Musik

Holocaust und Analverkehr K.I.Z. kennen kein Tabu

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Willkommen in der Hirn-Chirurgie: K.I.Z.

Christoph Voy / Universal Music

Achtung, Achtung! Explicit Content! Eigentlich müssten wir diesen Text mit einem entsprechenden Aufkleber versehen. Denn er enthält Ausdrücke, Fäkalsprache und viel schwarzen Humor. Alles also, wofür die Fans K.I.Z. lieben. Wir treffen Maxim, Nico und Tarek von dem Rap-Quartett - natürlich - in Berlin-Kreuzberg, im Lokal "Edelweiß" im Görlitzer Park. Später stößt auch der Vierte im Bunde, DJ Craft, dazu. Und siehe da: Auch wenn K.I.Z. ihr neues Album "Urlaub fürs Gehirn" nennen, ist das n-tv.de Interview mit ihnen alles andere als hirnlos.

n-tv.de: Wir sind hier im schönen Kreuzberg - der Berliner Stadtteil, der ein ums andere Mal auch in euren Texten vorkommt. Was ist euer konkreter Bezug zu Kreuzberg? Wohnt ihr alle hier?

Maxim: Ja.

Nico: Ich weiß nicht mehr genau, was das ist, wo ich da wohne.

Maxim: Neukölln, oder?

Nico: Nee, ich bin in Kreuzberg. Auf der anderen Straßenseite ist Neukölln.

Na ja, wer hip sein will, muss doch derzeit eigentlich eh nach Neukölln …

Nico: Ja, vielleicht zieh' ich auch bald auf die andere Straßenseite. Mal gucken …

Maxim: Kannst ja mal behaupten, dass Du Dich vom Taxifahrer immer auf die andere Straßenseite fahren lässt.

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Längst sind K.I.Z. eine feste Größe im deutschen Hip-Hop.

(Foto: Bernd Jaworek)

Ihr seid gerade bei Rock am Ring aufgetreten. Da solltet ihr 2007 schon einmal spielen, wurdet dann aber ausgeladen - wegen eurer Texte, wie es hieß. Wie ist es denn, auf einem Festival zu spielen, bei dem man bis vor Kurzem noch unerwünscht war?

Nico: Im Endeffekt waren wir damals unerwünscht, weil der Sponsor von der Bühne das nicht wollte. Das war Yamaha oder Mitsubishi oder irgendwie so was. Ich glaube allerdings, dass auch die Booker von Rock am Ring vorher nicht so ultraheiß auf uns waren. Aber irgendwie hatten wir jetzt Glück, dass Pete Doherty auf Crack ist (K.I.Z. sind als Ersatz für Pete Doherty kurzfristig eingesprungen, Anm. d. Red.) und konnten denen zeigen, dass es was bringt, wenn wir gebucht werden.

Trotzdem sind eure Texte für viele sicher weiterhin starker Tobak. Hattet ihr eigentlich noch nie Stress mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien?

Maxim: Doch.

Wurden Sachen von euch indiziert?

Maxim: Nee, man kann ja alles noch kaufen.

Wie sahen dann eure Erfahrungen mit der Bundesprüfstelle konkret aus?

Maxim: Das ist wie eine Art Verhandlung. Es ist keine wirkliche Gerichtsverhandlung, weil Du am Ende, auch wenn Du den Prozess gewinnst, Deine Kohle nicht wiederkriegst. Aber es läuft ungefähr so ab: Man geht da hin, man spricht vor, und es werden Für- und Gegenargumente dargestellt. Am Ende wird von diesem Gremium bestimmt, ob indiziert wird oder nicht.

Wie habt ihr es mit Euren Texten bisher geschafft, der Indizierung zu entgehen?
Maxim: Ein Rechtsanwalt ist eine klasse Sache. Zudem braucht man erst mal einen kleinen Batzen Geld. Und man muss sich da halt als netter Schwiegersohn präsentieren.

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Die Fleischeslust ist den Jungs keinesfalls fremd.

(Foto: Universal Music)

Die derbe Sprache ist das eine in euren Texten - Kritik an Thilo Sarrazin, Gentrifizierung, Hartz IV oder Bankern jedoch das andere. Wir lehnen uns mal weit aus dem Fenster und behaupten, dass K.I.Z. eigentlich zutiefst politische Rapper sind …

Tarek: Nicht unbedingt. Das ist natürlich in manchen Songs mit drin, dass politische Sachen durch die Blume angesprochen werden. Aber eigentlich ist das nicht unser Programm, die ganze Zeit durch das Hintertürchen die Gesellschaft zu kritisieren. Gerade auf dem neuen Album sind auch viele Songs, die einfach nur in die Fresse klatschen und Spaß machen sollen.

