Politik

"Dagobert" Schulz Die AfD hat einen neuen Lieblingsfeind

dpatopbilder - Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz spricht am 08.02.2017 bei einem Townhall-Meeting in der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule in Ahrensburg (Schleswig-Holszein). Zwei Tage lang ist Schulz in Schleswig-Holstein und Hamburg unterwegs. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bringt nicht nur die Kanzlerin in Bedrängnis, sondern auch die AfD: Martin Schulz.

(Foto: dpa)

Die Kanzlerin war bisher die bevorzugte Zielscheibe der AfD. Aber nun schießt sich die Partei auf Martin Schulz ein. Der SPD-Kandidat könnte die AfD einige Wähler kosten.

Nach der Kür des Kanzlerkandidaten Martin Schulz konnte man fast meinen, die Personalie sei eine Erlösung – nicht nur für die SPD. Fast euphorisch fielen auch die ersten Reaktionen in der AfD aus. Schulz sei Sinnbild für die gescheiterte EU. "Aus unserer Sicht hätte die SPD daher kaum einen Besseren zum Kandidaten küren können. Ein Glückfall für die AfD, wenn man so will", erklärte AfD-Vize Alexander Gauland. Seine Vorstandskollegin Beatrix von Storch äußerte sich ähnlich. Aber kann Schulz der AfD tatsächlich nutzen? Mehr als zwei Wochen, nachdem die Kandidatur des SPD-Politikers bekannt gegeben wurde, lässt sich das bisher nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil. Es sieht so aus, als würde Schulz der AfD sogar schaden.

Der "Schulz-Effekt", den Sozialdemokraten dieser Tage gern etwas pathetisch ausrufen, geht offensichtlich auch an Anhängern der AfD nicht spurlos vorbei. Bei den Meinungsforschungsinstituten Forsa, Infratest Dimap, GMS und Insa sackte die Partei seit - und mutmaßlich auch wegen - Schulz' Kür jeweils um zwei Prozentpunkte ab. Noch im November war unter AfD-Anhängern die Zustimmung für einen möglichen SPD-Kandidaten gering, Schulz kam auf 21 Prozent, Sigmar Gabriel nur auf 18. Der neue Stern-RTL-Wahltrend zeigt: Jetzt würden sich immerhin 34 Prozent der AfD-Anhänger für Schulz entscheiden, 12 Prozent bevorzugen Angela Merkel, die Hälfte keinen der beiden. Schulz ist es gelungen, sich als aussichtsreiche Alternative zur Kanzlerin in Stellung zu bringen – das könnte bei der Bundestagswahl im September nicht nur die Union, sondern auch die AfD einige Stimmen kosten.

Seit Gründung der AfD war Merkel die bevorzugte Zielscheibe, vor allem die Kritik an ihrer Eurorettungs- und Flüchtlingspolitik nutzte der Partei. Doch mit Schulz' Kandidatur haben sich die Kräfteverhältnisse verändert. Noch bis vor Kurzem mussten die übrigen Parteien befürchten, in einem zwischen Merkels Union und der AfD polarisierten Wahlkampf zerrieben zu werden. Nun deutet viel darauf hin, dass sich die Aufmerksamkeit vor allem auf das Duell Merkel/Schulz konzentrieren könnte. Leidtragende ist die AfD, die mit den Sozialdemokraten teilweise um ähnliche Wählergruppen konkurriert. Seit Tagen lässt sich beobachten, wie Gauland & Co auf Schulz umgeschwenkt sind. Der SPD-Politiker ist der neue Lieblingsfeind, weil er für die Partei inzwischen noch gefährlicher ist als die Kanzlerin.

"Mir geht es mit der NPD wie mit der AfD"

Fast täglich arbeiten sich AfD-Politiker an Schulz ab. Björn Höcke postete vor ein paar Tagen bei Facebook eine Bildmontage der Disney-Figur Dagobert Duck mit dem Gesicht des Kanzlerkandidaten, der in einen großen Haufen von Goldmünzen springt. Darüber steht "Dagobert Schulz, das soziale Gewissen der SPD". In einem Text wirft Höcke Schulz unter anderem vor, er habe als EU-Parlamentspräsident zusätzlich zu seinen Diäten Steuerbegünstigungen an sitzungsfreien Tagen eingeheimst (hier mehr zu den Vorwürfen). Der Gerechtigkeitswahlkampf des SPD-Kandidaten sei "eine Mogelpackung". AfD-Vorstandsmitglied Armin-Paul Hampel sagte: "Schulz ist kein Hoffnungsträger, sondern der Totengräber Deutschlands." Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner nannte Schulz einen Antisemiten.

Die AfD reagiert auch aus einem anderen Grund so empfindlich, Schulz greift sie offen an. "Mir geht es mit der NPD wie mit der AfD. Wer die verfassungsmäßige Ordnung dieses Landes so infrage stellt, wer unsere Grundrechte […] so leugnet, wer so rassistisch ist, so fremdenfeindlich, wer so gewaltbereit redet und möglicherweise auch handelt, der kann meiner Meinung nach in unserer Verfassungsdemokratie nicht geduldet werden", sagte Schulz in dieser Woche auf einer Podiumsdiskussion in Norderstedt. Bei mehreren Veranstaltungen bezeichnete er die AfD als "Schande für Deutschland".

Wer Schulz in den ersten zwei Wochen beobachtet hat, konnte feststellen: Er versucht im Wahlkampf auch mit scharfer Rhetorik gegen die AfD zu punkten. Bisher sieht es so aus, als könnte diese Strategie erfolgreich sein.

Quelle: n-tv.de

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