"Die Clique des Dalai Lama unterscheidet nicht das Richtige vom Falschen. Sie verbreitet Gerüchte", sagt der Sprecher des chinesischen Außenministeriums.Bild 1 von 55 Und fährt fort: "Die demokratischen Reformen in Tibet sind die umfangreichsten und tiefgreifendsten in seiner Geschichte."Bild 2 von 55 Es ist der 10. März 2009, der 50. Jahrestag des Aufstands in Tibet gegen die chinesische Besatzung. Zeit für Propaganda.Bild 3 von 55 Aus chinesischer Sicht war es ein Aufstand der tibetischen Elite gegen die kommunistischen Reformen, die das Schicksal der Tibeter verbesserte.Bild 4 von 55 Dies soll gefeiert werden - allerdings am 28. März. An diesem Tag im Jahr 1959 wurde der Aufstand endgültig niedergeschlagen, die tibetischen Regierungseinrichtungen vollständig aufgelöst.Bild 5 von 55 Den 28. März 2009 erklärt China nun zum Tag der "Befreiung von der Leibeigenschaft". (Dieses und das vorige Bild zeigen Mönche in Tibet bei der "Umerziehung")Bild 6 von 55 Aus tibetischer Sicht richtete sich der Aufstand gegen die Fremdherrschaft. Er markiert damit den Beginn der massiven Unterdrückung eines ganzen Volkes. Noch immer hoffen der Dalai Lama und tausende Exil-Tibeter auf eine Rückkehr.Bild 7 von 55 Ziel des Dalai Lama ist seit 1988 "echte" Autonomie für Tibet innerhalb Chinas. "Wenn diese Hoffnung erfüllt wird, würde das tibetische Volk seinen Beitrag für die Erhaltung von Einheit und Stabilität in China leisten", sagt der Dalai Lama am Jahrestag.Bild 8 von 55 Die Volksrepublik habe den Tibetern die Hölle auf Erden bereitet. Seit dem Aufstand vom 10. März 1959 habe China den Tod von hunderttausenden Menschen verursacht und unaussprechliches Leid über die Himalaya-Region gebracht.Bild 9 von 55 Seit fast 60 Jahren ist das Hochplateau, einer der abgeschiedensten Orte der Erde, von China besetzt.Bild 10 von 55 Die Regierung in Peking sieht das Land als Teil ihres Reiches. Doch diese Auffassung ist umstritten.Bild 11 von 55 Bis in das 18. Jahrhundert hat Tibet keine festen Grenzen. Die widrigen Umweltbedingungen, die dünne Besiedlung, die Armut an Rohstoffen und Waren bieten wenig Anreize, das Land zu besuchen oder gar zu erobern.Bild 12 von 55 Nach dem Ende des Königtums im 10. Jahrhundert entwickelt sich Tibet zu einem Feudalsystem unter der Herrschaft der Lamas. Der Dalai Lama wird als Gottkönig verehrt.Bild 13 von 55 Der inneren Autonomie steht immer wieder eine äußere Schutzbedürftigkeit gegenüber, die im Laufe der Geschichte durch Mongolen, Chinesen oder Briten gewährleistet wird. (Im Bild: die Stadt Lhasa 1927)Bild 14 von 55 Anfang des 20. Jahrhunderts wird Tibet unter die Vorherrschaft des chinesischen Kaisertums gestellt. Erst nach dessen Ende kehrt der nach Indien geflohene Dalai Lama zurück und ruft 1913 die Unabhängigkeit aus - die China jedoch nie anerkennt.Bild 15 von 55 Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 versucht China, seinen Anspruch auf Tibet mit Gewalt durchzusetzen. Offiziell wollen die Chinesen das tibetische Volk von der feudalen Herrschaft des Dalai Lamas befreien.Bild 16 von 55 Nach dem Einmarsch der Chinesen wird Tibet 1951 annektiert. Teile des Hochlandes werden bestehenden chinesischen Provinzen angegliedert, das damals bestehende Tibet wird damit zerrissen.Bild 17 von 55 Das 1,2 Quadratkilometer große Kerngebiet mit der Hauptstadt Lhasa wird zum "Autonomen Gebiet Tibet" erklärt und ebenfalls in die Verwaltungsstruktur Chinas eingegliedert. (Lhasa 1939)Bild 18 von 55 Nach Besetzung und Annexion muss der Dalai Lama ein 17-Punkte-Abkommen unterzeichnen. Darin wird Tibet zunächst religiöse, kulturelle und politische Autonomie zugebilligt. (Der Dalai Lama und Mao Zedong 1954 in Peking)Bild 19 von 55 Doch der Schein trügt: Autonomie genießen die Tibeter nicht. Die zugesicherten Freiheiten werden bereits in den fünfziger Jahren von der Unterdrückung der tibetischen Kultur abgelöst.Bild 20 von 55 Auch das Land wird wirtschaftlich ausgebeutet. Durch Landreform und Zwangskollektivierungen wird die gesellschaftliche und wirtschaftliche Grundlage Tibets zerstört.Bild 21 von 55 Gerüchte über die geplante Entführung des Dalai Lama nach Peking führen 1959 zu einem Volksaufstand.Bild 22 von 55 Die Revolte wird blutig niedergeschlagen. Politischen Säuberungen fallen tausende Tibeter zum Opfer - nach Angaben der tibetischen Exilregierung werden 86.000 Tibeter getötet.Bild 23 von 55 Der Dalai Lama und mit ihm tausende