Maxim: Das ist, wie wenn man an einem Abend mit Freunden zusammensitzt. Da redet man halt über Politik und über …

Nico: … Frauen …

Maxim: … Autos und Fußball. Das passiert einfach. Aber wir haben uns nie vorgenommen, politisch zu sein.

Aber gerade bei dir, Maxim, fällt oft Sozialkritik in den Texten auf - sei es etwa beim Solostück "Abteilungsleiter der Liebe" auf dem aktuellen Album oder in Deinem Part bei "Selbstjustiz" auf dem Vorgänger "Sexismus gegen Rechts". Dahinter verbirgt sich doch eine Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen …

Maxim: Ja, schon, aber ich denke, das ist bei uns allen Drei so. Es ist ja in der Kunst nur immer die Frage, wie man das vernünftig einfließen lässt. Ich halte nichts davon, das rein programmatisch zu machen und zu sagen: Das sind die Lösungsansätze, alle mir nach.

Dazu passt dann auch ganz gut, dass ihr - Maxim und Nico - eure Kandidatur für "Die Partei" von Chefsatiriker und Ex-"Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn angekündigt habt. Habt ihr eine Botschaft, mit der ihr in den Berliner Wahlkampf zieht?

Maxim: Oh ja, eine ganze Menge - zum Beispiel die endgültige Teilung Deutschlands, ein atomares Endlager im Prenzlauer Berg oder die Limitierung des Wahlalters auf 50. Wählen ist ja ungefähr wie Sex, deswegen sollte das Wahlalter auf die Zeit begrenzt werden, in der man Sex hat. Eine genauso wichtige Sache ist natürlich kein Sex vor der Schwangerschaft. Und ich habe von Liss C. Werner (Berliner Generalsekretärin von "Die Partei", Anm. d. Red.) gerade noch was Neues gehört: Alle Straßenlaternen sollen durch Japaner ausgetauscht werden, weil die so schön strahlen.

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Das Cover zum neuen Album "Urlaub fürs Gehirn" gibt es in vier Versionen - mit Nico, ...

(Foto: Universal Music)

Also auch hier: Satire statt Programmatik. Müssen sich politische Botschaften hinter Satire verstecken, damit sie massentauglich und für Jugendliche interessant sind?
Nico: Nein, ich glaube, man kann auch politische Musik interessant machen. Dazu braucht es nicht unbedingt Satire. Anders herum glaube ich auch nicht, dass wir großartig etwas verstecken, um es für Jugendliche interessant zu machen. Nimm zum Beispiel "Biergarten Eden": Der Text "Den Juden das Geld und den Schwarzen die Mädels, weil wir brauchen nur unseren Spargel aus Beelitz" ist wortwörtlich genommen für Jugendliche wohl kaum attraktiv.

Um über eure Texte zu lachen, braucht es viel schwarzen Humor. Worüber könnt ihr selbst eigentlich lachen?

Nico: Katt Williams (US-Komiker, -Schauspieler und -Rapper, Anm. d. Red.) und Volker Pispers sind witzig.

Tarek: Ich finde viele Sachen lustig, die eigentlich traurig und abscheulich sind. Wenn zum Beispiel im Fernsehen Sachen dramatisch aufgebauscht werden wie gerade das EHEC-Virus. Darüber kann man herzhaft lachen. Und dieses Selbstdarstellen von Promis ist auch todeslustig …

Maxim: Der "Spiegel" ist zum Beispiel extrem witzig. Da gab es doch mal dieses Cover mit dem Fingerhakeln: Welche Religion ist stärker - Islam oder Christentum? Das war großartig lustig. Es gibt bei uns öfter die Situation, dass jemand etwas aus dem "Spiegel" vorliest und Nico dann meint: Haha, die "Titanic" ist wieder mal klasse. Die Wirklichkeit ist meistens noch viel, viel lustiger als Satire. Da fällt mir ein: Tiere finde ich auch sehr lustig. Geht mal in den Zoo und guckt Euch Lamas beim Kauen an.

Tarek: Fett einen kiffen und dann zum Affengehege.

