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Dissens am Mikrofon: Firth (l.) als Prinz Albert, Rush als Therapeut Logue.
Dissens am Mikrofon: Firth (l.) als Prinz Albert, Rush als Therapeut Logue.(Foto: Senator Film Verleih)
Donnerstag, 17. Februar 2011

Firth und Rush glänzen in "The King's Speech": Lang spreche der König

von Markus Lippold

Vorschusslorbeeren hat "The King’s Speech" bereits mehr als genug eingesammelt. Doch sie sind berechtigt, denn der Film erzählt in schönen Bildern die Geschichte eines Prinzen, der nicht dazu bestimmt scheint, den Thron zu besteigen - bis er einem exzentrischen Australier begegnet.

"Wie soll ich Sie ansprechen?", fragt der Sprachtherapeut Lionel Logue seinen Patienten. "Königliche Hoheit", antwortet dieser. "Ich verwende gern Namen", sagt der Therapeut. "Prinz Albert Frederick Arthur George", ist die Antwort. "Ich nenne sie Bertie", sagt schließlich der Arzt. Das ist kein gewöhnlicher Patient, dem Logue so respektlos entgegentritt. Es ist Prinz Albert, der Duke of York, zweiter Sohn des britischen Königs und indischen Kaisers George V. Nur hat der Prinz ein Problem: Er stottert seit seiner Kindheit.

Schwere Aufgabe: Als George VI. besteigt Prinz Albert 1936 den britischen Thron.
Schwere Aufgabe: Als George VI. besteigt Prinz Albert 1936 den britischen Thron.(Foto: Senator Film Verleih)

"The King's Speech" von Regisseur Tom Hooper erzählt vor allem die Geschichte einer Männerfreundschaft. Dass ein Beteiligter Prinz und künftiger König des britischen Weltreichs ist, macht die Sache etwas komplizierter. Doch Albert, der Etikette und Respekt gewohnt ist, trifft auf einen unorthodoxen Sprachlehrer, der wenig Respekt vor dem königlichen Blut zeigt. Und der Prinz braucht ihn. Nach einer desaströsen öffentlichen Rede, weltweit im Radio übertragen, sitzt Albert gedemütigt im schäbigen Behandlungsraum des Therapeuten und stellt fest: "Ich bin nicht hier, um über Privatangelegenheiten zu sprechen."

Doch Logue lässt nicht locker. Mit Beharrlichkeit und unorthodoxen Methoden versucht er, dem Sprachfehler Alberts tiefer auf den Grund zu gehen. Er lässt ihn singen und fluchen - nur dann stottert Albert nicht -, hüpfen und rollen, macht Entspannungsübungen und stärkt die Kiefermuskulatur. Und trotz der permanenten Provokation und Konfrontation durch Logue wächst eine Freundschaft zwischen Therapeuten und Patienten.

Der Brite par excellence

Nach "The Queen" von Stephen Frears ist "The King's Speech" ein weiterer intimer Blick hinter die Kulissen der britischen Monarchie, und das kurz vor der, dem Urenkel Alberts. Dabei brauchte die Filmidee lange, um verwirklicht zu werden. Drehbuchautor David Seidler, der als Kind selbst stotterte, arbeitete seit den 80er Jahren an dem Stoff. Doch die 2002 gestorbene Queen Mum hatte darum gebeten, den Film erst nach ihrem Tod zu verwirklichen. Zu präsent und schmerzhaft waren ihr noch die Geschehnisse um ihren Ehemann Albert. Noch kurz vor Drehstart konnte die Filmcrew dann Kontakt zu einem Enkel von Logue aufnehmen - und erhielt so Einblick ins Tagebuch des Therapeuten, mit dem Teile der Dialoge authentisch gestaltet werden konnten. Bei einer Vorführung zeigte sich sogar Queen Elizabeth II., die in dem Streifen als kleines Mädchen auftritt, bewegt.

Wichtiger Rückhalt: Albert mit seiner Frau Elizabeth, dargestellt von Bonham Carter.
Wichtiger Rückhalt: Albert mit seiner Frau Elizabeth, dargestellt von Bonham Carter.(Foto: Senator Film Verleih)

Dass der Film dabei eine warme Menschlichkeit ausstrahlt und nicht in Pathos abgleitet, ist - neben den schönen, leicht ausgebleichten Bildern - dem exzellenten Ensemble zu verdanken, allen voran Colin Firth als Prinz Albert. Spätestens seit seiner Rolle als Rentierpullover-tragender Anwalt in "Bridget Jones" gilt Firth als Brite par excellence. Für seine Rolle als - britischer - Literaturprofessor in "A Single Man" erhielt er seine erste Oscar-Nominierung und die Chancen stehen gut, dass Firth nun die Trophäe auch in Händen halten kann., und hat er bereits geholt. Zu Recht, denn seine Darstellung des Prinzen ist überzeugend. Bei jeder Bewegung, bei jedem Satz spürt man den Druck, der auf Albert lastet, die Kälte des Königspalastes, die Ehrfurcht vor dem Vater, die Angst vor dem Radio, das die Königsfamilie zu Schauspielern hat werden lassen, wie es im Film heißt. Nur bei seiner Frau Elizabeth, der späteren Queen Mum (warmherzig gespielt von Helena Bonham Carter) und seinen beiden Töchtern findet Albert Sicherheit.

Exzentrisch und stocksteif

Regisseur Tom Hooper (M.) mit seinen beiden Hauptdarstellern Firth und Rush.
Regisseur Tom Hooper (M.) mit seinen beiden Hauptdarstellern Firth und Rush.(Foto: Senator Film Verleih)

Firth gegenüber steht der kongeniale Geoffrey Rush als Therapeut. Die dankbare Rolle als exzentrischer Australier füllt Rush pointiert aus, und sie brachte ihm ebenfalls eine der zwölf Oscar-Nominierungen für den Film ein. Es ist vor allem der Kontrast zwischen dem gescheiterten Shakespeare-Schauspieler Logue und dem stocksteifen Königssohn, der den Film so unterhaltsam macht. Die Dialoge der beiden sprühen nur so vor Wortwitz, ohne dabei albern zu werden, und sie überspielen leicht die tragische Note, die angesichts des gedemütigten Prinzen mitschwingt.

Neben diese wunderbaren intimen Szenen tritt zunehmend die - teils vereinfachende - Darstellung der. Als George V. stirbt, besteigt Alberts Bruder Edward den Thron. Doch dessen Affäre mit der verheirateten US-Amerikanerin Wallis Simpson führt zu einer dramatischen Verfassungskrise, die erst mit der Abdankung des Königs beendet werden kann. Albert, der sich trotz einiger Unstimmigkeiten langsam seinem Therapeuten geöffnet hat, fühlt sich nicht zum König berufen. Doch nicht zuletzt die Unterstützung durch Logue überzeugt ihn von seiner Aufgabe. Und die ist gewaltig: Als George VI. besteigt Albert den Thron - ein schüchterner, stotternder Monarch zieht in den Krieg gegen Deutschland.

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Quelle: n-tv.de