Panorama

Umfrage zu Datenschutz-Lockerung Deutschland bei Corona-App tief gespalten

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Niedriger Nutzen? Bei der Corona-App ist Deutschland gespalten.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Die Bundesregierung lässt sich ihre Corona-App viele Millionen Euro kosten. Allerdings ist der Datenschutz so rigide, dass die Wirksamkeit bei der Kontaktverfolgung leidet. In einer Forsa-Umfrage für RTL/ntv zeigt sich, dass sogar wohlmeinende Nutzer die die Quarantäne-Empfehlungen ignorieren.

Das Vertrauen der Deutschen hat die Bundesregierung mit der Corona-Warn-App auch zum Start der zweiten Pandemie-Welle noch nicht gewonnen. In einer Forsa-Umfrage für RTL/ntv sagten nur 34 Prozent der Befragten, sie hätten die App installiert. Zwei Drittel haben den Download-Knopf noch nie gedrückt.

Vor allem Anhänger des AfD gaben sich Forsa zufolge ablehnend. Diese Verteilung - ein Drittel zustimmend, zwei Drittel ablehnend - spiegelt sich auch bei der Einschätzung, ob das Instrument hilfreich ist, wider. Nur 31 Prozent der Befragten sehen die App als gutes Hilfsmittel im Kampf gegen die Pandemie, während 65 Prozent ihr skeptisch gegenüberstehen. Seit September ist der Anteil der Zweifler sogar noch gestiegen, berichtete Forsa mit Verweis auf eine Umfrage mit gleichlautenden Fragen.

Dass die App bei der Eindämmung des Coronavirus hilfreich ist, glauben allerdings diejenigen, die die App auf ihrem Smartphone installiert haben, deutlich häufiger als Befragte, die die App nicht heruntergeladen haben. Dennoch entfaltet die Anwendung auch bei den realen Nutzern nur begrenzte praktische Wirksamkeit: Lediglich zwei Prozent der befragten App-Nutzer wurden auf einen Hochrisiko-Kontakt hingewiesen und gingen anschließend in Quarantäne. 17 Prozent der App-Nutzer berichteten zwar über eine Warnung, gaben allerdings an, sie hätten die Quarantäne-Empfehlung ignoriert.

Befragte: Große Mehrheit fühlt sich nicht geschützt

Entsprechend verhalten ist das Vertrauen in die Anwendung auch bei den Nutzern: Nur jeder vierte Befragte, der die Corona-Warn-App installiert hat, fühlt sich mit dieser App besser vor dem Coronavirus geschützt als ohne die App. Die große Mehrheit der App-Nutzer, 73 Prozent, hatten kein Gefühl einer Schutzfunktion durch das Tool.

Angesichts rasant steigender Ansteckungszahlen könnte die Corona-App allerdings noch Boden gut machen: Fast die Hälfte der Deutschen traut der Warn-App ein Entwicklungspotenzial zu. 44 Prozent der Befragten glauben, dass sie bei steigender Infektionsdynamik wichtiger wird. Allerdings meinen fast genauso viele, nämlich 45 Prozent, dass die App nicht an Bedeutung im Kampf gegen das Virus gewinnen wird. Während die Anhänger von Union, SPD und Grünen überwiegend davon ausgehen, dass die Nutzung der App wichtiger wird, meinen dies die Anhänger der FDP und vor allem der AfD mehrheitlich nicht.

Fast die Hälfte für gelockerten Datenschutz

Ein Hemmschuh für mehr Wirksamkeit und Reichweite der App könnte ausgerechnet der Datenschutz sein. Die Hälfte der Befragten stimmt Forsa zufolge der Forderung zu, dass die hohen Datenschutzanforderungen der Corona-Warn-App gelockert werden sollten. Auf Zustimmung stößt diese Forderung vor allem bei den Nutzern der App sowie bei den Anhängern von Union, SPD und FDP. Derzeit dürfen positive Tests nicht automatisch in die Corona-Warn-App eingespeist werden. Der dezentrale Ansatz führt dazu, dass kein Tracking Infizierter möglich wird. Allerdings zeigen sich die Deutschen auch in diesem Punkt gespalten: 39 Prozent der Befragten lehnen einen gelockerten Datenschutz ab.

Zuletzt hatten Politiker mehrerer Parteien angesichts steigender Corona-Infektionszahlen eine Aufrüstung der Corona-Warn-App mit zusätzlichen Funktionen gefordert. Es sei nicht akzeptabel, dass nur 60 Prozent der positiv getesteten Nutzer ihren Befund der App melden, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bislang müssen Nutzer mit einem positiven Befund aktiv zustimmen, damit ihre Risikokontakte über die App informiert werden. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte die App als "zahnlosen Tiger" bezeichnet. Nach Regierungsangaben ist die Corona-Warn-App inzwischen 19,6 Millionen Mal heruntergeladen worden. In 1,8 Millionen Fällen sind Testergebnisse über die App übermittelt worden.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL am 20. und 21. Oktober 2020 erhoben. Datenbasis: 1017 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.

Quelle: ntv.de, mau