Politik

Sturm vor der Ruhe In Debalzewe tobt die Kesselschlacht

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Kiews Soldaten sehen sich in Debalzewe schweren Angriffen ausgesetzt. Der Soldat hier allerdings ist Teil einer Militärübung.

(Foto: REUTERS)

Die Waffenruhe in der Ukraine ist zum Greifen nah - und doch so fern. Kurz vor der vereinbarten Feuerpause ist vor allem der strategisch wichtige Ort Debalzewe hart umkämpft. Weder das ukrainische Militär noch die Separatisten wollen Gelände verlieren.

Es sind nur noch wenige Stunden bis zur vereinbarten Waffenruhe in der Ostukraine. Dennoch gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Vor allem das Gebiet um den Verkehrsknotenpunkt Debalzewe ist schwer umkämpft. In den vergangenen 24 Stunden gab es dort nach Angaben des ukrainischen Militärs rund 120 Angriffe der prorussischen Rebellen. Mindestens 28 Zivilisten und Soldaten seien getötet worden. In Debalzewe sollen Hunderte ukrainische Soldaten von den Aufständischen eingekesselt sein.

"Die Rebellen versuchen, noch vor Mitternacht ihre taktischen Pläne umzusetzen und Gelände unter ihre Kontrolle zu bringen", sagte der Militärsprecher Andrej Lyssenko in Kiew. Russland warf er vor, die Separatisten mit Kämpfern und militärischer Ausrüstung zu unterstützen. Moskau hat die Vorwürfe, die auch von der Europäischen Union, der Nato und den USA gemacht werden, wiederholt zurückgewiesen.

"Die Stadt steht in Flammen"

"Die Rebellen zerstören Debalzewe", schrieb Polizeichef Wjatscheslaw Abroskin bei Facebook. Wohngebiete und Verwaltungsgebäude stünden unter Dauerbeschuss der feindlichen Artillerie. Auch das Polizeirevier sei von einer Rakete getroffen worden. "Die Stadt steht im Flammen", berichtete die Leiterin der örtlichen Gesundheitsbehörde, Natalia Karabuta. "Es gibt keine Medikamente mehr, kein Wasser und auch keinen Strom". Einwohner suchten im Keller des Krankenhauses Schutz vor den Granaten.

Debalzewe ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und seit Wochen heftig umkämpft. Hätten die Rebellen ihn unter Kontrolle, verfügten sie über eine direkte Verbindung zwischen ihren Hochburgen Donezk und Luhansk. Dem ukrainischen Militär zufolge war auch in Teilen der Region um Luhansk die Lage sehr angespannt. Auch rund um Mariupol und Donezk lieferten sich Armee und Rebellen erbitterte Gefechte.

"Schwere, aber notwendige Entscheidung"

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat bei einem Scheitern der geplanten Waffenruhe um Mitternacht (Ortszeit, 23 Uhr MEZ) erneut mit der Einführung des Kriegsrechts im ganzen Land gedroht. "Wenn es keinen Frieden gibt, müssen wir die sehr schwere, aber notwendige Entscheidung treffen", bekräftigte Poroschenko in Kiew der Agentur Interfax zufolge.

Diesem Schritt müsste zunächst das Parlament zustimmen. Beobachter warnen vor einer Eskalation der Gewalt und einem möglichen Staatsbankrott, würde es dazu kommen. Der prorussische Separatistenführer Alexander Sachartschenko sagte in Donezk, er habe die Feuerpause zur vereinbarten Zeit angeordnet - mit Ausnahme des Verkehrsknotenpunktes Debalzewe.

Quelle: ntv.de, fma/rts/AFP/dpa

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