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Dienstag, 22. März 2011

Alltag in der Notunterkunft: Das provisorische Leben in Japan

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Elf Tage sind vergangen, seit Erdbeben und Tsunami Japan mit nie gekannter Wucht getroffen haben. (Foto: AP)

Elf Tage sind vergangen, seit Erdbeben und Tsunami Japan mit nie gekannter Wucht getroffen haben.

Elf Tage sind vergangen, seit Erdbeben und Tsunami Japan mit nie gekannter Wucht getroffen haben.

Noch immer harren bis zu 350.000 Menschen in Notunterkünften aus.

Das Überleben in den Schutzräumen ist hart.

Es gibt kaum Wasser und Strom, nicht genügend Toiletten, der Kälteeinbruch mit Schneestürmen erschwert die Lage weiter.

Nachts liegen die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Gegen die bittere Kälte versuchen sich die Menschen mit Decken warm zu halten.

Manche verbringen die Nächte mit ihren Familien zusammengedrängt im Auto.

Medikamente und medizinische Versorgung gibt es nicht mehr.

Einige der Zufluchtsuchenden leiden unter Erkältung, Fieber und Übelkeit.

Nachdem zunächst Verletzungen behandelt wurden, die sich die Menschen während der Naturkatastrophe zugezogen hatten, steigt nun die Zahl von Patienten mit Lungenentzündungen, Unterkühlung oder Infektionskrankheiten.

Ärzte und Krankenschwestern bemühen sich darum, die Bewohner zu belehren, sich gegen Krankheiten zu schützen.

Die Naturkatastrophe trifft vor allem alte Menschen hart.

In vielen Städten und Dörfern im Katastrophengebiet leben fast ausschließlich Alte.

Die Jungen sind auf der Suche nach Arbeit weggezogen, ihre Eltern lebten ein bescheidenes Leben in Häusern, die vielfach aus nicht mehr als verkleideten Spanplatten bestanden.

Nun verbringen sie ihre Tage in riesigen Schlafsälen ohne ihre gewohnte Umgebung bei schlechter medizinischer Versorgung und ohne ihre gewohnten Medikamente.

Sie leiden an Bluthochdruck und Diabetes.

Viele von ihnen sind von den Anstrengungen der vergangenen Tage erschöpft.

Die fehlende Privatsphäre macht ihnen zusätzlich zu schaffen.

Weil sich in den meist großen Räumen niemand zurückziehen kann, steigt der Stresspegel ständig.

Sie haben Angehörige und Freunde verloren. Hoffnungen, irgendwann ihr bisheriges Leben wieder aufbauen zu können, machen sich die Alten keine mehr.

Viele bräuchten dringend psychologische Hilfe.

Immerhin ergeht es ihnen besser als den Menschen in einem Altenheim in der Sperrzone um das AKW Fukushima, die von ihren Pflegern hilflos zurückgelassen wurden.

Viele von ihnen hatten Beben und Tsunami überlebt und waren unversorgt erfroren.

Noch gibt es lediglich kleine Fortschritte bei der Versorgung der Opfer in der Unglücksregion mit diversen Hilfsgütern.

So sind Räumfahrzeuge dabei, Zufahrtsstraßen wieder passierbar zu machen. Auch einzelne Autobahnabschnitte sind wieder für den Verkehr geöffnet.

In einzelnen Notlagern funktioniert auch die Wasserversorgung wieder.

Erstmals seit zehn Tagen können sich die Menschen in den Flüchtlingslagern wieder waschen.

In vielen Notunterkünften haben die Menschen begonnen, sich zu organisieren. Sie haben Kinderkrippen und Schulen eingerichtet.

Einige Bewohner reinigen die Toiletten, andere die Gänge und die Schlafräume. Wieder andere kochen.

Es gibt Räume, in denen gespendete Hilfsgüter und Kleider lagern oder wo die Helfer ihre Arbeit koordinieren.

Die ersten Verwaltungen beginnen damit, improvisiert zu arbeiten. Es werden neue Personalpapiere ausgestellt und Renten ausgezahlt.

Suchdienste versuchen Kontakte zwischen Verwandten herzustellen.

Wer kann, kehrt dorthin zurück, wo er einst zuhause war.

Auch wenn dort alles zerstört ist, finden sich möglicherweise noch nützliche Dinge.

Zu den Dingen, die in den Lagern dringend gebraucht werden, gehören Toilettenpapier, Windeln, warme Stiefel, Babymilch und Reis.

Experten für Rettungseinsätze empfehlen den Überlebenden einfache Tricks, um in der Not zurechtzukommen.

So könnten Getränkedosen, aus denen der Boden herausgeschnitten wird, zusammen mit Alufolie und Speiseöl als Campingkocher fungieren. Gas oder Heizöl seien jedoch zu gefährlich, warnen die Experten.

Wer friert, kann sich Papierkügelchen, die in Japan häufig für Verpackungen genutzt werden, unter die Kleidung stopfen.

Die Firma Japan Toilet Labo empfiehlt, Toiletten aus Kartons zu bauen oder mit Zeitungspapier gefüllte Mülltüten zu benutzen.

Hier haben die Menschen Schnee gesammelt, um Wasser für die Toilettenspülung zu haben.

Als Babywindeln könnten Tüten mit alter Kleidung dienen. Zum Schlafen sollten Babys in mit Decken ausgelegte Pappkartons gebettet werden.

Doch auf den Trümmern zerstörter Dörfer und Ortschaften irren noch immer verzweifelte Menschen umher, auf der Suche nach vermissten Angehörigen, die wahrscheinlich tot sind.

Die Rettung der beiden Erdbeben-Opfern Sumi und Jin Abe am Sonntag wird ein Einzelfall bleiben.

Ihnen geht es nach Angaben der behandelnden Klinik in Ishinomaki wieder gut. Sie waren erst neun Tage nach dem Erdbeben in ihrem zerstörten Haus in der Präfektur Miyagi entdeckt worden.

Die Gemeinden in den japanischen Unglücksgebieten haben ein Problem mit den vielen Toten.

Die örtlichen Krematorien sind schlicht überfordert. In den betroffenen Präfekturen werden die Toten deshalb nun beerdigt, was in Japan sonst nicht üblich ist.

Unterdessen laufen mancherorts die Bauarbeiten für Behelfsbehausungen an. Allerdings fehlt es noch an Baumaterial, weil es nicht geliefert werden kann. Noch sind Benzin und Diesel knapp.

In der besonders zerstörten Küstenstadt Rikuzentakata beginnen Helfer mit der Errichtung von 200 Behelfswohnungen.

Die 30 Quadratmeter großen Fertighäuser sollen auf einem Schulgelände aufgestellt werden. Sie sind als Unterkunft für je zwei bis drei Überlebende vorgesehen.

Es wird Monate dauern, bis die meisten, die jetzt obdachlos sind, wenigstens in provisorischen Unterkünften leben können.

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