buddy Guy lässt keinen Zweifel an seinem Alter. Und er macht auch klar: Er hat keine Zeit zu verlieren. Der Bluesmusiker ist bereits eine lebende Legende, sein Spiel beeinflusste Jimi Hendrix und Eric Clapton. Er wurde in Louisiana geboren, in den 50ern ging er nach - natürlich - Chicago, spielte bei Chess Records mit Willie Dixon, Howlin‘ Wolf und Muddy Waters. Der Electric Blues ist seine Welt. "I got a few scares, from the Battles I've won", singt er. Dieser Mann lebt Musik, das hört man seinem neuen Album "Living Proof" auch an - und der Zuhörer bleibt staunend zurück. Buddy Guy beherrscht seine Gitarren und er gräbt tief bis zu den Wurzeln des Blues, dass es manchem Jüngling die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte. "When it comes to lovin', I'm never done." Das glaubt man gern.

Dazu singt Buddy Guy von den Stationen seines Lebens - ursprünglich sollte die mit einem gelungenen Artwork versehene Platte eine musikalische Autobiographie sein. Eine Ausnahme bildet etwa das Duett mit der anderen noch lebenden Electric-Blues-Legende B.B. King. Dass ausgerechnet "Stay Around A Little Longer" (wie auch ein zweites Duett mit Carlos Santana) etwas zu pathetisch gerät - man verzeiht es schnell. Denn wenn Buddy Guy allein zur Gitarre greift, dann lässt er auch mit 74 Jahren seiner Wut, seinem Blues noch freien Lauf. Das klingt mal frisch und schneidend, mal schmutzig und wild, aber immer mitreißend. "You know, blues players don't stop, they just drop." (mli) Schulnote: 1-

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"Living Proof" von Buddy Guy im n-tv Shop bestellen

Good Charlotte: Cardiology

Good Charlotte verbucht man ja irgendwie schon von vornherein unter der Kategorie "Peinlich". Die beiden Madden-Brüder Joel und Benji - Sänger beziehungsweise Gitarrist der Band - machen zwar immer einen auf tätowierte dicke Hose, sind aber schon allein als Verlobter von Nicole Richie (Joel) und Ex-Freund von Paris Hilton (Benji) auf der Harte-Rocker-Skala in Wahrheit ganz weit unten angesiedelt. Dem entsprach auch immer die Musik von Good Charlotte: Eingekleidet in eine Böse-Buben-Fassade lieferte das Quintett in Wirklichkeit stets nur allzu schlichte La-La-La-Popsongs ab, die mit dem Begriff "College-Rock" noch freundlich umschrieben waren.

Allerdings: Das letzte Album "Good Morning Revival" mit der Single "Keep the Hands off my Girl" bot manch kleinen Lichtblick. Sollten die Good-Charlotte-Mitglieder, allesamt mittlerweile um die 30, etwa doch noch die Kurve kratzen und zu einem wenigstens etwas erwachseneren und anspruchsvollen Sound finden? Die Antwort liefert ihr neues Album "Cardiology" und sie lautet Nein. Angeblich, so heißt es, will die Band mit diesem Werk zu ihren Punk-Wurzeln zurückkehren. Da sie die aber ja weiß Gott nie besessen hat, klingt "Cardiology" genauso einfältig, wie man es von Good Charlotte erwartet. Selbst die Single "Like it's her Birthday" (deren Refrain bezeichnenderweise hauptsächlich aus "Oh oh oh" und "Aye aye aye" besteht) ist allenfalls zu ertragen, wenn man sich vorher fünf Bier und "American Pie" 1 bis 3 am Stück reingezogen hat. Ansonsten gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Schenken Sie die CD Ihrem 14-jährigen Sohn oder Ihrem kleinen Bruder. Der könnte an ihr vielleicht Gefallen finden. (vpr) Schulnote: 5

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"Cardiology" von Good Charlotte im n-tv Shop bestellen