Egal, ob ihr euch selbst als politische Band seht oder nicht - als Hip-Hop-Band hat man grundsätzlich ein Vermittlungsproblem, wenn man mit der Industrie gemeinsame Sache macht. Ihr seid jetzt endgültig komplett bei Universal gelandet, also einem großen Major-Label. Darauf geht ihr im Song "Küss mir den Schwanz" auch ein. Ich höre schon die ersten "Verrat" rufen …

Tarek: Das ist jetzt unser drittes Album bei einem Major Label. Bei denen, die jetzt "Verrat" rufen, frage ich mich, was sie die letzten vier Jahre gemacht haben.

Aber bei euren vorherigen Alben war es nur eine Kooperation des Hip-Hop-Labels Royal Bunker mit Universal …

Tarek: Es wird immer Leute geben, die sagen: Euer vorheriges Album war besser. Das hat auch mit dem Bekanntheitsgrad zu tun. Man kann es nicht allen recht machen. Ich glaube trotzdem, dass wir noch immer einen hohen Anspruch an unsere Texte stellen und diese durch Universal nicht zahnloser geworden sind.

Maxim: Ich glaube, dieses "Früher war es besser" ist auch deswegen typisch, weil man Musik oft mit einer guten Zeit, die man hatte, verbindet. Ich habe auch mal gesagt: Boah, das allererste Bushido-Album war so toll. Oder das erste Sido-Album und Die-Sekte-Sachen. Aber höre ich mir das jetzt an, denke ich mir: Okay, der rappt heute schon um Einiges besser. Das will man vielleicht nur ungern zugeben, weil man das mit so einem Nostalgie-Erlebnis verbindet.

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... Maxim, ...

(Foto: Universal Music)

Wie würdet ihr denn den Zustand der deutschen Rap- und Hip-Hop-Szene beschreiben? Zumindest was die Labels  angeht, gab es ja ein ziemliches Sterben in den vergangenen Jahren. Nicht nur Royal Bunker, auch Aggro Berlin ist tot …

Tarek: Aber Rap ist auf keinen Fall tot. In den Medien wird das ja oft ein bisschen lächerlich gemacht und schlecht dargestellt. Viele distanzieren sich jetzt auch vom Rap, weil sie über 30 sind und werden zu Liedermachern oder so. Aber im Endeffekt ist die deutsche Rap-Szene im Moment total breitgefächert. Es gibt für jeden Geschmack etwas. Egal, ob man Straßen- oder Gangsta-Rap, ein bisschen lustigere oder eher politische Sachen hören möchte - man findet in jeder Sparte drei, vier richtig gute Künstler, die man sich raussuchen kann.

Die Namen von zwei Künstlern sind ja bereits gefallen: Sido und Bushido …

"Apropos Bushido", wirft einer aus der Runde plötzlich ein. Schließlich kommt in diesem Augenblick gerade DJ Craft mit an den Tisch. Und ja, es stimmt, seine Frisur ist der von Bushido nicht ganz unähnlich.

Also: Sido und Bushido. Bei deren Texten kann anders als bei euch von Satire eigentlich keine Rede sein. Wie steht ihr dazu? Mit Sido habt ihr ja schließlich auch zwei Songs aufgenommen …

Maxim: Ich höre gerne ernste Musik. Ich höre gerne Rammstein. Und auch Bushido - heute vielleicht nicht mehr so, aber früher. Und Sido finde ich einen wirklich sehr guten Künstler.

Anders gefragt: Könnt ihr Bushido tatsächlich ernst nehmen?

Maxim: Ja, die Aussagen an sich kann man schon ernst nehmen, finde ich. Das heißt ja nicht, dass ich immer denke, dass er genau das tut, was er da zum Ausdruck bringt. Und ich kann die Aussage am Ende auch Scheiße finden.

Tarek: Ich würde einfach nur jedem empfehlen, bei den einzelnen Künstlern richtig hinzuhören und nicht nur zu sagen: Bäh, der ist schwul oder ein Möchtegern oder was weiß ich was. Rap-Fans sind sehr engstirnig, anstatt sich locker zu machen und dann mal den einen Song von Bushido, dann den von Casper und dann den von K.I.Z. zu hören. Das ist viel gesünder.

Maxim: Die Leute wenden sich immer sehr wenig den Inhalten zu, die die Leute in ihren Texten haben. Da heißt es dann: Oh, der ist nicht "real", der ist ja gar nicht wirklich Ghetto. Anstatt einfach zu sagen: Okay, ist das jetzt Scheiße, was er macht, oder nicht?

