Kino

Der "Jackass" als "Bad Grandpa" Johnny Knoxville auf Borats Spuren

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Dream Team der besonderen Sorte: Johnny Knoxville als Irving Zisman und Jackson Nicoll als Billy.

(Foto: Sean Cliver)

Das tut auch ohne blaue Flecken weh: Mit versteckter Kamera prollt sich "Jackass"-Ikone Johnny Knoxville als alter Lustmolch Irving Zisman durch die USA. Mit dem "Bad Grandpa" unterwegs: Jackson Nicoll als Enkel Billy. Ein Kinospaß also für Groß und ..., ähhh, nein, für Klein eigentlich nicht.

Er ist der Typ für die ganz harten Nummern. Die, bei denen man mit einem Elektroschocker unter Strom gesetzt wird. Die, bei denen man sich als menschliche Rakete in die Luft schießen lässt. Die, bei denen man sich mit einem wilden Stier eine Arena teilt. Oder die, bei denen man mit einem Vorschlaghammer einen kräftigen Schlag in die Weichteile bekommt. Das ist, wofür man Johnny Knoxville kennt, wodurch er zum Kultstar der Kultreihe "Jackass" wurde und weshalb er schon so dufte Dinge erlebt hat wie einen "Penisbruch" (einen Riss der Harnröhre) oder den Verlust des Geruchssinns vor lauter Nasenbrüchen.

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Okay, manches mag doch auch wehgetan haben.

(Foto: Sean Cliver)

So gesehen, stellt "Bad Grandpa" geradezu eine erholsame Auszeit für ihn dar. In dem Streifen läuft er zwar ein ums andere Mal auch Gefahr, eins auf die Nüsse zu bekommen, doch im Großen und Ganzen bleibt die Sache für ihn zumeist so schmerzfrei wie für das Publikum - von den psychischen Fremdschäm-Schmerzen einmal abgesehen.

Anders als bei den Brutalo-Stunts und Ekel-Mutproben, die einem bei "Jackass" als Erstes in den Sinn kommen, wandelt Knoxville in seiner Rolle als perverser Großvater Irving Zisman auf Borats Spuren. Oder wandelte Borat auf seinen? Denn auch wenn man bei "Jackass" vielleicht nicht in erster Linie an das Spiel mit verkleideten Charakteren denkt, die ihre Umwelt mit hinrissigem Schabernack hinters Licht führen, gehörte auch das schon immer zu der Serie. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende trat Knoxville erstmals als Irving Zisman auf.

Roadtrip durch die USA

"Bad Grandpa" ist nicht nur ein loser Zusammenschnitt diverser Szenen mit versteckter Kamera. Der Film wird durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten. Ihre zentrale Hauptfigur ist neben Knoxville alias Zisman der achtjährige Billy, dargestellt von Jackson Nicoll. Im Film ist er der Enkelsohn des Amok-Opas. Im realen Leben indes haben sich Knoxville und Nicoll beim Dreh zum Streifen "Fun Size" kennengelernt, für den sie schon 2011 gemeinsam vor der Kamera standen.

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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - zumindest im Film.

(Foto: Sean Cliver)

Zisman hat seinen Enkel unfreiwillig an der Backe - die Mutter des Jungen ist im Knast. Also macht sich der Großvater auf die Reise quer durch die USA, um den Sprössling bei seinem Vater abzusetzen. Und natürlich bieten sich auf dem Weg jede Menge Gelegenheiten, aus der Rolle zu fallen, die Sau rauszulassen und die Mitmenschen zu schockieren. Wenn dabei der Opa mit seinem Enkel in aller Öffentlichkeit mit einem Bier anstößt, ist das vergleichsweise schon nahezu harmlos.

Nicht nur Zisman, sondern auch Billy hat es faustdick hinter den Ohren - dann etwa, wenn er als verkleidetes Mädchen eine Kinder-Misswahl aufmischt. Am meisten zur Sache aber geht es, wenn der tatterige Lustmolch zum Beispiel mit "seinem" Glied im Auswurf eines Getränkeautomaten stecken bleibt, in einer Männer-Strip-Show die knielangen Hoden kreisen lässt oder bei einem Furz-Wettbewerb mit dem Enkel in einem Lokal "versehentlich" die Wand … Ach was, das schauen Sie sich lieber selbst an. Oder vielleicht auch besser nicht, wenn Sie nicht "Jackass"-affin sind.

Nichts aus der Trickkiste

Denn auch wenn Knoxville in dem Streifen ohne berühmt-berüchtigte Kumpel wie Steve-O oder Bam Margera auskommen muss, fügt sich "Bad Grandpa" natürlich eins zu eins ins "Jackass"-Universum ein. Mit Regisseur Jeff Tremaine und Produzent Spike Jonze zeichnet hinter den Kulissen zudem das bewährte Team der Chaos-Truppe für den Film verantwortlich.

Dass man die Geschichte von Zisman und Billy genau genommen als "Jackass: Bad Grandpa" ins Kino bringt, ist deshalb tatsächlich nicht nur ein PR-Trick. Ebenso wie es bei den Szenen mit versteckter Kamera keinen Griff in die Trickkiste gegeben haben soll. Nichts davon sei gefakt, versichern die Macher.

Von Knoxville ist man ja nun schon einiges gewöhnt. Deshalb avanciert Nicoll zum eigentlichen Star des Films. Der Dreikäsehoch scheint dem mittlerweile 42-jährigen Lausebengel, der an seiner Seite zu einem täuschend echt aussehenden 86-Jährigen mutiert, in Sachen Chuzpe schon in fast nichts mehr nachzustehen. Manch einer mag da womöglich am liebsten nach dem Jugendamt rufen. Andere - der Ausdruck sei bei diesem Film erlaubt - werden sich stellenweise bepissen vor Lachen. Ja, klar ist das spätpubertärer Penis-Humor. Aber so alt wie der "Bad Grandpa", dass wir daran nicht unseren Spaß haben könnten, sind wir ja nun auch noch nicht.

"Jackass: Bad Grandpa" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de