Kino

Amy Adams macht "Big Eyes" Vom eigenen Mann beklaut

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Wem gehört die Kunst?

(Foto: dpa)

Bilder von Kindern mit riesigen Augen hätten Margaret Keane zu einer reichen Frau machen sollen. Ruhm und Vermögen strich jedoch ihr Ehemann ein, der sich als Urheber ausgab. Tim Burton zeigt diese skurrile Kunstfälschergeschichte nun im Kino.

Margaret (Amy Adams) will ihr Leben endlich in die eigene Hand nehmen. Die verhuschte Ehefrau flieht 1958 samt Tochter vor ihrem ersten Ehemann (warum genau, erfährt der Zuschauer nicht) ins hippe San Francisco. Die ehemalige Kunststudentin träumt von einem Durchbruch mit ihren Gemälden seltsam großäugiger Kinder. Gefragt sind allerdings abstrakte Werke à la Mark Rothko. Walter Keane (Christoph Waltz) scheint der Ausweg aus der Misere der Alleinerziehenden zu sein. Der Maler ist selbstsicher, charmant, erfolgreich, dazu noch ein Weltenbummler. Obwohl sich schnell herausstellt, dass Walter in Wahrheit seinen Lebensunterhalt als Immobilienmakler verdient, willigt Margaret in die Hochzeit ein. Ihr verkaufstüchtiger Mann arrangiert eine Mini-Ausstellung in einem Nachtclub, wo allerdings nur Margarets kulleräugige Kinder auf Interesse der kaufkräftigen Kundschaft stoßen.

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Eine Parodie seiner selbst?

(Foto: dpa)

Aus Eitelkeit gibt sich der erfolglose Walter als Urheber der Werke aus, die Anfang der wilden Sechziger einen besonderen Nerv in der US-Bevölkerung treffen. Der Hochstapler setzt auf Massenproduktion und bringt die Motive millionenfach als Poster und auf Billigprodukten gedruckt in Supermärkten unter das Volk. Die Künstlerin selbst macht den Betrug erst aus Liebe zu und später aus Angst vor dem aufbrausenden Gatten mit. Während Walter mit Hollywoodstars feiert, produziert seine Frau abgeschottet in ihrer Luxusvilla als Gefangene ihres eigenen Talents ein Bild nach dem anderen. Eines Tages aber hat Margaret die Nase voll und streitet vor Gericht um das Urheberrecht an ihren Gemälden. Ein Malwettbewerb mit Walter vor den Augen der Geschworenen wird klären, wer hier der wahre Künstler ist.

Ein lachhafter Schurke

Über ein Jahrzehnt lang haben die Drehbuchautoren Scott Alexander und Larry Karaszewski ("Ed Wood") versucht, Margaret Keanes unglaubliche Lebensgeschichte auf die Leinwand zu bringen. 2012 schienen Reese Witherspoon und Ryan Reynolds als Hauptdarsteller gesetzt, doch daraus wurde letztlich nichts. Dann aber konnte Regisseur Tim Burton den zweifachen Oscar-Preisträger Christoph Waltz ("Inglourious Basterds") für das Projekt gewinnen. Leider ist ausgerechnet Waltz der Schwachpunkt des Films. Sein Walter ist ein schmieriges Rumpelstilzchen mit Wiener Schmäh, das den immer wieder beschworenen Charme des Vorbilds bitterlich vermissen lässt. Waltz bewegt sich derart eng an der Grenze zur Parodie, dass man sich ein ums andere Mal fragt, warum Margaret den Tyrannen mit Napoleon-Komplex nicht einfach mit einem kräftigen Tritt in die Weichteile zum Teufel geschickt hat.

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Amy Adams mit Margaret Keane, aufgenommen am Rande der Dreharbeiten.

(Foto: dpa)

Die wahre Margaret Keane aber stand derart unter dem Einfluss ihres Mannes, dass sie für ihn jahrelang fast wie eine Sklavin und nahezu ohne Kontakt zur Außenwelt Bilder produzierte. Auch wenn die Motivation – zumindest aus heutiger Sicht und 50 weiteren Jahren Emanzipation – manchmal nur schwerlich nachvollziehbar ist, gelingt es Adams, ihre Figur nicht als totales Opfer dastehen zu lassen. Dafür erhielt sie nach "American Hustle" den zweiten Golden Globe in Folge.

Kein typischer Burton

Diese Aussage wäre vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen: Dem Film von Tim Burton hätte etwas mehr Skurrilität gutgetan. Der Schöpfer von "Edward mit den Scherenhänden" und "Mars Attacks!" hat diese nur zehn Millionen Dollar teure Produktion extrem zurückhaltend und geradezu konventionell inszeniert. Auch der Grundsatzfrage, was Kunst von Kitsch unterscheidet und welche Rolle der Massengeschmack dabei spielt, hätte der Keane-Fan gern etwas tiefschürfender nachgehen können. So beschränken sich die Gegner der "Big Eyes"-Bilder auf einen affigen Galleristen (Jason Schwartzman) und einen elitären "New York Times"-Kritiker (Terence Stamp), ein Bruder im Geiste des "Ratatouille"-Restauranttesters Anton Ego.

Interessanterweise läuft mit "The Lady in Gold" demnächst eine weitere wahre Geschichte einer Frau an, die vor Gericht um ihr zustehende Kunstwerke kämpft und obsiegt (dieser Film nun auch tatsächlich mit Ryan Reynolds). Helen Mirren spielt Maria Altmann, rechtmäßige Erbin von Gustav Klimts goldenem Porträt ihrer Tante Adele Bloch-Bauer. Altmann verkaufte das Bild schließlich für den damaligen Rekordpreis von 135 Millionen US-Dollar. Margaret Keanes "Complicated Lady"-Druck mit Blattgold ist online derzeit für 3500 Dollar zu erwerben.

"Big Eyes" kommt am 24. April in die deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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