Musik

"Ich musste ein Haarnetz tragen" Bryan Adams erinnert sich an seine Jugend

Bryan Adams, mittlerweile 54, hat selbst unzählige Hits wie "Summer of ’69" geschrieben. Auf seinem neuen Werk "Tracks Of My Years" widmet er sich dennoch lieber Klassikern aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren von den Beach Boys, Bob Dylan, Creedence Clearwater Revival, Chuck Berry und Ray Charles, die sein Leben begleitet haben. Bei "Wetten, dass..?" in Erfurt wird er mit der einzigen Eigenkomposition der Platte, "She Knows Me", auf der Bühne stehen. n-tv.de hat den kanadischen Musiker und Fotografen in seinem Atelier in seiner Wahl-Heimat London getroffen und stellte dabei fest, dass er Goldene Schallplatten am liebsten auf der Toilette aufbewahrt und bald schon Wahl-Berliner werden könnte.

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Die Scheibe mit Coversongs ist für Bryan Adams eine Aufwärmaktion für das nächste Werk.

(Foto: dpa)

n-tv.de: Mr. Adams, sechs Jahre haben Sie kein neues Studioalbum herausgebracht, nun kehren Sie mit einer Platte mit Coversongs zurück. Fällt Ihnen nichts mehr ein?

Bryan Adams: Doch, doch! Ich arbeite ja gerade an einem Album mit neuen Songs, aber das erscheint erst nächstes Jahr.

Und was ist mit dieser Platte?

Die ist das Warm-up dafür! Es war noch nicht mal meine Idee. Denn glauben Sie mir, eine Coversong-Platte war jetzt auch nicht gleich das, wo ich hurra geschrien habe. Aber das US-Label Verve Records bohrte immer wieder nach, ob ich nicht Lust dazu hätte. Und dann dachte ich mir: Wenn ich das spielerisch umsetzen kann und noch Spaß dabei habe – warum eigentlich nicht?

Wie haben Sie die Stücke ausgewählt?

Die richtigen Songs zu finden war gar nicht mal so einfach. Auf der Platte sind nicht zwingend meine Lieblingslieder, sondern eher Stücke, die im Radio gespielt wurden zu der Zeit, als ich mich entschloss, Musiker zu werden. Wenn ich meine Lieblingssongs ausgewählt hätte, dann wäre "Hey Jude" von den Beatles dabeigewesen.

Aber den Song wollten Sie nicht covern?

Nein, so was rührt man doch nicht an! Es hat keinen Sinn. Oder "Smoke On The Water" von Deep Purple. Es gibt viele solche Klassiker-Songs, die mich beeinflusst haben. Letztendlich hat mir Youtube bei der Auswahl geholfen: Du guckst ein Video und bekommst Vorschläge für andere Lieder. Ich habe dort The Everly Brothers eingegeben und das hat mich dann zu anderen Stücken geführt, die ich längst vergessen hatte. Und so ging das immer weiter.

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Ich musste übrigens zwei Mal hingucken, um zu kapieren, dass Sie das auf dem Albumcover sind. Sie sind so jung, tragen lange Haare ...

(lacht) Ja, ich wollte etwas mit der Idee des Albumtitels "Tracks Of My Years" spielen. Im Titeltrack, der im Original von Smokey Robinson gesungen wird, gibt es diese Zeile: "So take a good look at my face / You'll see my smile looks out of place." Ich finde, die passt vorzüglich als Anleitung zum Betrachten des Fotos!

Wann ist das Foto entstanden?

Als ich 15 war. Ich besuchte zu der Zeit einen Fotokurs. Wir hatten eine alte russische Kamera und mein Kumpel Ryan und ich knipsten uns gegenseitig. Das besagte Bild ist aber auch deshalb interessant, weil es zu der Zeit entstand, als mir klar wurde, dass ich Musiker werden wollte. Ich wusste nicht, ob ich gut darin sein würde. Ich wusste nur, dass Musik das war, was ich machen wollte.

Das Faszinierende ist doch, dass der junge Typ auf dem Bild noch gar nicht weiß, welch großartige Karriere ihm bevorsteht. Sie hatten damals vermutlich aber große Hoffnungen?

Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich so viele Hoffnungen hatte. Ich hatte aber die Wahl: Schule oder Musik. Da fiel die Entscheidung leicht. Außerdem bekam ich relativ schnell Jobs, als ich entschied, nicht nur Gitarrist zu sein, sondern auch Sänger. Es gibt kaum Rocksänger, wissen Sie? Aber es gibt Tausende von Gitarristen! Jeder war also ein verdammter Gitarrist, aber keiner wollte vors Mikrofon. Ich war der einzige Dumme, der sagte: "O.K., ich mach das." So wurde ich Sänger.

Warum haben Sie sich geopfert – wegen der Mädchen?

