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Freitag, 06. Mai 2016

"Super Thursday" auf der Insel: Labour muss mit Verlusten rechnen

Gespannt warten die Briten auf die Ergebnisse – nach ihrem "Super Thursday" mit Wahlen zu Regional- und Kommunalparlamenten muss sich die Labour-Partei auf Verluste einstellen, wie erste Hochrechnungen zeigen. Bei Londons Konservativen bricht derweil Streit aus

Die Labour Party hat nach ersten Ergebnissen Einbußen bei den Kommunal- und Regionalwahlen in Großbritannien hinnehmen müssen. Nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen bei den Kommunalwahlen in England verlor Labour Dutzende Mandate in den örtlichen Parlamenten. Auch bei den Regionalwahlen in Schottland und Wales gab es Stimmenverluste. Sollte sich der Trend bestätigen, dürfte dies als Misstrauensvotum gegen den seit acht Monaten amtierenden linksgerichteten Parteichef Jeremy Corbyn gewertet werden.

Die Briten müssen sich noch gedulden, jetzt wird erstmal ausgezählt.
Die Briten müssen sich noch gedulden, jetzt wird erstmal ausgezählt.(Foto: dpa)

Millionen Briten hatten über neue Regional- und Kommunalparlamente sowie den künftigen Bürgermeister von London abgestimmt. Nach Schließen der Wahllokale am späten Abend warteten die Briten gespannt auf erste Ergebnisse. Wer Londons neuer Bürgermeister wird, erfahren sie aber erst am Freitagabend.

Umfragen prognostizierten deutliche Verluste für die Labour-Partei. Der Wahltag, den Medien "Super Thursday" tauften, wird zum ersten Test für den linken Parteichef Jeremy Corbyn, der den Labour-Vorsitz im Spätsommer vergangenen Jahres übernommen hatte. In London ging Labour-Kandidat Sadiq Khan als klarer Favorit ins Rennen - er könnte der erste muslimische Bürgermeister der Millionenmetropole werden. Das könnte die Arbeiterpartei für Verluste in anderen Landesteilen etwas entschädigen. Die britische Hauptstadt wurde in den vergangenen acht Jahren von dem Konservativen Boris Johnson regiert.

"Vorhersagen sind nicht so wichtig"

Sadiq Khan will erster muslimischer Bürgermeister Londons werden.
Sadiq Khan will erster muslimischer Bürgermeister Londons werden.(Foto: imago/i Images)

In Schottland bangt Labour darum, weiterhin zweitstärkste Kraft im Parlament hinter der linksgerichteten Schottischen Nationalpartei SNP zu bleiben. Auch in Wales muss Labour mit Verlusten rechnen: In der Arbeiterpartei wird befürchtet, dass ihr bis zu 150 Sitze in Kommunalparlamenten verloren gehen könnten. "Vorhersagen sind nicht so wichtig", sagte Corbyn, als er seine Stimme in einem Wahllokal im Londoner Ortsteil Islington abgab. Viele im Partei-Establishment von Labour halten ihn für zu links.

Kurz nach Schließung der Londoner Wahllokale zeichnet sich in der konservativen Partei ein Streit über den Wahlkampf von Bürgermeisterkandidat Zac Goldsmith ab. Der Tory-Kandidat hatte seinem Labour-Rivalen Sadiq Khan mehrfach Nähe zu radikalen Muslimen vorgeworfen. Khan könnte Londons erster muslimischer Bürgermeister werden und lag in den letzten Vorwahlumfragen deutlich vor Goldsmith.

Der muss sich nun von einem Parteifreund heftige Vorwürfe anhören: Khan in Zusammenhang mit Extremisten zu bringen, habe "Brücken gesprengt", die zwischen der konservativen Partei und den Muslimen Londons gebaut worden seien, sagte der führende konservative Kommunalpolitiker Andrew Boff im BBC-Fernsehen.

Zac Goldsmith habe einen Fehler begangen und großen Schaden angerichtet. "Ich will nicht, dass wir das noch einmal tun", sagte Boff. Auch der britische Premierminister David Cameron, selbst ein Tory, hatte Khan mehrfach vorgeworfen, mit Extremisten aufgetreten zu sein.

Quelle: n-tv.de