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Das Hörbuch ist im Hörverlag erschienen.
Das Hörbuch ist im Hörverlag erschienen.(Foto: Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen)
Sonntag, 25. Dezember 2016

Liebe, Ehrgeiz und Intrigen: "Belgravia" birgt dunkle Geheimnisse

Von Solveig Bach

Für alle, die das Ende von "Downton Abbey" betrauert haben, hat Erfolgsautor Julian Fellows neuen Stoff parat. "Belgravia" spielt im London des 19. Jahrhunderts und verwebt die Geschicke der neureichen Trenchard-Familie mit denen der aristokratischen Bellasis-Dynastie.

Seit seiner Erfolgsserie "Downton Abbey" gilt Julian Fellows als der Experte für britische Historienstoffe. Auch in seinem neuesten Werk "Belgravia" geht der Autor zurück in die Vergangenheit. Der Roman, den Fellows zunächst digital als Fortsetzungsgeschichte veröffentlichte, beginnt kurz vor der Schlacht von Waterloo, 1815 in Brüssel.

Sophia, die ebenso hübsche wie lebenslustige Tochter des ehrgeizigen britischen Geschäftsmannes James Trenchard, hat Karten für den begehrtesten Ball des Jahres organisiert. Die Einladung in das Haus der Herzogin von Richmond verdankt die Familie Edmund Bellasis dem jungen Erben des Hauses Brockenhurst, der natürlich in Sophia verliebt ist. Der Ballabend endet mit dem Angriff Napoleons und einer aus unerfindlichen Gründen völlig aufgelösten Sophia.

25 Jahre später haben sich die Dinge verändert, Edmund Bellasis ist in der Schlacht gefallen, Sophia wurde unehelich Mutter, starb aber im Kindbett. Der illegitime Sohn Charles wurde zu einer Pflegefamilie gegeben und hat sich inzwischen zu einem tatkräftigen Jungunternehmer gemausert, der mit einer Baumwollfabrik sein Glück machen will. Für die Trenchards ist es auf der sozialen Leiter stetig weiter nach oben gegangen. Sie bewohnen inzwischen ein Haus am Eaton Place und James Trenchard hat es mit dem Bau von Belgravia zu beachtlichem Reichtum gebracht.     

Familiengeschichte und Gesellschaftspanorama

In dem neuen Villenviertel, das südlich des Buckhingham Palace entstanden ist, leben auch die aristokratischen Bellasises. Sie sind nach Edmunds Tod ohne Erben, weshalb das Vermögen an einen anderen Familienzweig zu fallen droht. Als James' Frau Anne Trenchard Lady Caroline Brockenhurst begegnet, beschließt sie, ihr den gemeinsamen Enkel nicht länger zu verschweigen. Doch beide Frauen gehören noch immer zwei völlig unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an, und der junge Charles Pope hat keine Ahnung von seiner wahren Herkunft. Mit der Enthüllung des Familiengeheimnisses verbindet jeder der Beteiligten andere Hoffnungen oder Befürchtungen.

Fellows hat "Belgravia" als Familiengeschichte angelegt und mit der ihm eigenen Mischung aus sozialer Beschreibung der herrschenden Verhältnisse und einem immer wieder wechselnden Intrigenspiel gewürzt. Es geht um Spielschulden, wichtige Papiere, Ehre und Verrat, Liebe und Verlust sowohl bei den jeweiligen Herrschaften wie unter dem Personal. Dabei beschreibt Fellows den verzweifelten Wunsch James Trenchards, endlich in die höheren Kreise aufzusteigen, ebenso präzise wie die Gnadenlosigkeit und den Dünkel von Lady Brockenhurst. Gelegentlich verliert er sich zu sehr in den Gedankenspielen seiner Protagonisten, das wird aber durch die doch immer wieder überraschenden Wendungen, die lebendigen Figuren und den beinahe thrillerwerten Plot wettgemacht. Die Klasse von Charles Dickens, in dessen Tradition sich Fellows mit "Belgravia" gern verortet, erreicht er allerdings nicht.

Beate Himmelstoß hat eine gekürzte Fassung des Buchs eingelesen, die aber immer noch knapp 16 Stunden dauert. Nur selten erliegt sie der Versuchung, allzusehr in den Ton eines Groschenromans zu verfallen. Ruhig und einfühlsam zeichnet sie die einzelnen Charaktere nach. Ist man ihr erstmal nach "Belgravia" gefolgt, ist das genau der richtige Stoff für lange Abende.

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Quelle: n-tv.de