Musik

"Konzentriere mich nur auf mich" Taylor Swift schlägt neue Töne an

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Nicht mehr Country - sondern Pop!

(Foto: imago/China Foto Press)

Es ist viel los auf dem Korridor im Park Hyatt Hotel in Hamburg. Denn hinter einer der Türen befindet sich Taylor Swift. Die Sängerin und Songwriterin aus Nashville ist mit zwei Dutzend Leuten angereist, die sich alle um ihr Wohl und den Erfolg ihres neuen Albums "1989" kümmern sollen. Das Werk soll sie vom Country-Superstar zum globalen Popstar machen. Charmant und entspannt begrüßt uns Swift in einem kurzen, weißen Häkelkleid. Rasch wird deutlich: Sie ist mehr als nur hübsch.

n-tv.de: Mrs. Swift, Ihr Album haben Sie "1989" genannt, entsprechend Ihrem Geburtsjahr. An die deutsche Wiedervereinigung haben Sie dabei vermutlich weniger gedacht, oder?

Taylor Swift: Nicht primär, aber ich weiß natürlich, was für ein besonderes Jahr das für die Deutschen war. Die späten Achtziger waren generell eine Zeit der Befreiung, des gesellschaftlichen Wandels und der Rebellion gegen die Norm. Die Leute wurden sich klar über ihre Möglichkeiten und darüber, wer sie sind. Sie lernten, ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Von diesem Gedanken ist viel auf meiner Platte.

Wo denn zum Beispiel?

Da muss man sich nur mal die Single "Shake It Off" anhören. Ich gehe mal davon aus, dass ihr Deutschen nach der Wiedervereinigung auch einiges abzuschütteln hattet, wie Probleme und Vorbehalte zum Beispiel.

Es heißt, Sie haben sich von Musikern der Achtziger-Dekade beeinflussen lassen. Welche sind das?

Madonna brachte 1989 "Like A Prayer" heraus - für mich einer ihrer besten Songs. Ich liebe Peter Gabriel. Sinéad O'Connor und die Eurythmics gehören zu den Acts, von denen ich regelrecht besessen war. Aber ich finde auch den Klang von A Flock Of Seagulls toll - die waren ihrer Zeit so was von voraus. Das sind Sounds, die ich in der heutigen Poplandschaft nicht oft höre. Mir war es immer schon wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen und anders zu klingen als das Zeug, was man sonst überall im Radio hört. Deshalb freue ich mich auch so über den Erfolg von "Shake It Off".

Aber finden Sie nicht, dass Sie sich damit auch an Kollegen wie Katy Perry annähern?

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Sie will keine Prinzessin mehr sein.

(Foto: imago/Future Image)

Nein. Denn ich weiß, wie meine Fans ticken. Sie wollen nicht das gleiche Album zwei Mal. Sie wollen aber Texte, die klug und originell sind und Bezug zu ihnen haben. Texte mit Zeilen, die sie zitieren können. Und die sind immer noch da. Ebenso wie die mitreißenden Melodien.

Sie haben in Amerika die Countrymusik revolutioniert. Fiel es Ihnen nicht schwer, dem Genre den Rücken zuzukehren?

Nein. Ich konzentriere mich nur auf mich. Ich selbst habe die Veränderung, die ich in der Countrymusik herbeigeführt habe, lange Zeit nicht gesehen. Erst im letzten Jahr, als ich die Vergangenheit mit Abstand betrachtete, habe ich registriert, wie viele junge Menschen heutzutage gesteigertes Interesse an Country haben.

Und das hat doch mit Ihnen zu tun!

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Schön, aber nicht nur schön!

(Foto: imago/UPI Photo)

Ich würde es nicht mal als meinen Verdienst einstreichen, ich war nur Teil dieser Bewegung und habe Aufmerksamkeit auf ein tolles Musikgenre gelenkt. Als ich noch Country machte, habe ich mich auch nie als Erneuerer gesehen. Mein Anspruch war immer nur, bessere Musik zu machen als vorher. Und diesmal will ich bessere Musik als noch vor zwei Jahren machen.

Heißt das auch, Sie würden in Ihren Songs keine Ex-Liebhaber mehr runtermachen? Das trägt man Ihnen ja gerne nach.

Das kann ich nicht versprechen. Auf dieser Platte mache ich jedenfalls niemanden runter. Aber ich finde es interessant, wenn Leute es so hinstellen, als würde ich Songs schreiben, in denen ich mit meinen Ex-Lovern abrechne. Das entwertet es etwas. Ich habe Songs über eine Trennung geschrieben, beide Personen in der Beziehung wurden verletzt, und ich erzähle meine Seite der Geschichte. Und dann liest du in der Presse: "Taylor disst ihren Ex!" Das hört sich so an, als wäre es ein Boxkampf oder so. Ich bin Songwriterin und schreibe Lieder darüber, was in meinem Leben passiert. Und meine Ex-Liebhaber dürfen sich ermutigt fühlen, das auch zu tun. Dir gehört, was dir passiert.

In "Shake It Off" nehmen Sie Ihr Image aber auch selbst aufs Korn. Sie singen darüber, dass die Öffentlichkeit denkt, Sie würden zu viele Typen daten und könnten keinen davon halten. Wie viel Wahrheit steckt in den Zeilen?

Gar keine, zumindest nicht in jüngster Zeit. Denn ich gehe gerade durch eine Phase in meinem Leben, wo ich mich überhaupt nicht danach fühle, mich mit Männern zu verabreden. Es ist anderthalb Jahre her, dass ich einen Typen gedatet habe. Und ich schwöre Ihnen, diese anderthalb Jahre waren die glücklichsten meines Lebens (lacht)!

Wirklich?

Ja, weil es keine Dramen gab! Momentan sind die einzigen Prioritäten meine eigenen. Ich lebe mein Leben nach meinen Vorstellungen. Ich glaube, dass es für eine Frau in den Zwanzigern auch wichtig ist, sich Zeit zu nehmen, um herauszufinden, wer sie eigentlich ist. Dafür muss man auch mal allein sein! Wenn du ständig von einer Beziehung in die nächste stolperst, wird es schwierig, dir über dich selbst klar zu werden.

Angebote hat eine Frau wie Sie vermutlich genügend, oder?

Natürlich! Aber es würde momentan bei mir sowieso nicht funktionieren mit einer Beziehung.

Sie brauchen also keinen Mann mehr!

Ich brauche vor allem von einem Mann keine Bestätigung mehr, dass ich das Richtige tue. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Früher stellte ich Liebe und Romantik über alles, es war das ultimative Ziel im Leben! Auf meinem zweiten Album gab es den Titel "Love Story". Da ging es noch um eine fantastische Liebesgeschichte, um den Wunsch, glücklich bis ans Ende aller Tage mit jemandem zusammen zu sein und wie Prinz und Prinzessin zu leben. Es liegen sieben Jahre dazwischen. Die Art, wie man Liebe mit 17 betrachtet und mit 24 ist schon unterschiedlich. Heute schreibe ich lieber Lieder darüber, dass Männer in der Liebe gequält werden wollen (lacht)!

Mit Taylor Swift sprach Katja Schwemmers

Das Album "1989" ist am 27. Oktober erschienen bei Amazon bestellen

Quelle: ntv.de

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