Politik

Gegen "jede mögliche Bedrohung" Russland stationiert Raketen in Syrien

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"Genau die Zahl, die wir brauchen": Russland ist am Krieg in Syrien derzeit mit "mehr als 50 Flugzeugen und Hubschraubern" beteiligt.

(Foto: AP)

Die russischen Einheiten in Syrien sind stärker bewaffnet als bislang bekannt: Moskau installiert im Kriegsgebiet auch Luftabwehrraketen. Die Begründung klingt fragwürdig. Weder Rebellen noch IS-Milizen verfügen über Flugzeuge.

Zur Absicherung seiner Luftangriffe in Syrien hat Russland nach Angaben der Armee auch Luftabwehrsysteme in das Bürgerkriegsland verlegt. Moskau habe "nicht nur Kampfjets und Hubschrauber, sondern auch Raketenabwehrsysteme" nach Syrien geschickt, erklärte Luftwaffenchef Viktor Bondarew der russischen Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda". Das Verteidigungsministerium in Moskau hat diese Angaben bislang weder dementiert noch bestätigt.

Gegen welche potenziellen Gegner sich die russischen Raketen richten sollen, blieb unklar. Die Lufthoheit über Syrien liegt formell beim Regime in Damaskus. Die Kriegsgegner des Präsidenten Baschar Al-Assad verfügen über keinerlei eigenen Luftstreitkräfte. In der Region Syrien und Nordirak fliegen allerdings Einheiten der von den USA geführten Anti-IS-Allianz seit mehr als einem Jahr Luftschläge gegen Stellungen der Dschihadisten. Zuletzt kündigten die USA an, zusätzlich zwölf Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 in die Region zu verlegen.

Auf Flugzeugentführungen vorbereitet?

Russland ziehe bei dem Einsatz "jede mögliche Bedrohung in Betracht", sagte Bondarew. So sei etwa vorstellbar, "dass ein Militärflugzeug entführt und in ein Nachbarland gebracht wird". Dann müsse Russland selbst auf mögliche Luftangriffe vorbereitet sein. Insgesamt seien derzeit "mehr als 50 Flugzeuge und Hubschrauber" in Syrien - "genau die Zahl, die wir brauchen". "Mehr sind im Moment nicht nötig", sagte Bondarew.

Russland greift seit Ende September Ziele in Syrien aus der Luft an - nach eigenen Angaben zur Unterstützung der Truppen von Staatschef Assad im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz IS. Die USA werfen Moskau vor, nicht den IS zu bekämpfen, sondern in erster Linie gemäßigte Rebellen zu attackieren.

Für die internationale Zivilluftfahrt dürften die Angaben der russischen Luftstreitkräfte zur Stationierung von Luftabwehrraketen in Syrien keine neuen Konsequenzen haben. Für Verkehrsmaschinen gelten in der Region bereits entsprechende Beschränkungen der Luftfahrtbehörden.

Moskau gesteht Luftraumverletzung ein

Im Gespräch mit der "Komsomolskaja Prawda" lüftete Luftwaffenchef Bondarew auch das Geheimnis um einen Vorfall an der türkisch-syrischen Grenze. Vor gut einem Monat war ein Kampfflugzeug in den türkischen Luftraum eingedrungen, was in Ankara scharfe Reaktionen hervorrief. Die Türkei ist Mitglied des Verteidigungsbündnisses Nato. Die türkische Regierung drohte offen damit, im Wiederholungsfall zur Not auch das Feuer auf eindringende Flugzeuge zu eröffnen.

Wie Bondarew nun erklärte, war es tatsächlich ein russischer Kampfjet, der unangekündigt in den türkischen Luftraum vorgedrungen war. Die Maschine habe nach einem Luftschlag im Norden Syriens einer Bedrohung am Boden ausweichen wollen, gab der Luftwaffenchef nun an.

"Unser Pilot flog an der Grenze entlang, als die elektronischen Warnsysteme  an Bord anzeigten, dass ein Raketenabwehrsystem am Boden versucht, das Flugzeug zu erfassen", erläuterte Bondarew. Der Pilot habe binnen Sekunden reagieren müssen und sei schließlich ein Ausweichmanöver geflogen, dass ihn "ein bisschen" in den türkischen Luftraum versetzt habe. "Wir haben das aufrichtigerweise eingestanden."

Quelle: ntv.de, mmo/AFP

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