Politik

Luftangriffe auf Aleppo 50.000 Syrer fliehen Richtung Türkei

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Immer mehr Syrier drängen in die Flüchtlingslager in der Türkei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Ende September fliegt Russland Luftangriffe auf Syrien. Vor allem die bevölkerungsstärkste Stadt des Landes, Aleppo, ist betroffen. Tausende Menschen fliehen in die Türkei. Die Flüchtlingslager sind überlastet, die Zustände katastrophal.

Angesichts heftiger Gefechte in der Region um die nordsyrische Großstadt Aleppo erwartet die Türkei Presseberichten zufolge bis zu 350.000 weitere Flüchtlinge aus dem Nachbarland. Rund 50.000 Menschen seien bereits aus dem Raum Aleppo Richtung Türkei unterwegs, berichtete die Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf den Vorsitzenden des "Rats syrischer Türkmenen" Abdurrahman Mustafa. Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde Afad sagte, sie sei gegebenenfalls auf die Ankunft neuer Flüchtlinge vorbereitet. Eine genaue Einschätzung der Lage wollte der Sprecher nicht abgeben.

Aleppo liegt nur etwa 50 Kilometer südlich der türkischen Grenze. Flüchtlinge suchen vor allem Zuflucht in der Stadt Reyhanli und in der Grenzregion Hatay. Der Chef des Menschenrechtsvereins (IHD) in der Provinz Hatay, Mithat Can sagte, die Situation in der Region sei schon jetzt schwierig. Die Menschen schliefen in Parks und die Gesundheitsversorgung sei massiv eingeschränkt. "Die Krankenhäuser arbeiten wie Werkstätten, eine Behandlung ist nicht möglich", sagte er.

In den vergangenen Tagen hatten russische Luftangriffe in und um Aleppo Geländegewinne für syrische Regierungstruppen und verbündete Milizen ermöglicht. Aleppo war vor dem Beginn des syrischen Krieges im Jahr 2011 die Wirtschaftsmetropole und mit mehr als zwei Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes. Seit einiger Zeit kämpfen Rebellen und Regierungstruppen um die Kontrolle über die Stadt. Im Osten Aleppos rückt zudem die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat vor.

Türkei rechnet mit einer Million Flüchtlinge

Die türkische Regierung befürchtet, dass die Militärintervention Russlands die Lage an mehreren Fronten in Syrien entscheidend verändern und mehr als eine Million neuer Flüchtlinge in die Türkei treiben könnte. Schon jetzt leben mehr als zwei Millionen Syrer in der Türkei; viele wollen weiter nach Europa. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Sonntag in Istanbul mit der türkischen Regierung über Möglichkeiten gesprochen, den Flüchtlingsandrang in die EU zu bremsen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich bereits in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin besorgt über die Entwicklungen in Syrien geäußert. Die Bombardierung werde die Zahl der Flüchtlinge weiter erhöhen, sagte Erdoğan nach Angaben aus seinem Präsidialamt in dem Gespräch. Er sei entschlossen, alle terroristischen Gruppen zu bekämpfen, habe der türkische Präsident gesagt und dabei eine Verbindung zwischen der kurdischen Miliz in Syrien und der türkischen Kurden-Organisation PKK gezogen.

Beide Präsidenten vereinbarten, das Thema Syrien auf dem G20-Gipfel am 15. und 16. November in Antalya zu erörtern. Russland und die Türkei verfolgen im Syrien-Konflikt bislang gegensätzliche Ziele. Während die Regierung in Moskau mit Luftangriffen versucht, den Bürgerkrieg zugunsten von Staatschef Baschar al-Assad zu drehen, dringt die Türkei auf eine Absetzung des Präsidenten. Mittlerweile gesteht die Regierung in Ankara aber zu, dass Assad nach einem Ende des Krieges für eine Übergangszeit im Amt bleiben könne.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte Russland indirekt auf, die gemeinsame Militäroffensive mit den syrischen Truppen auf die Großstadt Aleppo zu stoppen. "Wenn Russland es tatsächlich Ernst meint mit dem Anspruch, zur Stabilisierung Syriens beizutragen, dann kann das jedenfalls nicht gelingen, wenn durch Militäroffensiven noch weitere Tausende Menschen zur Flucht gezwungen werden", sagte Steinmeier.

 

Quelle: ntv.de, kpi/rts/AFP/dpa

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