Wenn es die Mädchen gewesen wären, auf die ich es abgesehen hätte, wäre ich Gitarrist geblieben! Mein Gitarrist Keith ist der Frauentyp in meiner Band. Es gibt da eine lustige Karikatur im Internet: Sie zeigt ein Mikrofon und zwei Mädchen. Dann eine Gitarre und fünf Mädchen. Und der Keyboardspieler bekommt nur eine Katze. (lacht) Genauso ist das!

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1994 war Bryan Adams noch halblanghaarig.

Wann haben Sie sich dazu entschlossen, die Haare abzuschneiden?

Kurze Zeit nach dem Foto. Ich hatte einen ziemlich harten Nebenjob. Ich arbeitete in der Küche als Spüler, um mir meinen Lebensinhalt zu verdienen. Es war viel Arbeit, so viel Haar zu bändigen. Also musste ich ein Haarnetz in der Küche tragen. Das war mir auf die Dauer zu anstrengend. Also kam die Matte ab. Aber ich liebe das Foto mit der langen Mähne noch heute.

Und wie war das nun mit den Mädchen?

Bedauerlicherweise war ich nie ein Hit bei den Frauen. Die mochten immer nur die Typen, die Fußball spielten. Sie wollten keinen pickeligen, langhaarigen, stinkenden Musiker. Vielleicht käme ich heutzutage besser an!

Waren Sie Heavy-Rock-Fan?

Ich liebte Hard Rock! Und ich meine den lautesten, härtesten, aggressivsten Rock, den es zu hören gab.

Da ist ja auch ein Led-Zeppelin-Cover auf der Platte. So aggressiv habe ich Sie tatsächlich noch nie zuvor gehört.

Hören Sie sich mal meine ganz frühen Alben an, dann wissen Sie, wo ich herkomme.

Es ist eh Wahnsinn, wie lange Sie schon dabei sind. Selbst beim Live-Aid-Konzert von 1985 waren Sie schon am Start!

Ja, damals war ich 25. Ich glaube, ich war einer der jüngsten Teilnehmer. Und ich war der erste Künstler, der von Philadelphia aus live in die ganze Welt übertragen wurde. Aber es fühlt sich auch so an, als wäre das 30 Jahre her. Denn wenn ich an jene Zeit und besonders auch die Neunziger zurückdenke, kann ich mich an gar nichts erinnern, weil ich so hart gearbeitet habe und kontinuierlich auf Tour war. Nur manchmal habe ich Flashbacks, wenn mir jemand ein altes Foto zeigt oder ich ein Tourplakat von damals sehe.

Im Dezember kommen Sie für einige Arenen-Shows nach Deutschland.

Ja, aber erwarten Sie da bitte nicht von mir, dass ich Coversongs spiele! (lacht) Es ist eine Tour, um das 30-jährige Jubiläum meines Albums "Reckless" zu würdigen. Die Platte sorgte dafür, dass ich aus den beschissenen Clubs rauskam. Sie ging auf Platz 1 in Amerika. Damals bedeutete das noch was. Es war der Moment, wo ich wirklich diese Wucht des Erfolgs spürte.

Aber der größte Hit der Platte, "Summer Of ’69", wurde trotzdem immer falsch verstanden.

Stimmt, es war definitiv kein Song über das Jahr 1969, sondern es ging darin um Sex. Um die ersten Erfahrungen, die man so macht.

Gut, dass wir drüber gesprochen haben. Was können Sie mir denn über Berlin sagen? Es heißt, Sie wollen dort eine Industriehalle in Oberschöneweide zu einer Kulturstätte umbauen lassen.

Noch habe ich damit nicht angefangen, aber es wird passieren. Es sollen viele kleine Ateliers dort entstehen. Und die Redaktion der Zeitschrift "Zoo Magazine", die ich herausbringe, soll dorthin umziehen.

Also werden Sie bald oft in Berlin sein?

Ich bin sowieso oft dort.

Dann eben öfter als oft?

Genau! Wissen Sie, Deutschland war immer sehr, sehr gut zu mir. Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu den Deutschen. Ich arbeite dort gerne: als Musiker, als Fotograf. Ich habe dort gespielt, als die Mauer fiel. Und ich möchte ein Teil der Stadt sein. Wenn ich jetzt helfen kann, einen Stadtteil dort kulturell wiederzubeleben, tue ich das sehr gerne.

Mit Bryan Adams sprach Katja Schwemmers

CD: Bryan Adams "Tracks Of My Years" (Polydor/Universal) erscheint am 3. Oktober 2014 - bei Amazon bestellen

Reckless 30th Anniversary Tour

03.12. Berlin, O2 World
04.12. Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
09.12. Köln, Lanxess Arena
10.12. München, Olympiahalle
13.12. Innsbruck, Olympiahalle
15.12. Wien, Stadthalle

Quelle: n-tv.de

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