Panorama

Polizei setzt Pfefferspray ein Proteste in Corona-Hotspot Hildburghausen

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Weil sich viele Teilnehmer des Demonstrationszuges nicht an die Abstands- und Hygiene-Regeln halten, löst die Polizei die Proteste auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bundesweit weist Hildburghausen die höchste 7-Tages-Inzidenz auf, seit Mittwoch gilt in dem Thüringer Landkreis ein harter Lockdown. Hunderte Menschen gehen dagegen auf die Straße - viele von ihnen, ohne sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten. Die Polizei muss die Demo auflösen.

Bei Protesten gegen die neuen Infektionsschutzregeln im Corona-Hotspot-Landkreis Hildburghausen hat die Polizei am Mittwochabend Pfefferspray eingesetzt. Mehrfache Versuche, die rund 400 Teilnehmer zum Verlassen der Demonstration auf dem Marktplatz der Stadt Hildburghausen zu bewegen, seien fehlgeschlagen, teilte die Polizei in der Nacht mit. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Gegen 20.45 Uhr seien die Proteste beendet gewesen. Laut Polizei wurden mehr als 30 Anzeigen erstellt.

Grund für die Auflösung der Demo waren den Angaben nach zahlreiche Verstöße gegen die geltende Thüringer Infektionsschutzverordnung und die Allgemeinverfügung des Landkreises Hildburghausen. So seien Mindestabstände nicht gewahrt worden, Masken nicht getragen und die eigene Wohnung ohne triftigen Grund verlassen worden. Seit 25. November 2020 gilt im Kreis Hildburghausen ein harter Lockdown im ganzen Landkreis: Alle 40 Kindergärten und 28 Schulen bleiben geschlossen.

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Das Haus verlassen dürfen Einwohner des Kreises nur dann, wenn sie zur Arbeit gehen oder dringende Erledigungen machen müssen. Darunter fallen Einkäufe oder Arztbesuche. Hildburghausen weist nach Berechnungen von ntv.de inzwischen 602,9 Infektionsfälle auf 100.000 Einwohner pro Woche auf - das ist das stärkste Infektionsgeschehen in ganz Deutschland. Die bayerische Stadt Passau folgt mit einigem Abstand mit dem bundesweit zweithöchsten Wert (428,0). Schon ab einem Wert von 50 gilt eine Region als Risikogebiet.

Rechtsextremist unter Demonstranten

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow appellierte an die Menschen im Landkreis Hildburghausen, sich an die neuen Infektionsschutzregeln zu halten. Es gebe ein großes Bemühen, mit strengeren Maßnahmen "Leib und Leben von Menschen zu schützen", sagte er am Mittwoch nach einer Schalte der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel. Auch er habe aber die Bilder gesehen, die zeigten, dass sich mehrere Hundert Menschen auf dem Marktplatz versammelt hätten.

Diese Menschen hätten damit das Signal gegeben, dass sie das Infektionsgeschehen in ihrem Kreis nicht interessiere. "Sie sind zwar in dem Landkreis, in dem die höchste Infektionsrate in ganz Deutschland ist, aber sie signalisieren, dass sie die Maßnahmen zur Unterbindung der Infektionen wohl eher ablehnen", sagte Ramelow. Unter den Protestierenden war auch ein stadtbekannter Rechtsextremist, der für die AfD im Kreistag sitzt. Er hatte 2017 für Schlagzeilen gesorgt, weil er in seinem Gasthaus anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler Schnitzel zum Preis von 8,88 Euro angeboten hatte.

Auf Facebook schrieb er unter die Bilder des Demonstrationszuges: "Stell dir vor, es ist Lockdown und keiner macht mit." In den sozialen Medien gab es für diese Einstellung heftigen Gegenwind. Viele Nutzer kritisierten die Demo als unsolidarisch und verantwortungslos. Die Satiresendung "Extra3" kommentierte zynisch: "Robert-Koch-Institut meldet neuen Tiefstwert: In Hildburghausen wurde gestern Abend der niedrigste Empathie-Wert in ganz Deutschland gemessen."

Quelle: ntv.de, jug/dpa