Politik

Kritik an neuer "Charlie Hebdo" Islamische Staaten verurteilen Karikaturen

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Die Morde an den "Charlie-Hebdo"-Karikaturisten lehnen die meisten Muslime ab, die Bildchen selbst empfinden viele aber als Blasphemie. Diese Männer demonstrierten im pakistanischen Islamabad.

(Foto: REUTERS)

Die Attentate auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" haben weltweit Entsetzen ausgelöst - auch in der muslimischen Welt. Doch auch wenn viele die Morde verurteilen, gut finden sie die Karikaturen auch nicht, wie sich nun zeigt.

In immer mehr muslimischen Ländern regt sich Protest gegen die Mohammed-Karikatur der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe. In der syrischen Rebellenhochburg Aleppo verbrannten Demonstranten am Donnerstag "Je suis Charlie"-Poster. Dutzende Menschen zogen durch den vom Bürgerkrieg verwüsteten Bezirk Salaheddin und warfen den Zeichnern der Satire-Zeitung vor, mit ihrer ersten Ausgabe nach den Anschlägen in Paris Muslime weltweit zu provozieren.

In Kuwait-Stadt protestierten dutzende Islamisten vor der französischen Botschaft. In Bannern in mehreren Sprachen verurteilten auch sie die am Mittwoch erschienene Ausgabe, auf deren Titelblatt ein weinender Mohammed mit einem "Je suis Charlie"-Schild gezeichnet ist. Die Botschaft wurde von Sicherheitskräften geschützt, die Menge löste sich schließlich friedlich auf. Die kuwaitische Regierung hat die Anschläge auf die Redaktion scharf verurteilt.

Die marokkanische Regierung verurteilte am Donnerstag zwar auch die "Terroranschläge", aber auch die neuen Charlie-Karikaturen. Kommunikationsminister Mustapha El Khalfi sprach von einem "Angriff auf die muslimische Religion, ihre Symbole und ihren Propheten". Alle Zeitungen, die die neuen Zeichnungen nachdruckten, würden verboten.

Auch Proteste in Katar

Katar verurteilte, dass die französische Satire-Zeitung und andere europäische Medien wieder "beleidigende" Bilder des Propheten Mohammed abgedruckt hätten, erklärte das Außenministerium. Dies werde nur zu neuem "Hass und Ärger" führen. Meinungsfreiheit bedeute nicht, andere zu beleidigen, ihre Gefühle zu verletzen oder sich über ihren Glauben lustig zu machen.

Die Regierung von Niger verbot am Donnerstag die Verbreitung von "Charlie Hebdo" und verurteilte "aufs Schärfste" die neue Mohammed-Karikatur auf der Titelseite. Präsident Mahamadou Issoufou hatte sich am 11. Januar mit fünf weiteren afrikanischen Kollegen in den "Charlie"-Gedenkmarsch zahlreicher Staats- und Regierungschefs in Paris eingereiht.

Kritik oder Proteste gegen "Charlie Hebdo" und Verbote für Medien, die die Karikaturen nachdruckten, gab es zuvor unter anderem bereits in der Türkei, in Jordanien, im Senegal, im Sudan und in Afghanistan.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP