Politik

Nach den Wahlsendungen Eine Kämpferin, ein Aufsteiger, eine Schachtel Pralinen

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Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet beim Triell an vergangenen Sonntag.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool)

In den letzten zwei Wochen haben sich die Kanzlerkandidaten von Grünen, SPD und CDU in mehreren TV-Sendungen vorgestellt. Wie haben die Kandidaten diese Chancen genutzt?

Es ist der spannendste Wahlkampf, den dieses Land seit langem erlebt hat. Noch-Kanzlerin Angela Merkel zieht sich zurück und hinterlässt politisch wie personell eine Lücke, die drei Kanzlerkandidaten zu füllen versuchen. Der Wahlkampf hat gezeigt: Leicht wird das nicht.

Diverse Fernsehsender haben in den letzten Wochen Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock die Möglichkeit gegeben, sich um die Wählergunst und das Kanzleramt zu bewerben. Neben den Triells auf RTL und ntv sowie in den öffentlich-rechtlichen Sendern hatten die drei in den vergangenen zwei Wochen zweimal die Möglichkeit, sich einer kleinen Auswahl von Bundesbürgern direkt vorzustellen. Wir haben über alle Wahlsendungen berichtet. Zu klären bleibt: Wer hat die Möglichkeiten der Präsentation für sich nutzen können, wem haben die Auftritte geschadet?

Die Kämpferin

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hat ein Problem. Gab es noch vor wenigen Monaten einen echten Grünen-Hype, stürzte die Partei in den letzten Umfragen immer weiter ab. Im Moment liegen die Grünen mit einer Zustimmung von 15 bis 17 Prozent auf dem dritten Platz. Die alleinige Schuld daran der Kanzlerkandidatin zu geben, wäre zu kurz gegriffen. Zwar machte Baerbock zu Beginn des Wahlkampfs Fehler - Stichwort Lebenslauf, Stichwort Copy and Paste. Doch zuletzt lief ihr Wahlkampf unfallfrei - zumindest fast. Die Aussage im Triell am vergangenen Sonntag, "jedes" Verbot sei ein Innovationstreiber, hätte sie besser unterlassen. Grünen-Gegner jubelten, die Karikatur der Verbotspartei war wieder da.

In den Wahlsendungen wirkte Baerbock aufgeschlossen, kompetent, sympathisch, versuchte mit den Zuschauern ins Gespräch zu kommen. Ihr dürfte klar sein, dass das Kanzleramt inzwischen in weite Ferne gerückt ist. Ihr muss es jetzt darum gehen, eine möglichst gute Ausgangsposition für Koalitionsverhandlungen zu erkämpfen.

Punkte dürfte Baerbock vor allem bei unentschlossenen jungen Wählern gesammelt haben. Baerbock verkörpert die neue Politikergeneration, die die Zukunft gestalten will, dabei auch Fehler in Kauf nimmt und daraus lernt.

Der Aufsteiger

Als ihn seine Partei zum Kanzlerkandidaten kürte, wurde über Olaf Scholz gelacht. Da dümpelte die SPD in den Umfragen irgendwo bei 15 Prozent, Tendenz abwärts. Das jüngste RTL/ntv-Trendbarometer sieht die Sozialdemokraten bei 25 Prozent. Ein Riesenerfolg, an dem Olaf Scholz und die SPD einen Anteil haben. Doch er profitiert auch von den Fehlern der beiden anderen Kandidaten.

Was Scholz fehlt, ist ein Talent zum Showman. Einerseits ist das seine größte Schwäche. Aber ähnlich wie Angela Merkel versucht er, sein Manko mit Besonnenheit und Kompetenz auszugleichen. Das kommt erstaunlich gut an. Ob übermüdet wie in der vergangenen Woche in der ARD, ob ruhig und verständnisvoll wie in dieser Woche im ZDF: Beim Publikum kam Scholz glaubwürdig rüber. Er hat sich als Kandidat gezeigt, der mehr Wert legt aufs Zuhören als auf Applaus.

Die Verwandlung des Unionskandidaten

Wer Armin Laschet in den letzten Wochen erlebt hat, konnte zwei Charaktere in einem Körper sehen. Klar: Laschet hat ein Riesenproblem. In den letzten Monaten ist die Union in den Umfragen dramatisch abgestürzt. Aktuell würden ihr 21 Prozent der Wähler ihre Stimme geben, ein Verlust von fast 12 Punkten im Vergleich zu 2017 und von rund 20 Prozent zu 2013. Wenn es so kommt, wäre dies das mit Abstand schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte.

Daran hat Laschet sicherlich großen Anteil. Er ist der einzige Kandidat, dem sein Auftritt in den letzten Wahlsendungen eher geschadet haben dürfte. In den letzten Wochen gab sich Laschet zu oft aggressiv - nicht nur gegen Scholz. Sein Auftritt im ZDF vor einer Woche war geradezu verheerend. Laschet wirkte schlecht gelaunt, unvorbereitet, hin und wieder gar herablassend. Aber es gibt auch einen anderen Laschet. Am Mittwoch in der ARD sprach er mit den Zuschauern, zeigte sich interessiert und hilfsbereit. Und das ist das Problem. Auf ihn passt das leicht abgewandelte Forrest-Gump-Zitat: "Laschet ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie, was man kriegt." Laschet ist bekannt dafür, dass er die Kompetenz seines Teams zu nutzen versteht. Ob er damit eine Koalition unter einen Hut bringen kann, ist fraglich. Möglicherweise macht dem CDU-Vorsitzenden schon die kleine Schwester CSU das Leben nach der Bundestagswahl schwer.

Quelle: ntv.de

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