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Razzien in St. Denis Bericht: Drahtzieher der Attentate ist tot

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Abdelhamid Abaaoud ist laut einem Bericht der "Washington Post" tot.

(Foto: AP)

Der Belgier Abdelhamid Abaaoud gilt als Drahtzieher der Anschläge in Paris. Die "Washington Post" meldet, er sei tot. Vorher hatte es eine Razzia in St. Denis gegeben. Der Pariser Staatsanwalt sagt nur, dass Abaaoud dabei nicht festgenommen wurde.

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, ist einem Zeitungsbericht zufolge tot. Das meldete die "Washington Post" unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Eine Bestätigung gibt es dafür aber bisher nicht.

Wenige Minuten später erklärte die Pariser Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz lediglich, dass Abdelhamid Abaaoud nicht unter den festgenommen Verdächtigen sei, die zuvor bei einem Einsatz in Saint-Denis nördlich von Paris gefasst worden waren. Französische Sicherheitskräfte hatten in St. Denis nach dem Belgier gesucht und eine Wohnung gestürmt.

Die französische Polizei hatte aus abgehörten Telefonaten Hinweise erhalten, dass sich Abaaoud in der Wohnung aufhalten könnte. Der meistgesuchte Islamist Belgiens, der für den IS in Syrien gekämpft haben soll, hat marokkanische Wurzeln. Er lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek.

Als die Sicherheitskräfte die Wohnung stürmten, sprengte sich eine Frau in die Luft. Ihre Identität ist noch unklar. In der Wohnung wurde zudem eine weitere von Kugeln durchsiebte Leiche gefunden. Auch sie konnte bisher nicht identifiziert werden; Abaaoud könnte also theoretisch tot sein. Laut Staatsanwalt François Molins ist derzeit noch unklar, wie viele Terroristen bei dem Einsatz starben.

Wohl weiterer Anschlag verhindert

Auf Seiten der Polizei gab es fünf Verletzte. Das Feuergefecht habe fast eine Stunde gedauert, bei dem die Beamten rund 5000 Kugeln abfeuerten, erklärte Molins. Insgesamt seien bei der Razzia in Saint-Denis in und außerhalb der Wohnung acht Personen festgenommen worden. Bei drei von ihnen müsse die Identität noch festgestellt werden. Fest stehe aber schon, dass der international gesuchte Terrorverdächtige Salah Abdeslam nicht darunter ist.

Mit dem Einsatz in St. Denis ist nach Angaben der Ermittler ein möglicher neuer Anschlag verhindert worden. Es sei eine "neue Gruppe von Terroristen neutralisiert" worden, die neue Angriffe geplant hatte. Mit Blick auf ihre Bewaffnung, ihre strukturierte Organisation und ihre Entschlossenheit, deutet alles darauf hin, dass dieses Kommando zur Tat schreiten konnte", sagte Molins.

Attentäter-Handy vor dem Bataclan gefunden

Die Ermittler haben derweil mehr darüber herausgefunden, wie die Anschläge vorbereitet wurden. Molins sagte, es seien inzwischen drei Fahrzeuge identifiziert worden, die für die Anschläge benutzt wurden: ein VW Polo, ein Seat und ein Fiat. Die Brüder Abdeslam hätten die Autos angemietet und seien am Donnerstag – einen Tag vor den Attentaten – von Belgien nach Frankreich gefahren. In Paris hätten die Täter viel über Handy miteinander kommuniziert.

So haben einige der Attentäter offenbar mit einer SMS den Beginn ihres Angriffs gemeldet. In einer Mülltonne vor der Konzerthalle Bataclan wurde laut Staatsanwaltschaft ein Handy gefunden, mit dem ein Angreifer am Freitagabend eine SMS mit den Worten "Es geht los, wir fangen an" verschickte. Die SMS sei um genau 21.42 Uhr versendet worden, der Empfänger der Botschaft müsse noch ermittelt werden.

Der Angriff auf das Bataclan hatte gegen 21.40 Uhr begonnen. Bereits um 21.20 Uhr und 21.30 Uhr hatten sich zwei Selbstmordattentäter vor der Fußballarena Stade de France in die Luft gesprengt, um 21.25 Uhr begann eine dritte Gruppe mit Angriffen auf eine Reihe von Bars und Restaurants in Paris.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/rts/AFP

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