Musik

Für immer und ewig Groß, größer, Queen

Queen - Pressebilder - CMS Source.jpg

Geradezu feminin, der Kleidungsstil. Brian May, John Deacon, Roger Taylor und Freddie Mercury ohne Schnurbart (v.l.).

(Foto: Universal)

Seien wir doch mal ehrlich: Muss/darf man 36 Queen-Songs im Loveletter-Modus, inklusive dreier bis dato unveröffentlichter Tracks rezensieren? Nein, sicher nicht. Muss/darf man ein derartiges Mammutpaket bedingungslos abfeiern? Man darf. Mehr noch: Man muss!

Über 300 Millionen verkaufte Tonträger, weit mehr als 700 begeisternde Live-Auftritte und eine Liste von inspirierten Nachfolge-Showgrößen, die in etwa so lang sein dürfte wie der rote Teppich einer Oscar-Verleihung: Queen gehören definitiv zu den größten Rockbands aller Zeiten. Mich haben Queen früher allerdings nie sonderlich berührt. Sicher, Song-Meilensteine wie "We Are The Champions" oder "Bohemian Rhapsody" schallten auch bei mir zu Hause hin und wieder aus den Boxen. Doch hinter der pompösen Hit-Front konnte sich nur selten ein Song der Briten innerhalb meiner vier Wände behaupten.

Woran das lag? Keine Ahnung. Wahrscheinlich war ich als langhaariger Fan von Bands wie Metallica, Slayer und Co einfach zu engstirnig und nicht empfänglich genug für harmoniegeschwängerte Bombast-Rock-Kost. Erst als ich am Ostersonntag des Jahres 1992 - wie Millionen andere - vor der Glotze saß und meinen damaligen Heroen James Hetfield und Axl Rose dabei zusah, wie sie das Erbe von Freddie Mercury auf der Bühne des Londoner Wembley-Stadions gen Himmelszelt rockten, ging mir ein Licht auf.

Queen - Pressebilder - CMS Source (1).jpg

Gruppenbild mit Hund - und Eierkneiferhosen.

(Foto: Universal)

Seitdem ist das Vermächtnis des fünf Monate zuvor verstorbenen Queen-Frontmanns für mich unantastbar. Eine kurze Geschichte mit großer Wirkung – zumindest für mich, der sich dieser Tage voller Stolz das mittlerweile siebte Greatest-Hits-Compilation-Werk der Band ins CD-Regal stellen wird.

Warum noch eine Queen-CD?

Aber warum nur? Die Frage nach dem Sinn der Anschaffung von "Queen Forever" ist oberflächlich betrachtet natürlich mehr als berechtigt; schließlich stehen den gerade mal drei wirklich neuen Songs sage und schreibe 33 bereits veröffentlichte Tracks gegenüber. Diese wurden standardmäßig auf den neuesten Stand der Sound-Technik gebracht und hier und da ein bisschen aufpoliert. Spannend klingt sicherlich anders. Dennoch: "Queen Forever" verdient sich jeden einzelnen benötigten Quadratzentimeter in meinem CD-Schrank, was in erster Linie an der grundsätzlichen Magie eines Queen-Albums in Originalbesetzung liegt.

Diese einzigartige Melange aus zuckersüßem Pop, kraftvollem Rock, pompösen Klassik-Anleihen und immer wieder aufs Neue betörenden Gesangsdarbietungen lassen das Herz eines mittlerweile nach allen Seiten offenen Musik-Liebhabers wie mir vor Freude im Dreieck springen. Und dass dem Ganzen dann auch noch ein Love-Songs-Konzept zugrunde liegt, welches selbst meiner Gemahlin begeistertes Händeklatschen entlockt, macht die ganze Sache nur noch runder.

Rock-meets-Pop der Extraklasse

Geht das hier eigentlich noch als Rezension durch? Sollte man nicht…? Nein, sollte man nicht. Man muss auch nicht explizit auf die drei "neuen" Songs eingehen, wobei der Song "Love Kills" - in einer etwas flotteren Version als hier - jedem Queen-Anhänger bereits bekannt sein dürfte. Selbst das ach so heißersehnte Duett von Michael Jackson und Freddie Mercury ("There Must Be More To Life Than This") muss sich letztlich dem Zauber des Ganzen geschlagen geben. Eine durchaus nette Ballade, etwas zu voluminös instrumentiert vielleicht, aber dennoch jede Sekunde des Hörens wert.

Auch die beiden anderen "neuen" Kandidaten ("Let Me In Your Heart Again", "Love Kills") präsentieren sich in standesgemäßer Fülle und Schönheit. Ragen sie aber heraus? Bilden sie gar die Speerspitzen des Albums? Nein, das tun sie nicht. Müssen sie aber auch nicht. Es sind schlicht und einfach Queen-Songs. Und da Queen – das weiß ich spätestens seit dem erwähnten Ostersonntag des Jahres 1992 – kein Füllmaterial vom Stapel lassen, herrscht im Hause Butterweck nach 174 Minuten Rock-meets-Pop der Extraklasse – wen wundert's – vollste Zufriedenheit.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema