Panorama

Mit Laseraugen gegen die EZB Varoufakis wird zum Video-Star

Lederjacke, Motorrad, Muskeln, Schuldenschnitt – Yanis Varoufakis krempelt die griechische Finanzpolitik um, wirbelt die Abläufe in der Eurozone durcheinander und polarisiert die Gemüter von Portugal bis ins Baltikum quer durch die ganze Währungsgemeinschaft. Seine Verhandlungspartner lässt der kompromissfeindliche Stil des neuen griechischen Finanzministers mitunter verzweifeln, zuletzt seinen deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble.

Den Satiriker Jan Böhmermann hat der Mann zu einem Video inspiriert, in dem er versucht, das Phänomen auf seine Art zu erklären – oder besser: aufs Korn zu nehmen. In einem musikalischen Videobeitrag geht Böhmermann zunächst mit den Deutschen hart ins Gericht, bevor er der Welt den neuen "Minister of Awesome" aus Griechenland vorstellt.

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Mit Laseraugen gegen die EZB: Varoufakis als Dämon der Eurozone?

(Foto: Übler Zeitgenosse mit Laseraugen - Yanis Varoufakis.)

"V für Varoufakis"

Die Dramaturgie: Böhmermann präsentiert die Deutschen als pünktliches, hart arbeitendes Volk – "hart wie Stahl, zäh wie Leder und ...", kurz: Als Sänger nach Art der international erfolgreichen Rockband Rammstein reiht er Klischees von der Pickelhaube über den Stahlhelm bis zum Saumagen fein säuberlich auf. Doch dann kommt Yanis Varoufakis mit seinem Motorrad, seinen Satinhemden und seinem "Körper, der nach Sex schreit", und bringt Böhmermanns sorgsam inszenierte Blutwurstwelt mit Laseraugen ins Wanken.

Dazu heißt es im Begleittext: "Liebe Griechen, es ist so weit. Wir geben uns geschlagen! Nehmt unser Geld, aber schafft uns diesen Finanz-Herkules vom Leib. Costa Cordalis konnten wir noch aushalten, aber das ist zu viel!" Das ZDF veröffentlichte den Beitrag als Werbung für den Spartenkanal ZDF Neo, wo Böhmermann eine Sendung moderiert.

Das aufwändig produzierte Musikvideo dürfte dem gerne provokanten auftretenden Ex-Professor für Spieltheorie wohl recht gut gefallen. Schließlich gab er sich bei seinen bisherigen Auftritten in Brüssel im Angesicht seiner einflussreichen Euro-Partner stets demonstrativ entspannt und legér. Der Titel des Videos lautet "V für Varoufakis" und dürfte das Selbstbild der Syriza-Partei nicht allzu weit verfehlen: Die Anspielung erinnert an "V für Vendetta", jener Comic-Verfilmung, in der ein unerschrockener Untergrundkämpfer für die Armen und die Freiheit gegen ein repressives Regime kämpft.

Brisantes Varoufakis-Zitat

Peinlich wird es allerdings für den griechischen Politiker und die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras erst ganz am Schluss. Dort, am Ende eines effektheischenden Videobeitrags über die Ängste der Deutschen und den vermeintlichen Triumph eines verehrungswürdigen Pragmatikers, bringt Böhmermann ein kurzes, trockenes Originalzitat Varoufakis ins Spiel.

Und genau dieses Zitat dürfte nicht nur skeptischen CSU-Abgeordneten die Zornesröte ins Gesicht treiben. Enthüllt hier ein öffentlich-rechtlicher Nachwuchs-Satiriker die wahren Gedankengänge eines Yanis Varoufakis? Besonders brisant: Das Video macht am Vorabend der großen Bundestagsdebatte zur Verlängerung der umstrittenen Griechenland-Hilfen um weitere vier Monate die Runde. Noch vor dem Wochenende müssen die Parlamentarier entscheiden, ob sie weitere Milliarden aus dem Steuertopf freigeben. Der Bundestag wird namentlich abstimmen.

Belastbar ist der Mitschnitt mit dem Varoufakis-Zitat allerdings nicht. Dazu ist es der präsentierte Ausschnitt zu kurz und allem Anschein nach komplett aus dem Zusammenhang gerissen. Um zu verstehen, wie Griechenlands amtierender Finanzminister seine im Video zitierte Ansage gegenüber Deutschland wirklich gemeint hat, müsste Böhmermann die Rede im Kontext zeigen. Vielleicht lässt sich der "Halbgott aus Hellas" ja auch persönlich dazu herab, seine Aussage zu erläutern.

Quelle: ntv.de, bdk/mmo