Politik

Neue Quarantäneregeln in Berlin? Giffey kritisiert Durchseuchungspläne der Amtsärzte

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Leere Klassen, weil alle Schüler in Quarantäne sind, soll es nach dem Willen der Berliner Amtsärzte nicht mehr geben

(Foto: imago images/Jürgen Ritter)

Die Berliner Amtsärzte wollen Kontaktpersonen infizierter Kinder nicht mehr in Quarantäne schicken. Kinder würden sich ohnehin infizieren, hätten allerdings selten Symptome. Ganze Kita- und Klassengruppen zu isolieren, schade viel mehr. Während die Schulsenatorin den Plan begrüßt, kommt Kritik von der Ex-Familienministerin.

Die SPD-Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Franziska Giffey, hat vor einem Kurswechsel bei der Kontaktnachverfolgung an Kitas und Schulen gewarnt. "Angesichts steigender Zahlen in den jüngeren Altersgruppen können wir uns eine Aufweichung der Quarantäneregeln in Schulen und Kitas nicht leisten", twitterte sie. Zugleich stellte sich die frühere Bundesfamilienministerin gegen ihre SPD-Parteikollegin und Berliner Schulsenatorin Scheeres.

So lange es kein Impfangebot für unter Zwölfjährige gebe, "müssen wir weiterhin in den Schulen und nach Möglichkeit auch in den Kitas umfänglich testen, um Positivfälle und deren Kontaktpersonen zu erkennen, konsequent nachzuverfolgen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen."

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Gesundheitsämter künftig nur noch Kinder und Jugendliche mit einem positiven PCR-Test in eine 14-tägige Quarantäne schicken wollen. Kontaktpersonen außerhalb der engsten Familie würden nicht mehr ermittelt, heißt es in einer Stellungnahme der Amtsärzte. Laut "Tagesspiegel" ist aber noch unklar, ob und wann der Kursschwenk den Schulen kommuniziert werde.

Bildungssenatorin Scheeres sprach von einer "Erleichterung für die Schulen" und einer "Arbeitserleichterung, definitiv". Es sei aufwendig gewesen, beim Bekanntwerden von Coronafällen die Kontakte in der Schule nachzuvollziehen, beispielsweise anhand von Sitzplänen. Die Schulen hätten das sehr sorgfältig gemacht. Dieser Aufwand falle nun aber weg. Es sei aber auch eine Erleichterung für die Eltern, wenn künftig nur ein Kind in Quarantäne gehe und nicht eine ganze Klasse oder eine Teilklasse. "Das sind ja 14 Tage teilweise, und das ist eine Belastung für die Eltern, wenn die dann zu Hause sein müssen."

Infektion kommt - Ansteckung unterbleibt

Mit der neuen Regelung werde Berliner Familien eine Rückkehr zur Normalität in Kitas und Schulen ermöglicht, hatte Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke mitgeteilt. "Wer krank ist, bleibt zu Hause. Alle anderen können lernen, spielen und arbeiten gehen." Die neue Regelung gelte für alle Bezirke. Eine Maskenpflicht an Schulen soll aber weiter gelten.

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In dem Schreiben der Amtsärzte, das der "Tagesspiegel" veröffentlichte, heißt es unter anderem, im Verlauf einer Pandemie müssen die Präventionsstrategien angepasst werden. So dürfe die Kontaktnachverfolgung als Hauptstrategie "das Handeln der Gesundheitsämter nicht mehr bestimmen". Zur Begründung schreiben sie, die komplette Vermeidung von Covid-19 in der Gruppe der unter Zwölfjährigen sei unrealistisch, denn "die vorherrschende Virusvariante vom sog. Deltatyp ist so ansteckend, dass mit einer sicheren Ansteckung der ungeimpften Kinder zwingend zu rechnen ist". Angesichts der "im Regelfall ausbleibenden oder allenfalls milden Symptomatik bei Kindern und der für die Bevölkerung nicht als bedeutsam einzuschätzenden Infektiosität der Kinder" werden die Gesundheitsämter nur noch die betreffenden Kinder in Quarantäne schicken. Sonst "übersteigen die Kollateralschäden den Nutzen deutlich".

Zur Rechtfertigung ihres Strategiewechsels verweisen die Amtsärzte ferner darauf, "dass die gefährdeten Gruppen der Bevölkerung identifiziert sind und sich schützen können, z.B. durch Impfung".

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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