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Schlaflos in Owatonna Owl City - Leben nach "Fireflies"

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Workaholic mit Schlafproblemen: Adam Young alias Owl City.

(Foto: Pamela Littky / Universal Music)

Ihrem Song "Fireflies" konnte man kaum entrinnen. In 24 Ländern stürmten sie damit auf Platz 1 der Charts. Doch "sie" sind eigentlich "er" - hinter der Band Owl City verbirgt sich mit Adam Young nur eine Person. Im n-tv.de Interview spricht er über sein neues Album "The Midnight Station", aber auch über Prince, Carly Rae Jepsen, Coca Cola und den Segen von Schlaflosigkeit.

n-tv.de: Überall heißt es immer: "der schüchterne Adam Young von Owl City". Aber in Interviews und wenn du einem so gegenübersitzt, wirkst du gar nicht so schüchtern …

Adam Young: Oh doch, ich bin sehr schüchtern. Aber je länger ich im Geschäft bin, umso einfacher fällt es mir, das an- und abzustellen. Das ist wie bei allem: Je länger du etwas machst, umso besser wirst du darin - auch wenn es unangenehm ist.

Hat dich das Musikbusiness also schon verändert?

Ja, in dieser Hinsicht schon. Aber um auf der Bühne zu stehen, braucht es ja zwei Seiten von mir. Auf der einen Seite ist da der schüchterne Typ, auf der anderen aber auch der Musiker, der fähig sein muss, vor vielen Menschen zu singen, Interviews zu geben und all das. Die Musik hat mir auf der extrovertierten Seite geholfen. Aber die introvertierte Seite von mir ist schon noch immer weitgehend unverändert. So war es immer.

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Young schaffte nicht zuletzt mit Hilfe der Songs, die er auf seine MySpace-Seite lud, den Durchbruch.

(Foto: Pamela Littky / Universal Music)

"The Midsummer Station" ist bereits dein viertes Album seit 2008. Fließen dir Songs so leicht aus der Feder?

Ja. Ich bin als Songwriter ziemlich produktiv. Aber auch als Produzent - in dem Sinne, die Musik einzuspielen. Der Text kommt bei mir immer als Letztes. Wenn wir auf Tour sind, sitze ich eigentlich immer hinten im Bus - mit meinen Kopfhörern auf und dem Laptop vor mir. Ich habe Logic (Musikprogramm von Apple, Anm. d. Red.) geöffnet und schraube an Synthesizer-Passagen oder Ähnlichem herum. Ich arbeite einfach immer an irgendetwas. Das treibt mich an.

Neben Owl City hast du noch diverse Nebenprojekte, zum Beispiel Sky Sailing oder Swimming With Dolphins. Und wenn du damit nicht beschäftigt bist, nimmst du vielleicht gerade einen Song mit Paul van Dyk, Armin van Buren oder wem auch immer auf. Bist du ein Workaholic?

Ja, ich glaube schon. Wenn ich an nichts arbeite oder es keine Deadline für etwas gibt, habe ich immer irgendwie das Gefühl, Zeit zu verschwenden.

Als wesentliche Triebfeder, Musik zu schreiben, hast du früher deine Schlafprobleme genannt. Hast du immer noch damit zu kämpfen?

In gewisser Weise schon. Schlaflosigkeit ist Fluch und Segen zugleich. Natürlich ist man ständig sehr müde. Aber zugleich hilft mir das, viel Arbeit zu bewältigen. Alles in allem sind die Nächte, in denen ich nicht einschlafen kann, auch die, in denen ich die meiste Inspiration verspüre. Manchmal wird die Schlaflosigkeit auch genau dadurch ausgelöst - weil ich eine Idee habe, von der ich nicht lassen kann. Ich muss einfach aufstehen und an ihr arbeiten.

Dein erstes Album ist weitgehend im Keller deiner Eltern entstanden. Ist das immer noch ein Arbeitsraum für dich oder bist du inzwischen umgezogen - auf den Dachboden zum Beispiel?

(lacht) Inzwischen habe ich ein eigenes Haus. Jetzt arbeite ich da im Keller. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich mag es, im Keller zu arbeiten - ohne Fenster. Man weiß dort nie, wie spät es ist. Das macht es zu einer Art Zeitkapsel.

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Auf der Bühne wird er natürlich von anderen Musikern unterstützt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Manche Kritiker finden dein neues Album düsterer als seine Vorgänger. Mir indes fällt auf, dass es sehr opulent produziert klingt. Aber was ist aus deiner Sicht das Hauptmerkmal von "The Midsummer Station"?

Ich finde die Unterschiede zu meinen vorherigen Alben nicht allzu groß. Aber es stimmt schon: Der Ansatz war, dass es diesmal unter der Oberfläche etwas kantiger und düsterer klingen sollte. Ich halte es für wichtig, Optimismus auszustrahlen. Aber in der Musik ist es wie im Leben - selten ist etwas wirklich nur eitel Sonnenschein. Und auch das mit der Produktion ist richtig. Ich wollte, dass es sich so groß, kräftig und professionell wie möglich anhört.

Du hast auf dem Album erstmals auch mit diversen anderen Songwritern und Produzenten zusammengearbeitet …

Oh ja, das war etwas ganz Neues für mich. Aber genau deshalb wollte ich es auch tun. Wenn man ganz allein an einem Song arbeitet, tendiert man gelegentlich dazu, sich zu sehr hineinzusteigern - zumal, wenn man so perfektionistisch ist wie ich. Da fällt es manchmal schwer, etwas einfach sein zu lassen. Man macht lauter klitzekleine Änderungen, die de facto aber gar nichts bewirken.

Und eine zweite Person wirkt als Korrektiv …

Ja, einen Co-Produzenten oder Co-Writer mit im Studio zu haben, hat mir geholfen, mich nicht zu verfranzen. Und ich glaube, im Ergebnis erleichtert das auch den Zugang zu dem Album. Da war eben nicht nur ein einzelner Typ, der über die seltsamen Dinge in seinem Kopf schreibt, mit denen andere vielleicht gar nichts anfangen können, sondern es haben sich zumindest zwei Personen mit einem Stück befasst.

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Zufall oder Instinkt? Für das Duett "Good Time" gewann er Durchstarterin Carly Rae Jepsen.

(Foto: Reid Rolls / Universal Music)

Mit "Good Time" befindet sich auf dem Album auch ein Duett mit Carly Rae Jepsen, die mit "Call Me Maybe" gerade einen Riesenhit hatte. Du hattest sie aber schon zuvor kontaktiert. Nur Zufall oder hattest du ein gutes Näschen?

Ich glaube, ein bisschen von beidem. In jedem Fall war es eine glückliche Fügung. Ich habe ihr eine E-Mail geschrieben, weil ich schon vor "Call Me Maybe" ein großer Fan von ihr war: "Hallo, mein Name ist Adam. Ich mache Musik als Owl City. Und hier ist ein Song namens 'Good Time'. Es wäre mir eine Ehre, wenn du ihn mit mir singen würdest. Ich denke, er passt perfekt zu dir." Sie hat eine sehr optimistische Ausstrahlung. Und genau darum geht es in dem Lied - in jedem Moment das Gute zu sehen.

In dem Lied gibt es diese Zeile über den "Prince-Song in my head". Du hast verraten, dass du dabei an "Purple Rain" gedacht hast. Was ist dein Lieblingssong von Prince?

Ich glaube, da muss ich auch "Purple Rain" sagen.

Du bist 26. Als "Purple Rain" herauskam, warst du noch nicht mal geboren. Geben dir Künstler wie Prince heute dennoch etwas?

Manchmal. Ich denke, es ist wichtig, sich mit den kulturellen Entwicklungen auseinanderzusetzen - auch wenn sie vor der eigenen Zeit stattgefunden haben. Und bei Prince kommt natürlich noch etwas hinzu: Ich komme aus der Nähe von Minneapolis in Minnesota, wo er herstammt. In gewisser Weise bin ich in seinem Schatten aufgewachsen. Egal, ob es das "Paisley Park"-Studio ist, in dem er viele seiner Platten aufgenommen hat, oder der von ihm mitbegründete "First Avenue"-Club, in dem ich auch schon aufgetreten bin - Prince ist in Minneapolis allgegenwärtig.

Ziemlich allgegenwärtig war 2009 auch dein Song "Fireflies". Er war Nummer-1-Hit in sage und schreibe 24 Ländern. Wie sehr wurdest du vom Erfolg überrascht?

Sehr - und es überrascht mich immer noch, dass ich rund um den Erdball Konzerte geben kann. Das ist schon irre, wenn du auf der Bühne stehst, "Fireflies" anspielst und alle den kompletten Text mitsingen. Wenn ich daran denke, wie ich das Lied zig Meilen entfernt im Keller meiner Eltern geschrieben habe, überwältigt mich das einfach nur.

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Das Album "The Midsummer Station" ist ab sofort erhältlich.

(Foto: Universal Music)

Vor deiner Musik-Karriere hast du unter anderem für Coca Cola gearbeitet. Kannst du Cola heute noch sehen?

(lacht) Ja, doch. Wenn wir in fernen Ländern auf Tour sind, ich in die Garderobe komme und da ein Kühlschrank mit Coke darin steht, jubel ich schon mal: Hey, die hat eine lange Reise hinter sich.

Wenn du dann nach Hause zurückkehrst, lebst du in deiner Heimatstadt Owatonna - ein Ort mit rund 25.000 Einwohnern. Warum zieht es dich nicht in die große weite Welt?

Tatsächlich fragen mich viele, weshalb ich nicht nach New York, L.A., London oder wohin auch immer ziehe. Ich glaube das liegt daran, weil ich ja sonst schon so viel reise und all die großen Städte zu sehen bekomme. Für mich hat Owatonna etwas ganz Besonderes: Es gibt nur ein Owatonna auf der ganzen Welt! Und man hat nur eine Heimatstadt. Ich bin dort aufgewachsen und habe die meiste Zeit meines Lebens dort verbracht. Wenn ich da bin, genieße ich es - es ist idyllisch und auf seine ganz eigene Weise hübsch.

Wie verbringst du deine Zeit dort?

Ich relaxe. Außerdem wohnen ja auch meine Eltern noch dort. Also gehe ich auch mal zum Essen bei ihnen vorbei. Ich freue mich immer, sie wieder zu sehen, wenn ich zurückkomme. 

Und hoffentlich bekommst du auch etwas Schlaf …

Ja, hoffentlich!

Mit Adam Young sprach Volker Probst

Das Album "The Midsummer Station" von Owl City bestellen

Quelle: n-tv.de

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