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Willkommen in Schwedens wilden Wäldern "Night Hunt": Die Zeit des Jägers

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(Foto: Senator)

Pippi Langstrumpf und Elche: Das sind die ersten Assoziationen zu Schweden. Aber es gibt dort auch jede Menge Wald - und vergleichsweise wenig Menschen. Eine perfekte Voraussetzung für einen Psychothriller der Extraklasse und eine mörderische Hetzjagd auf eine Frau, die eigentlich nur ihre Ruhe haben will.

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Malins (Sofia Ledarp) will im Norden ein neues Leben beginnen.

(Foto: Senator)

Klein ist anders. Schweden ist riesig. Auf fast 450.000 Quadratkilometer Fläche bringt es das skandinavische Land. Das wirklich Faszinierende dabei aber ist: Von dieser Fläche entfällt mehr als die Hälfte auf Wald. Unberührte Natur, wohin das Auge blickt. Ein Paradies für Jäger, vor allem im Norden. Denn dort leben gerade einmal zwei Einwohner pro Quadratkilometer.

Und Malin (Sofia Ledarp; "Stieg Larssons Millennium-Trilogie") will in den Norden und nach dem Selbstmord ihres Bruders neu anfangen. Sie braucht dringend eine Luftveränderung - und Ruhe vom familiären Seelenstress. Der Volvo ist bepackt, der Umzugsanhänger beladen und so macht sich Malin auf ihren Weg. Den Eltern von unterwegs auf Wiedersehen gesagt, fährt sie stundenlang auf Schwedens einsamen Straßen in Schwedens noch einsameren Norden.

Unheimliche Begegnung(en)

Ein Auto, das plötzlich hinter ihrem Gespann auftaucht, drängelt und Lichthupe gibt, bleibt deshalb in Erinnerung. Erst recht, wenn es beim Überholen gefühlt mehrere Minuten lang neben ihr herfährt. Malin ist verwirrt. Eine dunkle Angst beschleicht sie. Aber als der Jeep endlich vor ihr einschert und davonbraust, steckt sie sich eine Zigarette an und beruhigt sich wieder. Vorübergehend.

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Mannen (Kjell Bergqvist) und sein Auto.

(Foto: Senator)

Als sie einen Stopp einlegt, sieht sie den Jeep wieder samt seinem Fahrer. Und als sie - wieder auf der Straße gen Norden - in strömendem Regen einen liegengebliebenen Autofahrer sieht, ist es erneut der Jeep mit dem Unbekannten. Sie bremst. Verriegelt die Türen. Lässt das Beifahrerfenster herunter. Der Jeep-Fahrer Mannen (Kjell Bergqvist) bittet Malin, ihn ein Stück bis zur nächsten Werkstatt mitzunehmen. Er weiß, dass es eine gibt. Malin verspricht, Hilfe zu holen, aber mitnehmen? Auf keinen Fall, denkt sie sich, einer dunklen Vorahnung folgend. Irgendetwas stimmt mit Mannen nicht. Sie fährt weiter, eine Werkstatt gibt es weit und breit nicht.

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"Night Hunt" ist als DVD und Blu-ray bei Senator erschienen.

(Foto: Senator)

Wieder einige Stunden später hält Malin auf einem Parkplatz. Raucherpause. Sie schaut sich um: Ein anderer Autofahrer kämpft mit einer Straßenkarte. Ein Jeep taucht am Horizont auf. Der Jeep. Er kommt bedrohlich näher. Versperrt eine der beiden Parkplatzauffahrten. Malin denkt kurz darüber nach, den völlig fremden, mit der Straßenkarte kämpfenden Autofahrer um Hilfe zu bitten. Sie lässt es, setzt sich in ihren Volvo und drückt aufs Gas. Der Jeep folgt ihr nicht.

