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Kampf gegen IS Moskau will "Generalstab" mit USA und Türkei

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Mit Bombers vom Typ Tu-160 greift Russland Ziele in Syrien an.

(Foto: dpa)

Der russische Botschafter in Frankreich sagt, Russland sei im Kampf gegen den IS bereit, einen gemeinsamen Generalstab mit den USA und der Türkei zu bilden. Aus dem Kreml kommen indes andere Töne.

Im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien ist Moskau nach Angaben seines Botschafters in Paris zur Einrichtung eines "gemeinsamen Generalstabs" mit den USA, Frankreich und anderen Ländern wie selbst der Türkei bereit. "Wir sind bereit, (...) zusammen Luftangriffe auf Positionen von Daech zu planen", sagte Botschafter Alexander Orlow im französischen Radio. "Daech" ist eine in Frankreich geläufige Bezeichnung für den IS.

Die Koalition könne unterschiedliche Formen haben. Auf die Frage, ob Moskau einer Teilnahme der Türkei zustimmen würde, sagte Orlow, Moskau würde sich "natürlich darüber freuen", wenn die Türkei dies wolle. Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei hatte zuletzt für Spannungen gesorgt.

Zugleich droht Russland der Türkei mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Als Reaktion könnten wichtige gemeinsame Projekte gestoppt werden, teilte Ministerpräsident Dmitri Medwedew in einer Erklärung auf der Internetseite der Regierung mit. Türkische Unternehmen könnten zudem Marktanteile in Russland verlieren.

Zivile Opfer belasten Kooperation

Eine militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA im Syrien-Konflikt wird US-Regierungskreisen zufolge vor allem durch Berichte über viele zivile Opfer bei russischen Luftangriffen verhindert. Die USA befürchteten als mitschuldig angesehen zu werden, falls sie im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS in Syrien enger mit Russland kooperierten, sagte ein Regierungsvertreter, der nicht genannt werden wollte.

Zudem wolle die Regierung in Washington nicht, dass die Beziehungen zu moderaten Rebellengruppen belastet werden, die zum Teil von den USA militärisch unterstützt werden. Gleichwohl betonte US-Präsident Barack Obama am Dienstag, dass Russland in der Koalition gegen die IS-Miliz willkommen sei. Allerdings dürfe der russische Fokus nicht mehr auf der Unterstützung von Präsident Baschar al-Assad liegen und auch keine gemäßigten Regierungsgegner mehr bombardiert werden.

Putin droht mit ernsten Konsequenzen

Bereits kurz nach dem Abschuss hatte Präsident Wladimir Putin erklärt, der Vorfall werde ernste Konsequenzen für die Beziehungen beider Staaten haben. Außenminister Sergej Lawrow sagte einen für Mittwoch geplanten Türkei-Besuch ab und rief seine Landsleute auf, nicht mehr in das Land zu reisen.

Zum Hergang des Abschusses machen beide Seiten unterschiedliche Angaben. Nach Erkenntnissen des Militärbündnisses dürfte die Darstellung Ankaras zutreffen, wonach das türkische Militär den Bomber vom Typ Suchoi Su-24 nach einer kurzzeitigen Verletzung des türkischen Flugraums beschoss - wobei es aus US-Regierungskreisen heißt, dass die Maschine erst über syrischem Luftraum getroffen wurde. Die Türkei hat die Piloten offenbar in fünf Minuten zehnmal gewarnt haben.

Russland fliegt seit September Luftangriffe in dem Bürgerkriegsland, in dessen Grenzgebiet zur Türkei am Dienstag der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe für weitere Spannungen sorgte.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP/rts

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