Bob Dylan: "The Witmark Demos 1962-1964"

Karg klingen die Songs, Bob Dylans Stimme wird lediglich von Gitarre und Mundharmonika, vereinzelt von einem Klavier begleitet. 1962 ist Dylan 21 Jahre alt, schlägt sich in New York durch und versucht, eine Karriere als Musiker zu starten. Sein erstes, gleichnamiges Album war nicht sehr erfolgreich, aber der junge Mann aus Minnesota hat noch einiges zu sagen. Für seine Musikverlage Leeds und später Witmark Music nimmt er etliche Demosongs auf. Fast 40 Jahre später werden diese Aufnahmen, alles in allem 47 Songs, erstmals offiziell und in guter Klangqualität veröffentlicht - obwohl sie durch die unzähligen inoffiziellen Versionen jeder Dylan-Fan bereits kennen dürfte. "The Witmark Demos 1962-1964", der neunte Teil der "Bootleg Series", sind das, was der Titel bereits ausdrückt: Frühe Versionen von teils bekannten, teils unbekannten Songs.

Große Überraschungen bleiben dabei aus - einige der Songs sind zu Recht vergessen, einige weisen bereits die Kraft späterer Protestsongs auf. Auch unfertige Lieder werden geboten und ab und zu verspielt sich Dylan oder vergisst Textpassagen. Und so spricht die Doppel-CD, die mit einem 60-seitigen Booklet erscheint, vor allem Fans an. Diese werden dann aber auch durch einige schöne Schätze belohnt. Da sind etwa frühe Versionen von "Blowin' In the Wind", "A Hard Rain's A-Gonna Fall", "Don't Think Twice, It's All Right" und "The Times They Are A-Changin'" oder eine Klavierversion von "Mr. Tambourine Man". Dazu gibt es das persönliche "Tomorrow Is A Long Time" oder den obskuren "Talkin' John Birch Paranoid Blues" über die rechtsradikale John Birch Society. Wer sich für Dylans Folkphase interessiert oder seine musikalische und textliche Entwicklung verfolgen will, wird an den "Witmark Demos" unbedingt seine Freude haben. Dylan-Neulinge sollten sich allerdings zunächst an die Studioalben halten. (mli) Schulnote: 2

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"The Witmark Demos 1962-1964" von Bob Dylan im n-tv Shop bestellen

Jay-Z: The Hits Collection – Volume One

Wie könnte man gegen Jay-Z schon etwas sagen? Längst ist er DER Macker in der amerikanischen Rap- und HipHop-Szene. Keiner seiner Kollegen verdient mehr als er. Mit einem Jahreseinkommen von 63 Millionen Dollar steckte er 2009 laut "Forbes" alle in die Tasche - von P. Diddy über Akon bis Dr. Dre. Nicht nur die mit ihm liierte Beyoncé hat ihm ihre erfolgreiche Solokarriere in weiten Teilen zu verdanken, auch Rihanna wurde von ihm entdeckt. Von seinen eigenen Erfolgen ganz zu schweigen: Fast unglaublich, aber wahr - seine letzten neun Longplayer stürmten in den USA durchweg den Platz eins der Album-Charts.

Ja, Sie haben richtig gelesen: In den USA. In Europa indes ist Jay-Z nämlich eher unter ferner liefen einzuordnen. Das höchste der Hitparaden-Gefühle in Deutschland etwa war für ihn bisher Platz 22 mit seinem bis dato letzten Studioalbum "The Blueprint 3". Insofern dürfte die nun vorliegende "Hits Collection" für viele eine gute Möglichkeit sein, einen Überblick über das musikalische Schaffen des Rappers seit Ende der 90er Jahre zu bekommen. 14 Songs beinhaltet das Album - laut Begleittext der CD sollen sie einen Querschnitt aus den größten Singleerfolgen und persönlichen Lieblingssongs von Jay-Z repräsentieren. Schade nur, dass auf Grund der begrenzten Songanzahl vieles unter den Tisch fallen musste - so etwa das auch in Deutschland erfolgreiche "Can I get a …" mit Amil und Ja Rule von 1998 oder der Knaller "On to the Next One" aus dem vergangenen Jahr. (vpr) Wird als Compilation nicht bewertet

