Politik

"Gehirn der Anschläge" Mutmaßlicher Paris-Attentäter ist tot

abaaoud.jpg

dpa

Einen Tag nach dem dramatischen Polizeieinsatz besteht Klarheit: Spezialkräfte haben den als mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris gesuchten Abdelhamid Abaaoud getötet. Der Leichnam des Terroristen war nach der Schießerei mit der Polizei stark entstellt. Berichten zufolge ist Abaaoud in der Vergangenheit auch mehrfach in Deutschland gewesen.

Der als möglicher Drahtzieher der Anschläge von Paris gesuchte Islamist Abdelhamid Abaaoud ist tot. Der bei einem Polizeieinsatz in Saint-Denis getötete Mann sei eindeutig als der 28-Jährige Belgier identifiziert worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. "Abdelhamid Abaaoud ist soeben formell identifiziert worden", erklärte Staatsanwalt François Molins.

Spezialkräfte hatten am Mittwoch bei dem dramatischen, siebenstündigen Zugriff in dem nördlichen Pariser Vorort acht Menschen festgenommen. Zwei mutmaßliche Terroristen starben, neben Abaaoud wahrscheinlich eine Frau, die sich in die Luft sprengte.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls hat Abaaoud als eines der Gehirne der Anschläge bezeichnet. "Wir wissen heute, dass Abaaoud, das Gehirn dieser Anschläge - eines der Gehirne, denn wir müssen besonders vorsichtig sein und kennen die Bedrohungen - sich unter den Toten befand", sagte Valls in der Nationalversammlung.

Körper von Kugeln und Splittern durchlöchert

Abaaouds Leichnam sei von Kugeln durchsiebt und einem Granatsplitter schwer entstellt gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Der Körper sei im Schutt des gestürmten Gebäudes gefunden worden. Anhand seines Fingerabdrucks habe er aber zweifelsfrei identifiziert werden können. Die genauen Todesumstände sind jedoch noch unklar. Molins sagte, es sei noch unklar, ob sich Abaaoud selbst in die Luft gesprengt hat, oder in Folge des Schusswechsels ums Leben kam.

Der meistgesuchte Islamist Belgiens, der für den IS in Syrien gekämpft haben soll, hat marokkanische Wurzeln. Er lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek. Bereits am Mittwoch hatte die "Washington Post" gemeldet, dass Abdelhamid Abaaoud bei der Polizeiaktion getötet wurde. Bislang war dies aber noch nicht von der Staatsanwaltschaft bestätigt worden.

Mehrfach nach Deutschland gereist

Mehrfach sei Abaaoud in den vergangenen Jahren auch nach Deutschland eingereist, berichtet "Spiegel Online". Abaaoud sei am 20. Januar vergangenen Jahres am Flughafen Köln/Bonn von der Bundespolizei kontrolliert worden, sagte ein Sprecher des Präsidiums der Behörde. "Es gab keinen Hinweis an die Bundespolizei, dass wir die Reise untersagen oder ihn festnehmen sollten", fügte er hinzu. Den Beamten erzählte er offenbar, er wolle Freunde und Verwandte in der Türkei besuchen und anschließend wieder zurück nach Köln reisen. Doch die Tour zurück erfolgte offenbar dann auf anderen Wegen.

Wie das Portal aus Sicherheitskreisen verlautete, hatte sich Abaaoud bereits 2007 einmal in Köln aufgehalten. Er soll seinerzeit bei der Stadt ein Ausfuhrkennzeichen für ein großes Fahrzeug beantragt haben. Die Hintergründe seines damaligen Besuchs sind aber vollkommen unklar. "Wir können uns darauf derzeit keinen Reim machen", sagt ein Ermittler.

Polizei hörte Telefonate ab

Noch vor etwa zwei Monaten sei Abaaoud nachweislich durch Deutschland und Österreich getourt, so "Spiegel Online". Er sei am 9. September aus der Bundesrepublik kommend mit zwei Begleitern nach Oberösterreich eingereist, sagte ein Sprecher des Wiener Innenministeriums vor einigen Tagen.

Der Pariser Staatsanwalt Molins sagte, der Auslöser des Einsatzes sei ein Hinweis gewesen, demzufolge sich Abaaoud in Saint-Denis aufhalten sollte. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die französische Polizei aus abgehörten Telefonaten Hinweise erhalten hatte, dass sich Abaaoud in der Wohnung aufhalten könnte.

Quelle: n-tv.de, bdk/kpi/AFP/dpa

Mehr zum Thema