Anhänger fliehen auf einem beschwerlichen Weg über die Pässe des Himalaya ...Bild 24 von 55 ... nach Indien, Nepal und Bhutan.Bild 25 von 55 In Indien erhält der Dalai Lama Asyl ...Bild 26 von 55 ... und bildet eine Exilregierung, die seither für die Interessen Tibets eintritt.Bild 27 von 55 Die Chinesen verstärken unterdessen die Unterdrückung der tibetischen Kultur. Der Buddhismus wird behindert. Verheerend wirkt sich die chinesische Kulturrevolution der 60er Jahre aus. Tausende Klöster werden geplündert und zerstört.Bild 28 von 55 Mönche und Nonnen werden gefoltert und getötet. Über eine Million Tibeter fallen der Kulturrevolution Maos zum Opfer.Bild 29 von 55 Erst in den 70er Jahren kommt es zu einer wirtschaftlichen Liberalisierung. Von der langsamen Öffnung Chinas profitiert auch Tibet.Bild 30 von 55 Einzelne Klöster werden für den Massentourismus wieder aufgebaut und restauriert. Doch das sind Ausnahmen.Bild 31 von 55 Denn die Unterdrückung hält an. So kommt es in den 80er Jahren erneut zu Protesten gegen die chinesischen Besatzer, die mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.Bild 32 von 55 Die Tibeter befürchten den schleichenden Verlust der eigenen Kultur ...Bild 33 von 55 ... und vor allem der religiösen Traditionen des tibetischen Buddhismus.Bild 34 von 55 Mit gezielten Umsiedlungsprogrammen versucht die chinesische Regierung, den Einfluss der Tibeter im eigenen Land zurückzudrängen, indem Chinesen langfristig die Bevölkerungsmehrheit bilden.Bild 35 von 55 Für die Exil-Tibeter ist dies ein schleichender Völkermord. Die Zugezogenen verfügen meist über eine bessere Bildung und besetzen Schlüsselpositionen in Tibet. Die Tibeter selbst sind oft verarmt.Bild 36 von 55 Der Zerfall der tibetischen Kultur schreitet voran. Vor allem die Religionsausübung wird streng überwacht und reglementiert.Bild 37 von 55 Die Anzahl der Mönche und Nonnen wird von der Regierung in Peking bestimmt.Bild 38 von 55 Als der in Tibet verbliebene Panchen Lama (hier 1964), ein weiterer hoher Vertreter des tibetischen Buddhismus, 1989 stirbt, beginnt die Suche nach einem Nachfolger.Bild 39 von 55 Der vom Dalai Lama anerkannte Panchen Lama verschwindet jedoch spurlos. Die chinesische Regierung präsentiert dagegen einen anderen Nachfolger.Bild 40 von 55 Seine Anerkennung ist bis heute umstritten und wird von Exil-Tibetern abgelehnt.Bild 41 von 55 Doch ein weiteres Problem bedroht die Traditionen: Indem der Kommunismus zur Staatsdoktrin wird, weitet sich der Säkularismus aus. Kinder und Jugendliche lernen die tibetische Kultur und ihre Vertreter kaum noch kennen.Bild 42 von 55 Denn der Dalai Lama lebt seit fast 50 Jahren im indischen Exil. Seine Portraits sind, wie auch die Flagge der Exil-Tibeter, strengstens verboten.Bild 43 von 55 Nur international ist der Dalai Lama ein anerkannter Kämpfer für den Frieden, erhält 1989 den Friedensnobelpreis.Bild 44 von 55 Die chinesische Regierung versucht indes nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, Tibet stärker an den Staat zu binden.Bild 45 von 55 Zum Beispiel durch den Bau der Lhasa-Bahn soll der Austausch von Waren, aber auch der Zuzug von Chinesen verstärkt werden.Bild 46 von 55 Die subtile Methode der Pekinger Regierung: Tibet soll langsam chinesisch werden.Bild 47 von 55 Doch obwohl die Zerstörung der tibetischen Kultur und die Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung international immer wieder bemängelt und angeklagt werden, wird die Besatzung nicht als solche angesehen.Bild 48 von 55 Meist bleibt es bei Protesten von Exil-Tibetern, Menschenrechtlern ...Bild 49 von 55 ... oder engagierten Prominenten wie Richard Gere.Bild 50 von 55 Konzerte für die Freiheit Tibets (hier die Beastie Boys) erregen zwar Aufmerksamkeit, der politische Nutzen ist aber begrenzt.Bild 51 von 55 Tibet und seine bedrohte Kultur bleiben somit weitestgehend auf sich selbst gestellt.Bild 52 von 55 Sichere Nachrichten vom "Dach der Welt" gibt es kaum.Bild 53 von 55 Ein Jahr nach den Unruhen vom 14. März 2008 ist die Zahl der Opfer noch immer unklar. Die Regierung in Peking spricht von 19 getöteten Chinesen, ...Bild 54 von 55 ... die Exiltibeter gehen davon aus, dass in den zwölf Monaten nach dem Aufstand 220 Tibeter getötet wurden. 1200 Tibeter werden nach Angaben der Internationalen Tibet-Kampagne seither vermisst. (Text: Markus Lippold und Hubertus Volmer. Alle Bilder: AP, dpa, rts)Bild 55 von 55