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Robin Schulz auf dem HoliFestival  of Colours am 26. Juli 2014 auf dem Messegelände Saarbrücken.
Robin Schulz auf dem HoliFestival of Colours am 26. Juli 2014 auf dem Messegelände Saarbrücken.(Foto: imago/Becker&Bredel)
Montag, 04. August 2014

Wer? Robin Schulz aus Osnabrück?: Der Hitschmied

Von Steffen Rüth

Die Hitfabrik des Jahres befindet sich weder in Hollywood noch in New York und auch nicht im hippen Londoner Osten. Nein, sie steht noch nicht einmal in Berlin. Wer hinter Hits wie "Waves" oder "Prayer in C" steht, braucht keinen Großstadtglamour.

Die Hitfabrik des Jahres kommt in Form einer 46 Quadratmeter großen Wohnung daher. Und zwar einer Wohnung in Osnabrück, einer kleinen Großstadt in der niedersächsischen Provinz. Dort lebt und arbeitet Robin Schulz, seines Zeichens DJ und Remixer, und das bereits seit Jahren. "Ich wohne, seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, immer noch in meiner ersten eigenen Bude", sagt Schulz. "Verrückt, oder?" Osnabrück, seine Heimatstadt, sei genau der richtige Ort für ihn. "Ich bin total happy in Osnabrück. Hier leben meine Freunde, die Stadt ist überschaubar und es gibt elektronische Clubs. Was will man mehr?" Robins Lieblingsladen ist zugleich so etwas wie die Homebase seines eigenen kleinen Labels "Lausbuben Records". „Im "Dr. Vogel" kann man wirklich super feiern", sagt Schulz, der selbst regelmäßig dort auflegt.

Robin Schulz, 27 Jahre, aus Osnabrück also, das ist der Hitgarant der Saison. Zwei Nummer-Eins-Singles stehen für ihn bislang zu Buche. Im März erreicht Schulz den ersten Spitzenplatz mit "Waves", das von dem Niederländer Mr. Probz gesungen wird. Vor wenigen Wochen wiederholt er den Charttriumph mit seinem Remix eines Songs des französischen Indie-Folk-Duos Nili Hadida und Benjamin Cotto alias Lilly Wood & The Prick, "Prayer in C" heißt das Stück. Mittlerweile ist Schulz in ganz Europa erfolgreich, "Waves" war sogar in Großbritannien auf Platz eins. Sein Geheimnis? Die kluge Songauswahl. Beide Nummern haben bereits im Original gemeinsam, dass sie keineswegs tierisch nach vorne gehen, sondern eher sachte und verträumt um den Hörer herumschleichen - um sich dann unmittelbar mit spitzen Zähnchen in den Ohren festzubeißen. "Als DJ, Musiker, Produzent und Mensch ist das Melancholische absolut mein Ding", sagt Schulz, wenig überraschend. "Das kann man so stehenlassen. Wenn ich schöne traurige Songs mit tollem Gesang höre, dann macht mich das glücklich."

Schlau, der Schulz

Robin Schulz ist mit der DJ-Kultur und mit elektronischer Musik aufgewachsen. Sein Vater legte in den Achtzigern schon professionell Platten auf ("Inzwischen ist er dafür zu alt"), der Junge fand das immer toll, verliebte sich in House, Funk und Techno, das Berufsziel hatte er früh vor Augen. "Mit 15 war ich zum ersten Mal in einem Club und fand das alles den Wahnsinn. Ich sparte mir nach und nach die Ausrüstung zusammen und legte los." Das "DJen" habe er sich zwar selbst beigebracht, "mein Vater war jedoch der Ansporn für mich, das Ding überhaupt anzugehen."

Robins Arbeitsweise: Er treibt sich andauernd online herum, hat zahlreiche Youtube-Kanäle abonniert und stöbert bei Soundcloud und ähnlichen Seiten, bis der Morgen graut. "Das Original muss mich umhauen", so Schulz. "Habe ich mich erstmal in eine Nummer verliebt, überlege ich, wie ich etwas Tanzbares daraus machen kann."

Er bastelt also am heimischen Laptop seinen Beat in die bestehenden Folk-Pop-Originale, und fertig sind die melodischen Vocal-House-Hits aus dem Hause Schulz. Anschließend lädt er das jeweilige Stück bei Soundcloud hoch und kann zugucken, wie die Leute zu Hunderttausenden sein Werk anklicken. So weiß man bereits, was ein Hit wird, bevor der Song überhaupt offiziell veröffentlicht ist. Schlau, der Schulz.

Dass die Original-Interpreten durchaus erfreut sind über die Politur aus Osnabrück, ist zwar keine Selbstverständlichkeit (manche  Künstler können sehr eigen sein), bislang aber jedes Mal der Fall gewesen. "Der Manager von Mr. Probz hat mich kontaktiert und dazu beigetragen, dass der Remix offiziell veröffentlicht wurde."

Alle sind happy

Das war sein Durchbruch. "Ich habe leider noch keinen der Künstler persönlich kennengelernt, aber meines Wissens sind alle happy mit den Ergebnissen." Auf alle Fälle hat Robin Schulz dafür gesorgt, dass man nicht nur ihn, sondern eben auch Mr. Probz und Lilly Wood & The Prick kennt.  Um ein richtig Großer zu werden, muss er nun natürlich noch zeigen, dass er nicht nur als Nachbearbeiter überzeugen, sondern auch eigenständige Tracks produzieren kann. Ein erstes Album sei bereits in Arbeit und soll im Herbst erscheinen.

Ist eine weltweite Superstar-Karriere a la Avicii oder Calvin Harris das Ziel? Cool genug sieht er ja aus, der große Blonde mit der schwarzen Sonnenbrille und der langjährigen Osnabrücker Freundin, die er auch schon mal öfter gesehen hat ("Im Juli bin ich nur fünf Tage zu Hause") als im Moment. "Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht", sagt Schulz und zeigt den Ansatz eines Grinsens. "Ich habe nicht unbedingt das Ziel, in diese Superstar-Riege aufzusteigen. Aber abgeneigt ist man sicherlich nicht."

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Quelle: n-tv.de