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... Tarek ...

(Foto: Universal Music)

Aber gerade ihr überzieht doch in Euren Texten die Klischees von deutschem Gangsta-Rap derart stark, dass es einem schwerfällt, sich ernsthaft darauf einzulassen …

Nico: Doch, das kann man schon machen. Es gibt schon Leute, die auf jeden Fall gute, ernsthafte Gangsta-Sachen schreiben. Das muss jetzt nicht unbedingt damit zu tun haben, dass sie besser zehn Mütter auf einmal ficken können als wir. Das gibt es, glaube ich, nicht. Aber das ist ja auch nicht unbedingt gleichbedeutend mit Gangsta- oder Straßen-Rap. Dass ich mich über gewisse Dinge lustig mache, hat mir das jedenfalls nicht kaputt gemacht - ich kann mir trotzdem noch Gangsta-Sachen anhören und die cool finden.

In Berlin habt ihr ein Konzert ausschließlich für Frauen gegeben. In einem Video kann man hunderte weibliche Fans sehen, wie sie die Textzeilen zu "Doitschland schafft sich ab" mitsingen. "Jedes Kind auf der Welt ist ein Hurensohn. Die Schuld trägt das internationale Busentum", heißt es da etwa, oder "Schießt sie zurück ins All" im Refrain. Was ist das für ein Gefühl, euren weiblichen Fans bei der Selbsterniedrigung zuzusehen?

Nico: (lacht)

Tarek: Na ja, was heißt Selbsterniedrigung?

Maxim: Wir haben auch jeder Frau danach eine Rose geschenkt.

Tarek: Eigentlich haben wir uns alle nur angegrinst - die Frauen uns und wir die Frauen. Wir fanden es alle unfassbar lustig.

Nico: Wenn eine Frau bei dem Song mitsingt, würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass sie sich selbst erniedrigt. Das ist ja krasser Quatsch, den wir da reden.

Tarek: Wir dachten, wir müssen das auch vor Frauen performen, wenn wir sowas rappen. Das ist, wie wenn man Fleisch isst: Da sollte man ja auch mal ein Tier geschlachtet haben, um zu wissen, wie das ist.

DJ Craft: Was sich liebt, das neckt sich, so lässt sich die Stimmung bei dem Konzert eigentlich ganz gut umschreiben.

Was für eine Motivation steckt dahinter, einen solchen Song wie "Doitschland schafft sich ab" zu machen?

Maxim: Ich glaube, das war, weil alle immer gesagt haben, dass wir so nett und antisexistisch sind. Da wollten wir mal was gegen Frauen machen.

Tarek: Und am Ende ist uns aufgefallen, dass das letztlich das Gleiche ist, was Thilo Sarrazin bei Migranten macht - das überzogene Verteufeln.

Das heißt, er sollte analog zu Eurem Frauen-Konzert demnächst mal eine Lesung nur vor Migranten machen …

Tarek: Nein, eigentlich soll der Typ sich aufhängen gehen.

Nico: Das unterschreibe ich so.

Maxim: Genau!

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... und DJ Craft.

(Foto: Universal Music)

"Satire darf alles", erwidert ihr auf Kritik an euren gewaltverherrlichenden und frauenverachtenden Texten. Ist wirklich alles erlaubt?

Die Kellnerin kommt an unseren Tisch und verspricht eine Runde Getränke aufs Haus. "Die Küche lädt euch ein", sagt sie und erklärt, dass der Küchenchef ein totaler Fan von K.I.Z. sei. Also müssen die Jungs im Gegenzug versprechen, nach dem Interview doch bitte, bitte mal in der Küche vorbeizuschauen. Doch erst einmal machen wir hier weiter ...

Gibt es keine Tabus?

Nico: Doch, für mich ist es zum Beispiel ein Tabu, auf Leuten rumzuhacken, die das nicht verdient haben. Aber ich kann jetzt nicht sagen: Ich rapp' nicht über den Holocaust oder so. Oder ich rapp' nicht über … (überlegt) Analverkehr. So ein Tabu gibt es für mich nicht.

DJ Craft: Ein Tabu bei uns ist auch: Es darf keiner was gegen Tarek sagen.

