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Antoine Monot Jr., Wotan Wilke Moehring, Hannah Herzsprung, Tom Schilling, Trine Dyrholm, Baran bo Odar und Elyas M Barek bei der Premiere zu "Who Am I - Kein System ist sicher" im Zoopalast in Berlin.
Antoine Monot Jr., Wotan Wilke Moehring, Hannah Herzsprung, Tom Schilling, Trine Dyrholm, Baran bo Odar und Elyas M Barek bei der Premiere zu "Who Am I - Kein System ist sicher" im Zoopalast in Berlin.(Foto: imago/Future Image)
Donnerstag, 25. September 2014

Who Am I - Kein System ist sicher: Hacker mit Minderwertigkeitskomplexen

Von Nina Jerzy

Diese Hacker tun nichts, die wollen nur spielen. Aus dem Spaß wird für Tom Schillings Internetkriminellen in "Who Am I" zwischen Europol und Russenmafia schnell tödlicher Ernst. Für den angestrebten Thriller auf Hollywood-Niveau hat es aber nicht ganz gereicht.

Europol-Ermittlerin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) ist misstrauisch: Dieser mitgenommene Bubi in ihrem Verhörzimmer soll einer der meistgesuchten Cyber-Kriminellen des Kontinents sein? Benjamin (Tom Schilling) hat sich in die Höhle des Löwen gewagt, denn da draußen ist ihm ein noch gefährlicherer Gegner auf der Spur. Dabei war der schmächtige, junge Mann bis vor Kurzem noch ein Niemand. Im Sportunterricht wurde er nie in ein Team gewählt, seine Mutter nahm sich das Leben, nun wohnt Benjamin bei seiner Oma und lässt sich als Pizzabote von seinen Kunden demütigen.

Das einzig Besondere an dem chronischen Versager ist sein Talent im Umgang mit Computern. Mit einer Hacking-Aktion will Benjamin der schönen Marie (Hannah Herzsprung) imponieren. Die Sache geht erwartungsgemäß schief und Benjamin wird vom Gericht zum Müllaufsammeln verdonnert. Dabei lernt er aber Max (Elyas M'Barek) kennen. Der ist das pure Gegenteil von Benjamin: gut aussehend, charismatisch, selbstsicher. Als Max Benjamins Hacker-Talent erkennt, nimmt er ihn in seine Crew auf, zu der schon der tätowierte Muskelmann Stephan (Wotan Wilke Möhring) und der vorsichtige Paul (Antoine Monot, Jr.) gehören.

Binäre Spaß-Guerilla

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Als subversives Hacker-Kombinat CLAY (Clowns Laughing At You) macht das Quartett durch eine Reihe von Spaßaktionen bundesweit auf sich aufmerksam. Auf YouTube & Co. sind CLAY der letzte Schrei, in den Fernsehnachrichten wird über die Aktionen der mit Clownsmasken getarnten Truppe berichtet. Unter den Hardcore-Hackern hingegen werden CLAY als peinliche Bubi-Truppe abgetan. Mit immer gefährlicheren Aktionen will der von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Max den Respekt des Online-Untergrunds gewinnen. Dann aber wird aus dem Spaß tödlicher Ernst: Benjamin und seine Freunde geraten sich mit der russischen Mafia ins Gehege, die mit ihren Gegnern kurzen Prozess macht.

Für einen Film über Hacker wird in "Who Am I – Kein System ist sicher" erstaunlich wenig gehackt. Regisseur Baran bo Odar ("Das letzte Schweigen") findet es nach eigenem Bekunden "wahnsinnig langweilig", Hacker beim Verrichten ihrer Arbeit am Computer zu zeigen. Also lässt er seine Jungs sich zwar noch per Phishing-Mail Zugang zum Netzwerk des Bundesnachrichtendienstes verschaffen – schließlich sind Menschen mittlerweile bei der Cyber-Abwehr die größte Sicherheitslücke. Dann wird aber doch ganz altmodisch ins Spionage-Hauptquartier eingebrochen und sich direkt im Serverraum ins System eingestöpselt.

Internationale Messlatte

"Who Am I" sollte nach dem Willen der Macher ein deutscher Thriller auf US-Niveau werden. "Es ist Zeit, dass wir auch einen großen Thriller Made in Germany hinbekommen", hatte Produzent Quirin Berg ("Das Leben der Anderen") als Motto ausgegeben. Ganz gelungen ist das trotz des englischsprachigen Titels nicht. Dabei stimmt bei aller stereotypen Besetzung die Zusammensetzung der Schauspieler: Tom Schilling und Elyas M'Barek glaubt man ihre komplizierte Bromance gern, Wotan Wilke Möhring legt nur mit einem Schlüpfer bekleidet zum Soundtrack von Star-DJ Boys Noize einen bezaubernden Ein-Mann-Rave hin. Hannah Herzsprung ist dagegen extrem unterfordert und auch von der Dänin Trine Dyrholm ("In einer besseren Welt") hätte man gern mehr gesehen.

"Who Am I" bietet solide Unterhaltung, zum ganz großen Qualitätssprung fehlt aber vor allem inhaltliche Substanz. Die Macher haben sich etwas zu ausgiebig bei großen Vorbildern bedient (jeder Hinweis wäre hier zu viel des Guten) und dem Remix bis zum finalen Twist zu wenig eigene Ideen beigesteuert. Große Ausnahme ist die Visualisierung geheimer Chatrooms im Darknet, dem nicht frei zugänglichen Teil des Internets. Diese Treffpunkte anonymer Hacker werden als düstere U-Bahn-Waggons dargestellt, in denen maskierte Gestalten Botschaften austauschen. Mehr solcher visuell gelungenen und inhaltlich stimmigen Elemente hätten "Who Am I" gut getan.

D "Who Am I" startet am 25. September 2014 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de