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Samstag, 20. Juli 2013

Eine Metropole liegt am Boden: Detroit meldet Insolvenz an

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An einigen Stellen sieht Detroit aus wie eine Geisterstadt. (Foto: REUTERS)

An einigen Stellen sieht Detroit aus wie eine Geisterstadt.

An einigen Stellen sieht Detroit aus wie eine Geisterstadt.

Das Symbol des Verfalls ist das aufgegebene monumentale Bahnhofsgebäude, das seit Jahrzehnten langsam vor sich hinrottet.

Rund um den Bahnhof stehen verbarrikadierte Häuser, aus dem Asphalt sprießt das Unkraut.

Die Gegend liegt keine zwei Kilometer vom Zentrum entfernt und wirkt doch wie ein Kriegsgebiet.

Fotografen lieben solche Orte wegen ihres morbiden Charmes, was die Detroiter nicht verstehen können.

Das Ablichten des Niedergangs wird "ruin porn" genannt, zu Deutsch: Ruinen-Porno.

Detroit war einst die viertgrößte Stadt der USA, die stolze Wiege der Autoindustrie, ehe der verheerende Kreislauf aus wirtschaftlichem Niedergang und Bevölkerungsflucht einsetzte.

Nun ist die Metropole Schauplatz der bislang größten Städtepleite der US-Geschichte.

Die offizielle Bankrotterklärung sei "ein schwieriger Schritt, aber die einzig praktikable Option", erklärte der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder.

Auf der Stadt lastet ein Schuldenberg von 18,5 Milliarden Dollar.

Fast 40 Prozent des städtischen Haushalts müssen darauf verwendet werden, die Kredite zu bedienen und die Rentenzahlungen für ehemalige Angestellte zu leisten. Alleine seinen beiden Pensionsfonds schuldet Detroit etwa neun Milliarden Dollar.

Snyder hatte im März den Sanierungsexperten Kevyn Orr als Zwangsverwalter eingesetzt.

Orr schlug einen Schuldenschnitt bei gleichzeitigen Investitionen in die marode Infrastruktur der Stadt vor, doch die Gläubiger spielten nicht mit.

Als Detroit im Juni die Zahlungen teilweise einstellte, reichten die Pensionsfonds Klage ein. Mit dem Insolvenzantrag liegt das finanzielle Schicksal der Stadt jetzt in den Händen eines Konkursgerichts.

Die Pleite von Detroit kam nicht über Nacht. "Das hat sich seit 60 Jahren angebahnt", sagte Snyder.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt dank der Automobilindustrie einen Boom.

Die drei großen US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler gaben der Metropole die Spitznamen "Motor City" und "Motown".

Menschen aus allen Teilen der USA kamen auf der Suche nach Arbeit hierher, die Einwohnerzahl stieg auf 1,8 Millionen im Jahr 1950.

Heute leben nur noch knapp 700.000 Menschen in der Autostadt, die kein Geld mehr hat, die unzähligen Schlaglöcher auf den Straßen zu reparieren.

Etwa 78.000 Gebäude stehen leer.

Die Arbeitslosenquote liegt doppelt so hoch wie im Landesschnitt.

Detroit hat eine der höchsten Kriminalitätsraten des Landes.

Im vergangenen Jahr wurden hier 386 Morde begangen. Zum Vergleich: Das von der Einwohnerzahl her zwölf Mal so große New York City kam auf 419 Morde.

Neben dem industriellen Niedergang trugen auch die Rassenunruhen der späten 1960er Jahre dazu bei, dass viele Einwohner Detroit den Rücken kehrten.

Die besser verdienenden Weißen zogen in die Vororte oder ganz weg, die ärmere afroamerikanische Bevölkerung blieb in der Stadt.

Angesichts der fallenden Steuereinnahmen bekam Detroit immer größere Probleme, das öffentliche Leben zu finanzieren.

Polizei und Feuerwehr sind nur eingeschränkt im Einsatz, 40 Prozent der Straßenlaternen sind außer Betrieb.

Anders als deutsche Kommunen, die als öffentliche Gebietskörperschaften keine Insolvenz beantragen können, melden in den USA immer wieder Städte und Gemeinden Konkurs an.

Die Megapleite von Detroit stellt aber alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Bei der Insolvenz von Jefferson County im Bundesstaat Alabama, dem zuvor schlimmsten Fall, ging es 2011 gerade einmal um vier Milliarden Dollar.

Doch trotz aller Probleme herrscht seit einiger Zeit so etwas wie Aufbruchsstimmung in Detroit. Die Straßen füllen sich langsam wieder mit Menschen. In zuvor verlassene Bürogebäude in der Innenstadt sind neue Firmen eingezogen, die die günstigen Mieten schätzen.

Die Insolvenz, so hoffen die Detroiter, könnte einen Wendepunkt bedeuten und der Stadt ermöglichen, an die großen Zeiten in ihrer Geschichte anzuknüpfen.

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