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"The Hits Collection" von Jay-Z im n-tv Shop bestellen

Taylor Swift: Speak now

Wahnsinn! In den USA schoss "Speak Now" nur so von Null auf Eins. Denn: Die Amerikaner lieben Taylor Swift und überhäufen sie dementsprechend derzeit auch gerne mit Preisen - darunter etwa allein vier Grammys bei der Verleihung im vergangenen Januar. Nur in Europa ist dieser Hype irgendwie noch nicht so richtig angekommen.

Aber, also gut, geben wir Frau Swift doch mal eine Chance und leihen "Speak now" trotz der uns in die Wiege gelegten Country-Abneigung ein Ohr. Dabei wird schnell klar: Die Angst davor, mit unserer Abneigung konfrontiert zu werden, hätten wir uns schenken können. Was die angebliche Country-Sängerin auf dem Album liefert, hat, nur weil hier und da mal irgendwo ganz weit im Hintergrund ein Banjo gezupft wird, mit klassischen Country-Klängen aber so etwas von nichts zu tun. Das hier ist einfach nur Pop. Und zwar der Marke "Braver Mädchen-Pop", denn anders als Kolleginnen wie Britney Spears, Christina Aguilera oder Lady Gaga kommt Taylor Swift nicht nur äußerlich, sondern auch musikalisch als Unschuld vom Lande daher. Zu Gute halten muss man der gerade mal 20-Jährigen auf jeden Fall, dass sie ihre als "offene Briefe" konzipierten Songs komplett selbst schreibt und komponiert. Nur leider ist man sich nach dem Durchhören der 14 Tracks auf dem Album irgendwie nicht sicher, ob man jetzt wirklich 14 unterschiedliche Stücke gehört hat. Stattdessen bleibt ein großer Kloß aus wenig schmerzhaftem, aber eben auch belanglosem Pop-Geschrabbel in den Gehörgängen kleben. (vpr) Schulnote: 4

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"Speak now" von Taylor Swift im n-tv Shop bestellen

Unheilig: Große Freiheit (Winter-Edition)

Tja, was soll man dazu sagen? Es ist wie immer bei diesen nachgeschobenen Sonder-Editionen: Wer sich das Album "Große Freiheit" schon für teures Geld gekauft hat, wird sich vermutlich maßlos darüber ärgern, dass nun eine um eine ganze CD aufgemotzte Version in den Handel kommt. Leider ist dieses extrem fanunfreundliche Vorgehen der Labels - denn die wahren Anhänger einer Band schlagen natürlich schon unmittelbar nach Erscheinen eines Albums zu - mittlerweile gang und gäbe.

Wie dem auch sei, die Extra-CD "Winter-Edition" beinhaltet drei Versionen der neuen Unheilig-Single "Winterland", zudem Live-Aufnahmen von "Unter deiner Flagge" und des Gassenhausers "Geboren um zu Leben" sowie das musikalisch untermalte Märchen "Dornröschen", gelesen von dem Grafen. Kurzum: Wer den als Gothic Rock verkleideten Schlagern von Unheilig etwas abgewinnen kann, für den lohnt sich das durchaus. Alle anderen werden wohl auch jetzt nicht zugreifen. Die Folge: In zahlreichen Haushalten wird wohl demnächst das "normale" Album neben der "Winter-Edition" im Schrank stehen. Aber das hatten wir ja schon. (vpr) Wird als Re-Release nicht bewertet

"Große Freiheit" (Winter-Edition) von Unheilig im n-tv Shop bestellen

Quelle: n-tv.de

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