Politik

Multiple Choice gegen Hacker EU probt die Cyber-Verteidigung

cyber.jpg

Im simulierten Szenario greifen Hacker eine EU-Militärmission an.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Estland üben die Verteidigungsminister der EU-Länder den Kampf gegen Hacker. In einem simulierten Szenario sollen sie einen Cyber-Angriff abwehren. Worum es genau geht, soll aber geheim bleiben.

Höchstpersönlich üben die Verteidigungsminister der EU in Tallinn am kommenden Donnerstag, wie man einen Cyber-Angriff abwehrt. Unter dem Titel "EU Cybrid 2017" soll in der estnischen Hauptstadt eine simulierte Militärmission von Hackern und anderen Bedrohungen attackiert werden – also alles außer dem bewaffneten Konflikt. Mit der Übung solle das Bewusstsein für Cyber- und Hybrid-Bedrohungen stärken, heißt es im Einladungsschreiben. Die Verteidigungsminister, darunter auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, sollten "politische Antworten auf unerwartete Ereignisse" geben, um die EU-Politik in diesem Bereich zu testen und weiterzuentwickeln.

1588af762e09c14cae4ecbef197e0730.jpg

Auch Ursula von der Leyen wird an der Übung teilnehmen.

(Foto: dpa)

Was das Szenario genau beinhaltet, bleibt unter Verschluss. Ein EU-Diplomat deutet aber an, dass es Ähnlichkeiten zur EU-Mittelmeermission "Sophia" gäbe - die Mission kämpft vor Libyen gegen Flüchtlingsschleuser und Waffenschmuggler. Innerhalb von zwei Stunden haben die 28 Minister die Bedrohung zu überwinden. "In der Simulation bekommen die Minister einen Tablet-Computer und müssen im Verlauf des Szenarios Fragen beantworten", so der EU-Diplomat. Einige Antworten seien dabei von einem "Multiple Choice"-Verfahren vorgegeben.

Geheimhaltung wird bei der "Cybrid"-Übung groß geschrieben. Auch im Nachhinein sollen die durchgespielten Szenarien unter Verschluss bleiben. Und auch Anfragen der Linken an die Bundesregierung werden nur vage beantwortet. "In dem Szenario der "EU Cybrid 2017" unterliegt ein EU-Hauptquartier multiplen Cyberattacken", erklärt die Bundesregierung. Es gehe vor allem um "Cyberoperationen unterhalb der Schwelle des bewaffneten Angriffs", es solle aber auch Momente geben, die an dieser Schwelle kratzen.

Hacker-Angriffe können zu Sanktionen führen

Bereits im Juni hatten die EU-Außenminister beschlossen, dass die Europäische Union in Zukunft Hacker-Angriffe ebenfalls mit Sanktionen beantworten kann. Man sei "besorgt über die zunehmende Fähigkeit und Bereitschaft staatlicher und nichtstaatlicher Akteure, ihre Ziele durch böswillige Cyberaktivitäten zu verfolgen". Bei der Nato gilt der Cyberspace schon als eigenständiges Operationsgebiet – somit können Hacker-Angriffe wie militärische Einsätze am Land oder zur See behandelt werden. Dadurch lösen Cyber-Übergriffe auch Artikel 5 des Nato-Vertrages aus, wonach das Militärbündnis alle seine militärischen Reserven mobilisieren kann.

Mit Beginn der Ukraine-Krise und der Annexion der Krim durch Russland arbeiten EU und Nato auch stärker im Bereich "hybride Bedrohungen" zusammen. Das sind Taktiken, die weniger auf den offenen militärischen Konflikt als auf Täuschung und Verschleierung setzen. Der Begriff beinhaltet alles von Propaganda und Desinformation über wirtschaftlichen Druck und Hacker-Angriffe bis zum Einsatz von verdeckt arbeitenden Militäreinheiten. Russland wird vorgeworfen, solche Taktiken in der Ukraine-Krise zu verwenden.

"EU Cybrid 2017" fällt zeitlich mit Russlands Vorbereitungen für das Großmanöver "Sapad 2017" mit Weißrussland zusammen, das am 14. September beginnen soll. Es ist Russlands größtes Manöver seit Jahren an der Nato-Grenze. Die Nato wirft Moskau vor, vereinbarte Zulassungen für ihre Beobachter des Manövers zu ignorieren und weit mehr als die angegebenen 12.700 Soldaten einsetzen zu wollen.

Quelle: n-tv.de, pzi/AFP

Mehr zum Thema