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"Meine gesamte Karriere hat ihre Wurzeln im Soul", sagt Blige.
"Meine gesamte Karriere hat ihre Wurzeln im Soul", sagt Blige.(Foto: Universal Music)
Sonntag, 30. November 2014

Mary J. Blige singt fremd: "Der beste Soul kommt aus London"

"The London Sessions" ist kein gewöhnliches Album von Mary J. Blige. Die US-Amerikanerin lebte nicht nur in London, sie lud auch britische Musiker wie Sam Smith, Disclosure, Emeli Sandé und Naughty Boy ins Studio ein. So treffen Singer-Songwriter, Dancepop und Rap auf Soul und R&B. Kein Problem für die 43-jährige Blige, die bereits den Hip-Hop-Soul erfand. Was sie an London am meisten faszinierte, war die künstlerische "Meinungsfreiheit", wie sie selbst sagt. Mit n-tv.de spricht sie außerdem über Selbstzweifel und Hoffnung, Seelenverwandtschaft mit ihren aktuellen Mitstreitern und ihr Treffen mit dem Vater von Amy Winehouse.

n-tv.de: Einige Songs des neuen Albums wie "Therapy" oder "Doubt" klingen recht düster. Geht es Ihnen gut?

Mary J. Blige wurde 1971 in New York geboren.
Mary J. Blige wurde 1971 in New York geboren.(Foto: Universal Music)

Mary J. Blige: Sie müssen sich keine Sorgen um mich machen. Für mich bedeutet Therapie, Sport zu treiben, joggen zu gehen, gute Musik zu hören - alles, wodurch es einem besser geht.

Aber es geht da nicht um fröhliche Themen. "Doubt" erzählt davon, Opfer zu bringen und Freunde zu verlieren. Denken Sie oft über die Schattenseiten des Ruhmes nach?

In "Doubt" geht es darum, eigene Zweifel zu bekämpfen. Wir alle haben ständig Selbstzweifel. Um dahin zu gelangen, wo du hin willst, verlierst du Menschen, die nicht denselben Weg verfolgen. Aber du besiegst die Stimmen in deinem Kopf, die sagen: Du wirst das niemals schaffen. "Doubt" ist für mich ein sehr aufbauendes Lied.

Und die schlechten Jahre, auf die "Whole Damn Year" zurückblickt?

In allen meinen Songs liegen Hoffnung und Genesung. Davon handelt auch "Whole Damn Year": Ich werde wieder aufgerichtet nach dem Leid und Schmerz, den ich durchgemacht habe. Ich möchte nie einen Song machen, in dem es darum geht, festzustecken. Ich will Lieder machen, die Menschen einen Ausweg aufzeigen.

Aktuell haben Sie also keine Sorgen?

Natürlich, ich bin ein Mensch, ich habe Sorgen. Und ich bin mir sicher, Sie auch. Aber am Ende des Tages werden wir stark sein und nicht zulassen, dass unsere Ängste unser Leben bestimmen. Es gibt immer Auf und Abs. So ist das Leben.

Für "The London Sessions" sind Sie einige Wochen tief in die Musikszene dort eingetaucht. Warum war London die perfekte Stadt für Ihr neues Album?

Meine gesamte Karriere hat ihre Wurzeln im Soul - und der beste Soul kommt aus London. Ich wollte aber auch meine musikalischen Grenzen erweitern und über das hinausgehen, was meine Fans von mir zu hören gewohnt sind. Nachdem ich längere Zeit in London verbracht, Radio gehört und mir unterschiedliche Künstler angesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass Künstler dort die Freiheit haben, sich genau so auszudrücken, wie sie es wollen.

Inwiefern sind Musiker in London freier als in News York?

Jeder tut das, was er liebt und nicht das, was andere um ihn herum machen und was gerade als angesagt gilt. Darin liegt eine große Freiheit. Sam Smith erzählt seine Geschichte. Ed Sheeran erzählt seine Geschichte. Amy Winehouse erzählte ihre Geschichte. Sie alle tun das auf ihre individuelle Weise. Das ist großartig, das ist Meinungsfreiheit, ich liebe es.

Stichwort Amy Winehouse: Sie haben sich an ihrem dritten Todestag mit ihrem Vater Mitch getroffen. Warum wollten Sie ihn kennenlernen und wie war die Begegnung?

"The London Sessions" ist bei Capitol (Universal) erschienen.
"The London Sessions" ist bei Capitol (Universal) erschienen.

Amy war eine der besten Sängerinnen, die es je gab. Ich bin ein riesiger Fan von ihr, sie war so besonders. Sie teilte ihre Geschichte mit der ganzen Welt. Sie war eine Kriegerin, sie berührte jeden. Ich hatte zwar niemals die Gelegenheit, sie persönlich zu treffen, aber das war immer mein Wunsch. Ich habe ihrem Vater gesagt, wie großartig ich seine Tochter fand.

Sie wollten während der Arbeit an "The London Sessions" auch die Perspektive der dortigen Musikszene einnehmen. Wo haben Sie sich dazu überall rumgetrieben?

Die Arbeit im Studio hat so viel Spaß gemacht, dass es zwar Arbeit war, aber ich die beste Zeit dort hatte. Und ansonsten war ich in Parks und meinen Lieblingsrestaurants.

Ihre Songtexte sind meist sehr offenherzig. Sind die anderen Musiker bei der Zusammenarbeit mit Ihnen damit gut zurechtgekommen?

Ja, es war unglaublich. Mit Sam Smith zu arbeiten war wie mit mir selbst zu arbeiten, wir waren uns so ähnlich und kamen mit denselben Sachen um die Ecke - unsere Gedanken, unsere Geschichten. Mit Emeli Sandé war es ähnlich. Der Schreibprozess dieses Albums war toll, wir hatten alle so viel gemeinsam und wollten dasselbe erzählen.

Was ist für Sie das Wichtigste beim Songschreiben?

Ich bin vorsichtig mit dem, was ich schreibe und singe. Ich gehe sicher, dass ich meine, was ich sage. Ich vergewissere mich, dass ich niemanden verletze. Das lässt sich nicht immer vermeiden, manchmal gefällt Leuten etwas, manchmal nicht. Was dieses Mal durch die Zusammenarbeit mit den anderen Musikern anders war: Ich habe mich außerhalb meines Genres bewegt. Die Musik ist anders als alles, was ich bisher gemacht habe.

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Mit Mary J. Blige sprach Nadine Emmerich.

Quelle: n-tv.de

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