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Mit Rückenwind aus Moskau Syrien verkündet großangelegte Offensive

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Opfer eines russischen Angriffs in Darat.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Syriens Staatschef Assad kann offenbar aufatmen. Russische Truppen bombardieren seine Gegner, nun wagen sich auch Assads Streitkräfte wieder aus der Deckung. Die Nato sieht eine "beunruhigende Eskalation".

Gestärkt von russischen Luftangriffen hat Damaskus seine Bodenoffensive gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und andere Rebellengruppen massiv ausgeweitet. Der syrische Generalstabschef Ali Abdullah Ajub gab im Staatsfernsehen den Beginn einer groß angelegten Offensive bekannt.

"Die syrischen Streitkräfte haben heute eine groß angelegte Offensive gestartet, um die Terrorgruppen zu besiegen und die Gegenden und Dörfer zu befreien, die unter dem Terror und seinen Verbrechen gelitten haben", zitierte das Staatsfernsehen Ajub. Als Terrorgruppen gelten dem syrischen Regime gemeinhin alle Gegner des Regimes von Staatschef Baschar al-Assad.

Bereits am Mittwoch war in syrischen Militärkreisen bestätigt worden, dass die Truppen in der Zentralprovinz Hama eine Offensive gestartet haben. Die Kämpfe begannen nach Angaben von Aktivisten, während die russischen Streitkräfte Ziele des IS und anderer Extremistengruppen angriffen. Durch die russischen Bombardierungen seien die Aufständischen schon geschwächt worden, sagte Ajub. Die syrischen Streitkräfte hätten "die militärische Initiative behauptet".

Moskau hatte am 30. September mit den Luftangriffen auf die Gegner des syrischen Machthabers Assad begonnen. Am Mittwoch wurden überdies von russischen Kriegsschiffen im Kaspischen Meer Marschflugkörper auf Stellungen des IS und der mit Al-Kaida verbündeten Al-Nusra-Front abgefeuert.

Mehr als 20 Tote

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte richteten sich die russischen Angriffe am Donnerstag gegen Ziele in der Küstenprovinz Latakia und in Hama, dort stand demnach die von islamistischen Rebellen gehaltenen Ebene von Sahl al-Ghab im Fokus. Mindestens 13 Regierungssoldaten und elf Rebellen seien getötet worden. Beim Dorf Kafr Nabuda hätten Aufständische einen Hubschrauber abgeschossen, es sei unklar, ob es sich um einen syrischen oder russischen handelte. Die Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die regierungsnahe Zeitung "Al-Watan" berichtete unter Berufung auf eine ungenannte Quelle, die syrische Armee habe knapp ein dutzend Dörfer und insgesamt 70 Quadratkilometer zurückerobert.

Nach den jüngsten Verletzungen des türkischen Luftraums durch russische Kampfjets warnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Moskau vor einem nachhaltigen Schaden für die bilateralen Beziehungen. Russland solle sich genau überlegen, was es tue, sagte Erdogan während einer Reise nach Japan.

Mit Blick auf die energiepolitischen Beziehungen zu Russland sagte Erdogan, auch Russland habe viel zu verlieren. "Das ist keine einseitige Sache." Falls nötig, könne die Türkei ihr Erdgas auch woanders kaufen. Zudem verwies er auf den geplanten Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks, in den russische Firmen bereits drei Milliarden Dollar investiert hätten. Es gebe auch andere Anbieter, die Atomkraftwerke bauen könnten.

Nato beunruhigt

In Brüssel sprach Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg von einer "beunruhigenden Eskalation" angesichts des russischen Eingreifens. Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagte in Brüssel, beim Treffen der 28 Bündnis-Verteidigungsminister werde es auch um die "Folgen für die Sicherheit der Allianz" gehen. Die Nato hat "Patriot"-Flugabwehrsysteme in der Türkei stationiert, um den Nato-Partner vor Beschuss aus dem benachbarten Syrien zu schützen. Der Einsatz soll eigentlich noch in diesem Jahr enden.

Auf die Frage, ob die Nato nun über eine Verlängerung der Mission nachdenke, sagte Stoltenberg: "Die Nato ist in der Lage und bereit, alle Partner zu verteidigen, einschließlich der Türkei." Er verwies in diesem Zusammenhang auf die neue sogenannte Speerspitze der schnellen Nato-Eingreiftruppe.

Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte, die Nato habe deutlich gemacht, "dass wir zu unserem Partner Türkei stehen". Zu Russlands Eingreifen in den Konflikt an der Seite Assads sagte von der Leyen auf Englisch, Moskau müsse sich im Klaren sein, dass Angriffe auf die Gegner des IS den IS stärke, was nicht im Interesse Russlands sein könne.

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(Foto: Christoph Herwartz / n-tv.de)

Quelle: n-tv.de, Maya Gebeily, AFP

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