(Allgemeines Gelächter)

Das heißt: Frauen und Mütter haben euch irgendwas mal angetan, dass sie es immer wieder so hart von euch abkriegen?

Maxim: Ja, auf jeden Fall. Solange die Erziehung hauptsächlich von Frauen ausgeht, sind sie natürlich schuld. Und kriegen es dann auch ab.

Befürchtet ihr nicht, dass manche Fans von euch solche Aussagen vielleicht ernster nehmen, als ihr sie meint, und ihr Frauenbild daran ausrichten?

Tarek: Es kann natürlich sein, dass jemand das irgendwie in den falschen Hals bekommt und deswegen auf Frauen herabblickt. Aber eigentlich glaube ich nicht, dass das der Fall ist. Schließlich ist bei uns schon immer sehr viel Witz dabei. Wir machen auch Liebeserklärungen an Frauen, bei denen wir uns vor ihnen lächerlich machen. Außerdem sind wir nicht verantwortlich dafür, wie jemand aufgewachsen ist und welchen geistigen Zustand er hat.

Nico: Ich glaube nicht, dass jemand, der eigentlich ein gesundes Frauenbild hat und vorher nett zu Frauen war, wegen uns plötzlich unfreundlich zu Frauen wird - selbst wenn er unsere CD zwei Jahre durchgehört hat.

Werden K.I.Z. irgendwann erwachsen, kehren dem Fäkalhumor den Rücken und vollziehen die komplette Wendung zum ernsthaften politischen Rap?

Nico: Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Zumindest nicht bei mir. Ich lache sehr gerne über solche Sachen. Ich lache sehr gerne über Kacke-Witze und Furz-Witze. Das tut unser Punk-Berater und Tourmanager Archi (Archi Alert, Anm. d. Red.) auch immer noch. Und der ist schon weitaus älter als wir. Ich hoffe, dass ich auch so schön ausgeglichen, jung, frisch und lustig bleibe wie er.

Tarek: Ich schließe das überhaupt nicht aus. Ich finde das sehr interessant. Ich bin eh offen für so manches …

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Ab in die Anstalt? Das aktuelle Album von K.I.Z. ist seit 3. Juni 2011 erhältlich.

(Foto: Christoph Voy / Universal Music)

(Allgemeines Gelächter)

Tarek: Ich würde auch mal 'nen fetten Schwanz blasen oder ein Tier wegficken … Nein, also, ein ernstes Album fände ich schon sehr interessant. Aber eine 180-Grad-Wende wird es sicher nicht geben. Das wird eher so ein fließender Übergang.

DJ Craft: Ich bin auch für eine Ausgangssperre für Menschen ohne Humor. Die dürfen nicht mehr raus und müssen zu Hause bleiben.

Maxim: Es ist ja auch so: Die Leute sehen einen als Künstler und denken immer, man könne alles. Es gab da auch mal so eine alte Dame, die im Immobilienbereich beschäftigt ist und mir erzählen wollte, dass ich doch Englisch rappen sollte. Das wäre doch ein viel größerer Markt. Was ich damit sagen will: Die Leute denken, man könnte plötzlich alles. Aber ich weiß nicht, ob ich auf Dauer ernsthafte Alben in der gleichen Qualität wie unsere jetzigen Sachen machen könnte. Da muss man aufpassen, dass man sich selbst nicht fehleinschätzt.

Euer Album "Hahnenkampf" ist bis auf Platz 9 der Charts gegangen, "Sexismus gegen Rechts" bis auf Platz 7. "Urlaub fürs Gehirn" steigt vielleicht noch höher. Ist euch der Charts-Erfolg wichtig?

Maxim: Ich freu' mir auf jeden Fall einen Ast. Ich habe gestern einen Film gesehen, der hieß "Das Genie und der Wahnsinn" - von irgendwelchen Ex-Dogma-Leuten. Darin geht es auch um einen Regisseur, der für seinen Film extrem gute Kritiken kriegt. Aber keiner guckt sich den Film an. Als ihm das jemand sagt, verteidigt er sich: Ja, aber die Kritiken waren richtig gut. Als ihn dann einer auf eine weniger gute Kritik hinweist, meint er: Ja, wir wollen jetzt ja nicht alles auf die Kritiken reduzieren. Also: Wenn es gut wird, freuen wir uns. Wenn nicht, dann sagen wir, dass es nicht wichtig ist.

Mit K.I.Z. sprachen Till Schwarze und Volker Probst

Quelle: n-tv.de