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Deep Purple neu aufgelegt Ich denk' mir dann halt: Fuck you!

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Die Rock-Opas von Deep Purple sind nicht totzukriegen. Selbst nach 46 Jahren denkt die einflussreiche Hardrock-Band gar nicht daran, in Rente zu gehen. Die Konzerte sind immer noch ein Erlebnis. Nun werden zwei Live-Klassiker der Engländer neu aufgelegt.

Das Riff kennt jeder. Es ist so einfach, dass selbst Menschen, die gar nicht Gitarre spielen können, die Akkordfolge auf einer Saite hinbekommen. Gerade die Schlicht- und Eingängigkeit des Riffs machte aus "Smoke On The Water" einen Jahrhundertsong und Deep Purple zu den einflussreichsten Hardrock-Bands aller Zeiten. Seit 1968 gibt es die im englischen Hertford gegründete Gruppe. Ihre größten Erfolge haben Deep Purple schon hinter sich, aber sie waren stets präsent, selbst nach ihrer zwischenzeitlichen Auflösung. Und noch immer füllen Ian Gillan, Ian Paice und Co. die Konzertsäle und sind ständiger Gast auf den großen Rock-Festivals.

Geht es nach Sänger Gillan, bleibt dies auch so. An ein Karriere-Ende denkt der 68-Jährige nicht. "Wir wurden schon Altrocker, Rockrentner und Dinosaurier genannt", sagte er. "Das halte ich aus, ich habe ein dickes Fell." Für die Kritik an seinen Auftritten im Seniorenalter hat Gillan sogar Verständnis, wie er dem Magazin "Cicero" sagte: "Ich verstehe das natürlich, wenn Jüngere sagen: 'Geh zur Seite, Opa! Stirb endlich!' Ich denk mir dann halt: Fuck you."

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Deep Purple: Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Ian Paice und Jon Lord, der 2012 verstarb. (v.u.l. im Uhrzeigersinn)

(Foto: picture alliance / dpa)

Einen Abgang von der Bühne kann und will er sich gar nicht vorstellen: "Die Live-Konzerte sind das, was Deep Purple ausmacht." Und weil die Spielfreude und die Improvisations-Kunst der Hardrocker legendär sind, werden dieser Tage gleich zwei Live-Alben neu aufgelegt. Die nachwachsende Generation rockbegeisterter Kids soll schließlich weiterhin Zugang zu der stilprägenden Musik der 1970er-Jahre haben.

Was bleibt, ist Rauch

Das Live-Album "Made in Japan" gilt als eines der besten aller Zeiten. Die brillante Version von "Smoke On The Water", die Wucht, die sich bereits beim Opener "Highway Star" entfaltet, oder das virtuose Duell Gitarre gegen Gesang bei "Strange Kind Of Women" sind legendär. Als die Band am 9. März 1972 im Paris Theatre in der Lower Regent Street in London auf die Bühne ging, befand sie sich auf dem definitiven Höhepunkt ihres Erfolgs. Nachzuhören auf der erstmals auf CD veröffentlichten Version von "In Concert '72", die es bislang nur als Vinyl-Edition gab. "Made in Japan", das zuletzt im Fachblatt "Rolling Stone" auf Platz sieben der besten Live-Alben aller Zeiten rangierte, ist das bekanntere Werk. Doch das  im selben Jahr in London aufgenommene Konzert kann als wiederentdecktes Highlight der Rockgeschichte bezeichnet werden.

Die Klasse der Band lag an ihrem ungewöhnlichen Sound, den der mittlerweile verstorbene Jon Lord an seinem Keyboard entscheidend mitprägte. Auch die außergewöhnliche Virtuosität der Musiker um den Gitarristen Ritchie Blackmore hob die Band etwa von den wesentlich düsterer daherkommenden Jahrgangs-Genossen Black Sabbath ab. Deep Purple landeten 1975 sogar im "Guinness Buch der Rekorde" als lauteste Band des Planeten. Okay, Motörhead und Frontwarze Lemmy Kilmister wurden erst wenig später auf die Musikwelt losgelassen. Zusammen mit Black Sabbath und Led Zeppelin bildeten Deep Purple aber das Fundament für die Musik, die sich später Heavy Metal nannte und Millionen Fans in ihren Bann zog und nach wie vor zieht.

Keine Lust auf Live-Album

Interessanterweise hatten Deep Purple Anfang der 1970er-Jahre gar kein Interesse, ein Live-Album aufzunehmen. "Die Japaner baten uns, ein Live-Album zu machen. Wir antworteten, dass wir nicht an Live-Alben glauben und auch nicht vorhatten, eines zu machen", erinnerte sich der Mitbegründer Lord einmal. Dass sie es doch taten, erwies sich wie schon erwähnt als Glücksfall. Musik-Experten wollen sogar festgestellt haben, dass dem Klassiker das gestörte Verhältnis zwischen Sänger Gillan und Gitarren-Diva Blackmore anzuhören ist. Die Band ist für ihre Instrumenten-Duelle und Improvisations-Orgien auf der Bühne berühmt. Gillan behauptete einmal - wahrscheinlich mehr im Scherz -, dass er bei einem ausufernden Solo von Blackmore die Bühne verlassen habe und in ein nahe gelegenes Pub gegangen sei. "Die beiden waren sich einig, sich nicht ausstehen zu können", bemerkte Lord einst trocken.

Ein Nachteil war diese angespannte Atmosphäre auf der Bühne nicht. Metallicas Schlagzeuger Lars Ulrich, der sich dafür einsetzt, dass Deep Purple in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen wird, wurde als Neunjähriger von seinem Vater auf eine Show der Band mitgenommen. "Dafür bin ich ihm noch heute dankbar", sagte Ulrich.

Die Unstimmigkeiten innerhalb der Band führten allerdings dazu, dass Sänger Gillan seinen Ausstieg im Oktober 1972 verkündete und im Juni 1973 die Band verließ. Nur einen Monat später folgte Bassist Clover. Der purpurne Glanz der Anfangsjahre war vollends abgeblättert, als sich Blackmore im April 1975 verabschiedete. Ein Jahr darauf löste sich die Band dann vollends auf. Das bedeutete aber nicht das endgültige Aus: 1984 erfolgte die Wiedervereinigung Deep Purples.

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Quelle: n-tv.de

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