Malin fährt den Rest des Tages ohne Unterbrechung. Links der Straße Wald. Rechts der Straße Wald. Bäume dicht an dicht. Zwischen ihnen schlängelt sich das endlos scheinende Band der Straße. Es wird dunkel und Malin bleibt nichts anderes übrig, als rechts ranzufahren. Sie ist todmüde und schläft sofort ein. Plötzlich ein grelles Licht. Es blendet sie durch die geschlossenen Augenlider. Im Rückspiegel taucht der Jeep auf. Malin ist sofort hellwach. Die Türen sind noch verriegelt, wie eine schnelle Überprüfung ergibt. Aber diesmal ist das egal. Mannen schlägt die Scheibe an der Fahrerseite ein. Und plötzlich ist alles wieder dunkel um Malin herum. Als sie Stunden später aufwacht, befindet sie sich in einem Keller.

Aus dem Regen in die Traufe

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Malin Auge in Auge mit ihrem "Jäger"

(Foto: Senator)

Mannen hat sie entführt. Ohne jeden Grund. Aus Spaß. Und Malin ist nicht die Erste, wie er ihr sehr glaubhaft versichert. Er hat noch einiges mit ihr vor. Schreien kann sie, so laut sie will, hier draußen im Wald hört sie keiner. Und Hoffnung auf Rettung? Lebend kommt sie hier nicht raus, das wird Malin schnell klar. Stunden vergehen. Vielleicht Tage. Malin weiß es nicht. Aber irgendwann sieht sie durch ein dick vergittertes Kellerfenster, wie Mannen mit seinem Jeep wegfährt. Sie rafft allen Mut zusammen und sucht nach einer Fluchtmöglichkeit. Ein einziger Nagel in der Wand schenkt ihr Hoffnung. Es dauert gefühlt Stunden, aber sie bekommt ihn aus der Wand. Nun ist das Türschloss dran. Es muss funktionieren. Es muss einfach. Und - es klappt. Malin schleicht sich nach oben.

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Angriff ist de beste Verteidigung.

(Foto: Senator)

Aber Mannen ist bereits wieder zurück und sitzt in der Küche. Malin versteckt sich, wartet auf den passenden Augenblick. Und als draußen jemand vor der Tür ruft, flieht sie. Rennt dem Autofahrer mit dem Kartenproblem vom Parkplatz direkt in die Arme. Fleht ihn um Hilfe an. Stefan (Björn Kjellman) weiß nicht, wie ihm geschieht. Erst recht nicht, als Mannen aus dem Holzhaus kommt und ihm erklärt, dass Malin, seine Tochter, verrückt sei und Hilfe brauche. Stefan will die Polizei anrufen, Mannen streckt ihn mit einem Brett nieder, Malin flieht. Barfuß. In den Wald. Auf sich allein gestellt. Die Jagd hat gerade erst begonnen …

Alter Schwede!

"Night Hunt" ist ein schwedischer Psychothriller per excellence. Suspense pur. Regisseur Mattias Olsson, der auch das Drehbuch verfasst hat, verzichtet nahezu gänzlich auf Gewalt. Und das funktioniert. Das Erahnen, das "Was könnte passieren", reicht völlig aus, um gebannt der Reise Malins in den Norden zu folgen. Der Zuschauer wird zu Malins Beifahrer und kann ihre dunklen Vorahnungen förmlich riechen.

Olsson gelingt es dabei, die Spannung den ganzen Film lang zu halten: Macht Stefan gemeinsame Sache mit Mannen? Oder der auf Malins Flucht urplötzlich im Wald auftauchende ältere Jäger (gespielt von dem Deutschen Dietrich Hollinderbäumer, bekannt als der Vater aus der TV-Serie "Pastewka"), welche Rolle spielt er?

Olsson schafft es - typisch schwedisch -, aus wenig viel zu machen. Er schafft es mit einem völlig alltäglich scheinenden Thema, nur vier Schauspielern und unzähligen wunderschönen Naturaufnahmen einen spannenden Thriller zu stricken, der zudem mit Sofia Ledarp als Malin mit einer charismatischen Hauptdarstellerin aufwartet. Ein Kleinod, einfach riesig - und absolut sehenswert! 

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Quelle: n-tv.de

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