Politik

Weitere Opfer gestorben Paris erlebt Nacht des Schreckens

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Etwa 180 Menschen wurden verletzt - viele von ihnen schwer.

(Foto: AP)

Die Attentäter ermorden mehr als 120 Menschen und verletzen mehr als 180. In einer Konzerthalle, vor Cafés und Restaurants richten die Terroristen in Paris ein Blutbad an. Mindestens acht der Angreifer werden erschossen - möglicherweise sind weitere auf der Flucht.

Bei einer beispiellosen Anschlagsserie in Paris sind mindestens 128 Menschen ermordet worden. Etwa 180 Menschen wurden verletzt, 80 von ihnen lebensgefährlich. Die Polizei fürchtet, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen wird.

Laut Polizei sind acht Attentäter tot. Sieben hätten sich selbst in die Luft gesprengt, einer sei von der Polizei erschossen worden. Auch am Tag nach der Terror-Nacht ist nicht klar, wie viele Attentäter an den Anschlägen beteiligt waren und ob noch Täter auf der Flucht sind.

Die Anschläge geschahen an mindestens sechs Orten in Paris. Gegen 21:20 Uhr gab es fast zeitgleich mehrere Schießereien und Explosionen. Ein Polizeisprecher sagte, die Angreifer hätten mehrere Terrassen von Cafés und Restaurants beschossen. Danach hätten Attentäter in der Konzerthalle Bataclan um sich geschossen. Dort trat gerade die US-Rockband "Eagles of Death Metal" auf. Allein hier ermordeten die Terroristen mindestens 87 Menschen.

Die Attentäter hätten ihre Opfer regelrecht niedergemetzelt, sagte ein Behördensprecher. Der Journalist Julien Pierce war in der Halle, als die ersten Schüsse fielen. Mehrere sehr junge, unmaskierte Täter seien in den Saal gekommen und hätten mit Sturmgewehren des Typs Kalaschnikow blindwütig in die Menge gefeuert, sagte er dem Radiosender Europe 1. "Überall lagen Leichen", fügte er hinzu.

Angreifer riefen "Allahu akbar"

Die Attentäter waren offenbar islamistische Terroristen. Das legen mehrere Zeugenaussagen nahe. So hätten die Attentäter in der Konzerthalle "Allahu akbar" (Gott ist groß) geschrien, berichtete ein Zeuge. Sie würden so handeln, weil Frankreich in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen hat, riefen die Angreifer demnach.

Ein anderer Konzertbesucher sagte, er habe drei Männer in schwarzer Kleidung gesehen, die mit Schnellfeuergewehren bewaffnet gewesen seien. Einer von ihnen habe das Feuer in die Menge eröffnet. Dann seien die Leute umgefallen wie Dominosteine.

Gegen 00.30 Uhr stürmten Polizisten das Bataclan. Später wird bekannt, dass drei der Attentäter in dem Moment Sprengstoffgürtel zündeten und sich selbst töteten, ein vierter wurde von der Polizei getötet.

Explosionen vor dem Stadion

Zuvor hatten sich offenbar zwei weitere Selbstmordattentäter vor dem Nationalstadion in die Luft gesprengt. Dort lief ein Freundschaftsspiel zwischen der französischen Fußball-Nationalmannschaft und der DFB-Elf. Ein lauter Knall war auch bei der Live-Übertragung im Fernsehen zu hören. Das Länderspiel wurde dennoch fortgesetzt.

Unter den Zuschauern brach Unruhe aus, als Gerüchte über die Anschlagsserie die Runde machten. Die Sicherheitskräfte hielten die Fans zunächst im Stadion fest. Wie die Ermittler später bekannt gaben, starben in der Nähe des Stadions vier Menschen, darunter drei Attentäter.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier saßen im Stadion. Hollande wurde noch während des Spiels aus dem Stadion gebracht. Die deutsche Nationalmannschaft verharrte bis zum frühen Morgen in den Katakomben des Stadions.

In einer Fernsehansprache kurz darauf verhängte Hollande erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg den Ausnahmezustand über das ganze Land. Außerdem schützen 1500 zusätzliche Soldaten Paris. Der Präsident war sichtlich erschüttert. Er sprach von einer noch nie dagewesenen Serie terroristischer Anschläge. Wer dafür verantwortlich ist, ist noch unklar. Sicherheitskreise gehen von einem islamistischen Hintergrund aus.

Weltweit stießen die Anschläge auf Entsetzen. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie zahlreiche andere Politiker rund um den Globus zeigten sich schockiert und erklärten sich solidarisch mit Frankreich. Das Land wurde nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar mit 18 Toten nun zum zweiten Mal in diesem Jahr das Opfer einer Attentatsserie.

Quelle: n-tv.de, hul/rts/AFP